von Bernhard Gaus

Mit fünf Siegen in Serie im Gepäck treffen die Handballer der SG BBM jetzt auf eines der drei Topteams der 2. Liga, die um den Aufstieg spielen. Dass Bietigheim mit dem VfL Gummersbach seit dem dramatischen Abstieg aus der 1. Liga in der Saison 2018/19 ein gemeinsames Schicksal teilt, wird am Sonntag (17 Uhr) in der Viadukthalle keine Rolle spielen. Die Partie wird ohne Zuschauer ausgetragen und kann im kostenfreien Livestream unter www.sportdeutschland.tv verfolgt werden.

Die deutliche 17:31-Niederlage im Hinspiel Mitte Dezember in der Gummersbacher Schwalbe-Arena war ein Tiefschlag, an dem die SG BBM eine Zeitlang zu knabbern hatte. Zeigte das Spiel doch, dass die Schwaben in dieser Phase der Saison mit der Spitze der Liga nicht mithalten konnten. Jetzt soll das besser aussehen, die Bietigheimer Handballer wollen einen heißen Kampf liefern. Die Oberberger benötigen im Dreikampf mit Hamburg und N-Lübbecke an der Tabellenspitze jeden Punkt, wenn es am Ende mit der Rückkehr in die 1. Liga klappen soll.

SG BBM-Trainer Brian Ankersen kann am Sonntag auf dieselbe Aufstellung bauen wie beim 34:29-Erfolg am Mittwoch in Wilhelmshaven. Während der an einer Muskelverletzung laborierende Nils Boschen die Fahrt in den hohen Norden nicht mitmachen konnte, waren Patrick Rentschler und Jan Asmuth nach überstandener Erkrankung wieder mit an Bord. Der breitere Kader der SG BBM wurde zum Faktor in Wilhelmshaven und auch Ankersen betont immer wieder die Bedeutung der Zweitbesetzung, wechselt in der Regel entsprechend ohne Qualitätsverlust durch. Mindestens ebenso wichtig ist, dass die SG BBM in ihrer jetzt fünf Spiele andauernden Siegesserie im Rückraum zu alter Gefährlichkeit zurückzufinden scheint. Das gilt nicht nur für Jonas Link, über den viele torgefährliche Szenen laufen. Auch Juan de la Peña und Paco Barthe gewinnen auf der Spielmacherposition an Schärfe. Und Tim Dahlhaus und Dominik Claus zeigen zuletzt wieder, dass sie im rechten Rückraum eines der besten Gespanne der Liga bilden.

In punkto Kadertiefe agiert der VfL Gummersbach vermutlich auf einem noch höheren Niveau als die SG BBM. Alle Positionen sind doppelt mit hoher Qualität besetzt. Beim jüngsten 27:35-Erfolg beim ThSV Eisenach konnte VfL- Trainer Gudjon Valur Sigurdsson im Rückraum auch wieder auf den lange verletzten österreichischen Nationalspieler Alexander Hermann zurückgreifen. Dagegen spielt Robin Haller unter dem Isländer aktuell nur eine Rolle als Wechselalternative. Der 35-jährige Rechtshänder, zwischen 2006 und 2019 einer der Leitwölfe und immer unter den herausragenden Spielern bei der SG BBM, war zu Beginn der Saison noch verletzt. Er erhält unter dem früheren Weltklasse-Linksaußen Sigurdsson im überragend besetzten Rückraum des VfL nur geringe Spielzeiten. Sein Vertrag in Gummersbach läuft am Saisonende aus.

Kopf im Team des Traditionsvereins ist der von MT Melsungen gewechselte Timm Schneider, der den Spielaufbau beim VfL häufig an sich zieht. Bei den Feldtorschützen liegt nur Hermann vor dem 32-Jährigen. Überhaupt ist der Rückraum neben dem Tempospiel die gefährlichste Waffe des Tabellendritten, den rechten Rückraum beackert mit Janko Bozovic ein weiterer wurfgewaltiger österreichischer Nationalspieler. Aber auch die Defensivleistung der Oberberger liegt in der 2. Liga ganz weit vorne. Torsteher Matthias Puhle hat die besten Statistikwerte der Liga mit über 35 Prozent parierter Würfe.

Im Statistikvergleich kann die SG BBM nur mit Christian Schäfer punkten. Der Rechtsaußen der SG BBM führt mit 111 Feldtoren und 81 verwandelten Siebenmetern unverändert die ligaweite Rangliste der Torschützen an. Aber mit den Statistiken ist es ja so eine Sache. Die Wahrheit liegt auch am Sonntag auf dem Spielfeld.