Ludwigsburg.| Wie gut ist Baden-Württemberg auf Cyberattacken, Naturkatastrophen oder langanhaltende Stromausfälle vorbereitet? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Informationsveranstaltung, zu der Stefanie Knecht, Gemeinde- & Kreisrätin in Ludwigsburg, zahlreiche Gäste begrüßte. Experten aus Politik und Praxis beleuchteten die Belastbarkeit der heimischen Infrastruktur und sparten dabei nicht mit deutlichen Worten in Richtung der aktuellen Krisenvorsorge.
Wirtschaftliche Stärke braucht Sicherheit
In seinem Grußwort schlug der FDP-Kreisvorsitzende und Ludwigsburger FDP-Landtagskandidat Wolfgang Vogt den Bogen von der Sicherheit zur Wirtschaftskraft. Er kritisierte eine „Rückwärtsbildung“ in entscheidenden Bereichen wie der Energieversorgung und mahnte: „Baden-Württemberg muss dahin zurück, wo es einmal war – wir müssen wieder Spitze werden!“ Dies funktioniere nur mit einer resilienten Infrastruktur, die Unternehmen und Bürgern Sicherheit bietet.
Notfallplan und Eigenverantwortung
Sebastian Mannl, Bürgermeister für Lebensqualität, Infrastruktur und Service, konkretisierte die Vorsorge vor Ort und verwies auf die Broschüre „Notfallplan Stromausfall“. Im Ernstfall dienen Grundschulen als zentrale Notfalltreffpunkte, die durch städtische Mitarbeiter betrieben und mit Notstromaggregaten sowie Informationsstellen ausgestattet werden. Trotz der komfortablen Lage – etwa durch doppelte Stromnetze und Bezugsrechte beim Leitungswasser – warnte Mannl vor Realitätsverlust: „Wenn bei einem Gasausfall alle auf Elektroheizungen umsteigen, bricht das Netz zusammen.“ Sein Appell: Optimistisch bleiben, aber vorbereitet sein.
Investitionsstau im Bevölkerungsschutz
Nico Weinmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und bevölkerungsschutzpolitischer Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion, lieferte beeindruckende, aber auch besorgniserregende Zahlen. Die Nachfrage nach Fortbildung übersteigt das Angebot und die Kapazität der Landesfeuerwehrschule deutlich. Die Auflösung des Sanierungstaus von allein 80 Mio. Euro im Rettungsdienst aus Mitteln des Sondervermögens ist nur ein Strohfeuer, während sich bereits neue Investionserfordernisse auftun. Weinmann kritisiert zögerliche und unzureichende Unterstützung von Kommunen durch das Innenministerium beim Wiederaufbau der Sireneninfrastruktur und mahnte kreative Lösungen für die Behebung des Schutzraummangels an. „Wir müssen die Eigenschutzfähigkeit der Bevölkerung stärken. Wann haben Sie zuletzt einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht?“, fragte Weinmann kritisch in die Runde.
Lehren aus der Praxis: Das Ahrtal als Mahnmal
Einen tiefen Einblick in die Einsatzrealität gab Uwe Korte, Brandamtsrat a. D., der auf 38 Jahre Erfahrung bei den Feuerwehren Ludwigsburg und Stuttgart zurückblickt. Besonders die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal habe gezeigt, wie schnell Systeme kollabieren: „Telefonnetze und Digitalfunk fielen aus, die Kommunikation war fast unmöglich.“ Ein Kernproblem sei die Trennung von Helfern und Betroffenen, da Ehrenamtliche vor Ort oft selbst Opfer der Katastrophe seien. Kortes abschließendes Plädoyer war deutlich: „Wichtig ist, dass in einer Stadt die Anforderungen an Rettungswege zum Schutz der Bevölkerung eindeutig Priorität haben.”