Winnenden.| In der Sitzung am 21. Juli wurde dem Gemeinderat ein Konzeptvorschlag zur Anpassung des Parkraummanagements in der Innenstadt und am Bahnhof vorgestellt. Der Vorschlag sieht unter anderem vor, dass ab 2027 nach einem kostenlosen Parkzeitraum von 90 Minuten erstmals Parkgebühren in der Innenstadt erhoben werden. Diese Neuregelung beträfe zunächst nur die Parkhäuser in der Innenstadt, perspektivisch würde die Ausweitung auf weitere Stellflächen im Innenstadtbereich, wie zum Beispiel dem Holzmarkt, angestrebt. Am Bahnhof sollen die Parkgebühren auf marktübliche Preise angepasst werden.
Winnender Modell
Aktuell können Innenstadtbesucherinnen und -besucher in weiten Teilen um die Fußgängerzone 120 Minuten kostenlos parken. Dadurch können Einkäufe in der Innenstadt erledigt werden, ohne Parkgebühren zahlen zu müssen. Längere Parkzeiten sind aktuell nicht möglich. Ermöglicht wird das kostenlose Parkangebot durch das sogenannte Winnender Modell, das Winnender Unternehmen mit insgesamt rund 25.000 Euro im Jahr unterstützen und im Gegenzug 120 Minuten kostenfreie Parkzeit für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen.
Mögliche Anpassung des Konzepts
In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurde nun ein Konzept zur Anpassung der bestehenden Regelung vorgestellt und diskutiert. Der Vorschlag der Verwaltung sieht vor, dass ab 2027 nach einer Freiparkdauer von 90 Minuten, welche durch die am Winnender Modell beteiligten Unternehmen erhalten werden, eine Verlängerung der Parkdauer für je einen Euro pro halbe Stunde möglich sein soll. Diese Regelung würde zunächst in den drei Parkhäusern in der Innenstadt umgesetzt werden. Durch eine digitale Kennzeichenerkennung, wie sie vielerorts bspw. am Rems-Murr-Klinikum eingesetzt wird, liefe die Bezahlung dann sowohl digital als auch über Parkautomaten. Damit bestünde weiterhin die Möglichkeit, alltägliche Einkäufe ohne Parkkosten zu erledigen. Für längere Erledigungen in der Innenstadt kann durch die Gebühren erstmals dann auch länger geparkt werden.
Winnenden im Vergleich
Für den Vorschlag der Verwaltung zur Höhe der Parkgebühren wurde der Blick auch in die Nachbarstädte gerichtet. Dort liegt die kostenlose Höchstparkdauer deutlich unter den angedachten 90 Minuten, meist 30 Minuten oder weniger. Durch die 90 Minuten kostenfreies Parken und Gebühren in Höhe von 1 Euro je weiterer halben Stunde, lägen die Kosten für Parkdauern von 2 bzw. 3 Stunden in Winnenden bei einem bzw. drei Euro. Um sein Auto in Waiblingen oder Backnang für dieselbe Parkdauer abzustellen, würden Gebühren zwischen 3 und 4 bzw. 4,5 und 5 Euro anfallen. Für den Nachtbetrieb wird für Winnenden der Höchstbetrag von drei Euro vorgeschlagen.
Durch die Anpassung des Winnender Modells bliebe der Kern des Angebots, kostenloses Parken für die Dauer eines gewöhnlichen Innenstadtbesuchs, erhalten. Für längere Erledigungen kann die Parkdauer gegen eine entsprechende Gebühr verlängert werden. Dadurch bleibt die Umschlagshäufigkeit der Parkplätze weiterhin hoch und der einzelne Nutzer profitiert von einer höheren Flexibilität. Die Einnahmen durch die Parkgebühren würden, neben den Beiträgen der Unternehmen für das Winnender Modell, einen wichtigen Beitrag für die laufenden Kosten der Parkhäuser liefern, welche den Haushalt der Stadt mit rund 550.000 Euro jährlich belasten.
Parken am Bahnhof
Am Winnender Bahnhof sollen die bestehenden Parkgebühren ebenfalls angepasst werden. Ab dem 01.01.2027 soll ein Tagesticket 2 Euro kosten. Die Preise für Monats- und Halbjahrestickets würden ebenfalls entsprechend angepasst. Auch hier wurde sich an der Höhe der Gebühren in den umliegenden Städten orientiert, welche meist zwischen 2 und 5 Euro liegen.
Vorschlag des VAW
Der Verein Attraktives Winnenden wurde vorab bereits um eine Stellungnahme zum Vorschlag des neuen Konzepts gebeten. Grundsätzlich begrüße er darin die angedachte Einführung, welche dazu beiträgt, Dauerparken in der Innenstadt zu reduzieren und so eine bessere Parkplatzverfügbarkeit für Kunden der Innenstadt schafft. Gleichzeitig spricht er darin mehrere Bedenken zu der vorgeschlagenen Neuregelung an und liefert direkt Anpassungsvorschläge, wie die Festlegung eines Stundentarifs und den Verzicht auf Parkgebühren in den frequenzärmeren Abendstunden (18-0 Uhr), um Besucherinnen und Besucher von Gastronomie, Vereins- und Kulturveranstaltungen nicht zu verlieren. Die Stellungnahme des VAW kann unter www.winnenden.de/parkkonzept eingesehen werden.
Einholung eines Stimmungsbilds für Beschlussfassung im Oktober
Der Vorschlag der Verwaltung beruht auf den in der Vergangenheit eingebrachten Überlegungen einiger Gemeinderatsmitglieder. Nach der Information des Gemeinderats über den zur Diskussion gestellten Vorschlag, soll auch dem Verband der Selbstständigen die Möglichkeit gegeben werden, sich zu dem Vorschlag zu äußern. Auch Bürgerinnen und Bürger können ihre Gedanken zum Vorschlag per E-Mail an [email protected] bis zum 13. September mitteilen. Die Rückmeldungen werden durch die Stadtverwaltung ausgewertet und sollen ein Stimmungsbild zum eingebrachten Vorschlag aufzeigen. Nach der Sommerpause wird der Gemeinderat in seiner Oktober-Sitzung dann über den Vorschlag entscheiden.