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Mieter des Vaisana Ärztehauses sind in Sorge

AktuellMieter des Vaisana Ärztehauses sind in Sorge

Nach Verkaufsabsichten des RKH-Klinikums kritisieren Ärzte und Therapeuten die mangelnde Kommunikation mit den RKH-Kliniken und fordern die Verlängerung ihrer Mietverträge

VAIHINGEN/ENZ.|  Die Ärzteschaft und die übrigen Mieter sind in Sorge um den Fortbestand des Vaisana Ärztehauses. Im April 2025 war publik geworden, dass die defizitäre RKH Regionale Kliniken Holding GmbH das Simulationszentrum aus dem angrenzenden ehemaligen Krankenhaus abziehen will, um den Weg für einen Verkauf des gesamten Areals zu ebnen. Zunächst war die Verlängerung der Mietverträge in Aussicht gestellt worden. Doch die Kommunikation ist schlecht.

Im April 2007 war das Vaisana Ärztehaus eröffnet worden, um die medizinische Versorgung der Vaihingerinnen und Vaihinger sicher zu stellen. Neben Haus- und Facharztpraxen haben sich eine Apotheke, ein Sanitätsgeschäft, eine Podologin, eine Logopädin und eine große Praxis für Ergo- und Physiotherapie sowie ein Café angesiedelt, um Patientinnen und Patienten kurze und barrierefreie Wege bei einem großzügigen Parkplatzangebot zu garantieren. Das Konzept kompensierte ein Stück weit die Schließung des Krankenhauses im Jahr 2015. Momentan gibt es im Vaisana Ärztehaus fünf Arztpraxen für die Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Diabetologie, Gastroenterologie, Orthopädie/Unfallchirurgie und Kardiologie. „Der interdisziplinäre Austausch auf kurzem Wege ist ein enormer Vorteil für unsere Patientinnen und Patienten“, erklärt Dr. Christoph Klinger, Internist und Geschäftsführer der Vaisana GmbH.

Seit 2007 wurden die angemieteten Flächen kontinuierlich gesteigert. Zuletzt wurden im Jahr 2022 zusätzliche Flächen für die gastroenterologische Abteilung im Erdgeschoss des ehemaligen Krankenhauses angemietet. Aufgrund struktureller Veränderungen wie Todesfälle oder das Ausscheiden mehrerer Ärzte hat sich der Flächenbedarf in den vergangenen Jahren jedoch reduziert. „Wir haben aktuell leerstehende Flächen, die erhebliche Kosten verursachen“, so Klinger. Seit Februar 2024 versucht die Vaisana GmbH daher, mit den RKH-Kliniken neue Mietverträge auszuhandeln. Ende August haben die Kliniken der Vaisana Ärztehaus GmbH endlich einen Mietvertragsentwurf zugesendet. Dieser aber erfüllt die Maßgaben und Bedürfnisse der Mieter nur unzureichend.

„Die Nachricht von der Schließung des Simulationszentrums und vom beabsichtigten Verkauf des gesamten Areals haben wir dann der Presse entnommen“, so Klinger. Und seither warten die Ärzte auf Antworten auf ihre Fragen – und auf neue Verträge. Dabei differieren die Bedürfnisse der verschiedenen Praxen. So benötigen die Internisten beispielsweise große Räumlichkeiten im Vaisana Ärztehaus, sollte die angemieteten Flächen für den Betrieb einer gastroenterologischen/diabetologischen Praxis im benachbarten alten Krankenhaus wegfallen. „Den dazu unabdingbaren Umbau oder ein Entgegenkommen beim Mietzins lehnt die RKH aber kategorisch ab“, so Klinger. Zudem fordert die Praxisgemeinschaft einen Mietvertrag mit ausreichender Laufzeit von mindestens zehn Jahren mit einer Verlängerungsoption um fünf Jahre. „Ansonsten macht ein Umbau gar keinen Sinn“, so Klinger.

Die ansässigen allgemeinmedizinischen Praxen hingegen (Dr. Lott / Ray und Dr. Schwarz-Kumpf) benötigen Mietverträge mit kürzeren Laufzeiten, um auf die Fluktuation unter den Hausärzten reagieren zu können. „Wir versuchen seit April 2024, mit den RKH-Kliniken neue Verträge für die von uns genutzten Flächen mit einer Verlängerungsoption von fünf Jahren auszuhandeln. Aber wir werden hingehalten“, so Allgemeinmediziner Michael Ray. Die Zeit drängt. In der momentan unsicheren Situation sei es zudem schwierig, neue Ärzte zu gewinnen. „Unser Ziel ist, das Gesundheitszentrum mit möglichst vielen Anbietern zu erhalten“, sagt auch Dr. Julia-Schwarz-Kumpf.

Vollste Unterstützung erfahren die Mieter von Oberbürgermeister Uwe Skrzypek. Er setzt sich sowohl bei den RKH-Kliniken als auch bei Landrat und Aufsichtsratsvorsitzendem Dietmar Allgaier massiv für den Fortbestand des Vaisana Ärztehauses ein. Der Kreis ist Gesellschafter der GmbH. Den Grund und Boden für den Bau des Krankenhauses hatte die Stadt Vaihingen an der Enz dem Kreis in den 1930er-Jahren erschlossen und überlassen – mit der ausdrücklichen Bindung an eine Nutzung zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Diese wäre bei einem Verkauf des Areals an einen privaten Investor nicht mehr gegeben. Zudem müsste der Bebauungsplan hinsichtlich der Nutzungsrechte umgeschrieben werden.

„Angesichts der schlechten hausärztlichen Versorgung Vaihingens muss ein Weggang von Ärzten unbedingt verhindert werden“, so Skrzypek. Die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung zeichnen ein düsteres Bild. „Wir haben Verständnis für die schlechte wirtschaftliche Lage der RKH-Kliniken. Vaihingen musste aber mit der Schließung des Krankenhauses schon einmal einen hohen Preis zahlen. Wir opfern nicht die medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger, weil die RKH kurzfristig Immobilien abstoßen muss.“

In Sorge um den langfristigen Erhalt ihrer Läden, Praxen und Räumlichkeiten sind auch die übrigen Mieter des Hauses. Viele haben in Ausstattung und Infrastruktur viel Geld gesteckt und erwarten langfristige Verträge. „Wäre der Fortbestand unsicher, sind auch die Mitarbeiter verunsichert“, so Klinger. Die Ansiedlung neuer, dringend benötigter Hausärzte sei in der momentanen Situation an diesem Standort ebenso schwierig.“

Im Vaisana Ärztehaus sind mehr als 125 Menschen beschäftigt: 15 Ärzte, 58 Medizinische Fachangestellte, 15 Apothekenmitarbeiter und Apothekerinnen, 26 Physiotherapeuten, eine Podologin, mehrere Logopäden sowie die Mitarbeiter des Santitätshauses und im Kiosk. Weitere Angestellte gibt es bei der Schülerhilfe und der Frühförderung.

Gesellschafter der RKH Regionale Kliniken Holding und Services GmbH sind die Landkreise Ludwigsburg (50 Prozent), Karlsruhe (22), die Stadt Bietigheim-Bissingen (15) und der Enzkreis (13).

Gesellschafter der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH sind der Landkreis Ludwigsburg (36,75 Prozent), die Stadt Bietigheim-Bissingen (12,25) und die Regionale Kliniken Holding (51).


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