Endgültiges Aus für Neckarweihinger Schule?

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Ludwigsburger Stadträte sehen wenig Chancen für weiteren Erhalt der Hauptschule

von Michael Schau

Ludwigsburg, 05.07.2012.| Eher ruhig und relativ emotionslos ging in der gestrigen Gemeinderatssitzung der Tagesordnungspunkt 1 – Schulentwicklungsplan 2012 bis 2017 über die Bühne. Alle Fraktionen waren bestens vorbereitet und gaben ihre Einschätzungen zum Besten. Während Klaus Herrmann (CDU) die vielen Zuhörer auf den Gästeplätzen mit seinen sehr ausführlichen Ausführungen fast über Gebühr strapazierte, kamen Elga Burkhardt (LUBU) und Edeltraud Lange mit relativ wenigen Worten auf den Punkt.

In seiner Vorrede äußerte sich Bürgermeister Konrad Seigfried zur Friedrich-von-Keller-Schule. In Neckarweihingen sei ein sehr starker Rückgang der Nachfrage zu verzeichnen, Seigfried nannte dies erschreckend. Für das neue Schuljahr könne keine 5. Klasse gebildet werden. Damit hat diese Schule keine Perspektive mehr. Eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule sieht Seigfried nicht als machbar an, dies sei aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt nicht relevant. Das Aus für die Friedrich-von-Keller-Schule als Hauptschule wird wohl noch vor den Sommerferien beschlossen werden.

In dieselbe Richtung ging auch Stadtrat Klaus Herrmann (CDU), der die Neckarweihinger Schule als den problematischsten Teil des Schulentwicklungsplanes bezeichnete. Man habe, so referierte Herrmann weiter, in der Vergangenheit im gesamten schulischen Bereich sehr viel getan. Baden-Württemberg nehme einen Spitzenplatz in der deutschen Schullandschaft ein, auch könne man auf die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa stolz sein. Die Prognosen der Stadtverwaltung zum letzten Schulentwicklungsplan seien voll eingetroffen, lobte Herrmann den Bürgermeister.

In Bezug auf die Neckarweihinger Schule schlägt die CDU-Fraktion vor, den Standort an der Schwarzwaldstraße zu erhalten, jedoch unter Zusammenführung der Grundschule, die bisher an zwei Standorten im Ortsteil besteht. Mit den Worten „Es ist Zeit für Entscheidungen – wir werden es nicht allen recht machen können.” beendete Klaus Herrmann seinen umfassenden Vortrag.

Stadtrat Hubertus von Stackelberg (SPD) mied das Thema “Neckarweihinger Hauptschule” in seinen Ausführungen und bekannte, dass die SPD die Vorschläge der Verwaltung zur Schulentwicklung weitgehend unterstützen würde. Man sei in Deutschland mit dem alten Schulsystem mittlerweile sehr unzufrieden. Es sei nun an der Zeit, Projekte wie Ganztagesschulen, Lernkonzepte und Schulsozialarbeit zu realisieren. Förderschulen sollten sinnvoll gebündelt werden. Die Einführung der Ganztagesschule würde man in der Fraktion am liebsten schon 2013 oder 2014 sehen.

“Ich hoffe, dass man noch den Stein der Weisen findet”, äußerte sich Roland Glasbrenner (Freie Wähler) zu dem Thema. Die Richtlinien der Landesregierung sind ihm zu dürftig. Man solle eine Änderung des Schulsystems nicht übers Knie brechen. Wie bei den Freien Wählern üblich, stellte Glasbrenner auch die Kostenseite in den Fokus. Man müsse die enormen Kosten unbedingt im Auge behalten. Auch für die Freien Wähler ist das Aus der Hauptschule in Neckarweihingen so gut wie besiegelt.

Gewohnt deutliche Worte fand Grünen-Stadträtin Elfriede Steinwand zum Thema. Trotz “Spätstarts” sei man in Ludwigsburg deutlich weiter als andere Kommunen. Mit dem Schulentwicklungsplan 2012 bis 2017 habe die Stadtverwaltung ein wirklich umfangreiches Werk geschneidert. Gern würde Steinwand es sehen, könnte man in neckarweihingen eine Gemeinschaftsschule installieren. Die Grünen würden hier dann eine Kombination mit dem geplanten Supermarkt befürworten. Allerdings schickten schon jetzt 90% der Neckarweihinger ihre Kinder in andere Schulen.

Etwas vom Weg ab kam Stadtrat Johann Heer in seinen Ausführungen. Der FDP-Mann bezeichnete es als geradezu tragisch, dass ausgerechnet die Grün-Rote Landesregierung mit ihrer Entscheidung einer engagierten Rektorin und Grünen-Stadträtin “den Garaus” mache. Unverständnis zeigte dafür die angesprochene Stadträtin Barbara Schüßler, die in den Besucherrängen der Sitzung folgte. Die Neckarweihinger Schule fällt seiner Meinung nach den Grün-Roten Reformen zum Opfer. Heer bezeichnete das Schulprogramm der Grünen als vollkommen abwegig. Ganztagesschulen könne er befürworten, aber nur, wenn Schüler und Eltern frei wählen könnten.

Eine ganz andere Ansicht hatte Elga Burkhardt (LUBU), wenn es nach ihr ginge, würde man in Neckarweihingen eine Gemeinschaftsschule einrichten. Für sie sind die Schulsanierungen erst mal zweitrangig. Die parteilose Edelgard Lange meinte, man solle sich Zeit lassen. Die Entscheidung über die Gesamtschule sein von der Landesregierung ja noch gar nicht richtig geplant.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sich in der Aussprache die LUBU-Rätin Burkhardt tatsächlich einmal zu einem Lob an Oberbürgermeister Spec hinreißen ließ. Schade war dabei nur, dass dieser da gerade außerhalb des Sitzungssaales weilte. Nun hatte er diese wahrscheinlich einmalige “Entgleisung” der streitbaren Stadträtin verpasst.