Junge Union nimmt Experten mit ins Boot

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von Julia Herrmann

Optimierung der Kinderbetreuung voranbringen

Ludwigsburg, 02.07.2012.| Auf dem Weg zu einer optimalen Kinderbetreuung sind Vernetzung und Erfahrungsaustausch sehr wichtig. Das Thesenpapier der JU für bessere Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung wurde im Landtag bereits vorgestellt. Jetzt traf die JU im Stadtverband Ludwigsburg auf Vertreter der Stadt zum Meinungsaustausch.

„Es ist viel mehr denkbar als man meint”, so der der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried. Damit spricht Seigfried genau die eingefahrenen Strukturen im Kinderbetreuungssystem an, welche die Mitglieder des Arbeitskreises Kinderbetreuung der JU im Stadtverband Ludwigsburg kritisieren und für die Lösungsansätze gesucht und gefunden werden müssen. Ihrer Meinung nach sei eine weitere Optimierung der Kinder-Betreuungsangebote sowie der Verwaltungsstrukturen möglich.

„Kinder sind ein Geschenk Gottes und für unsere Kinder und für deren Eltern müssen wir es schaffen, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit die Welt der Arbeit und die Welt der Familie bei Bedarf vereinbart werden kann“, fordert Julia Herrmann. „Wir wollen, dass Kind und Karriere möglich ist“.

Erster Bürgermeister Konrad Seigfried und weitere Experten im Bereich Familien und Soziales der Stadtverwaltung Ludwigsburg nehmen die Forderung der JU ernst. Sie trafen sich im Rathaus zum Gespräch. Als Vertreter im Arbeitskreis Kinderbetreuung der JU Ludwigsburg waren vertreten: Der Vorstand der JU Ludwigsburg Jan Martens, Julia Herrmann, Daniel Scheuermann und Jennifer Böltz.

Daniel Scheuermann verweist auf die enorme Bedeutung qualifizierter Berufsausbildung für die junge Generation. Eltern ohne abgeschlossene Berufsausbildung benötigen mehr Unterstützung. “Ein Kind darf kein Grund zur Nichtaufnahme einer Bildungsmaßnahme sein”, mahnt der Vorsitzende Jan Martens der JU Ludwigsburg eindringlich.

Auch im Rathaus ist die Kinderbetreuung für die Mitarbeiter ein immer präsentes Thema. Bürgermeister Seigfried unterstützt die Mütter in seinem Büro so gut er kann. „Kinderbetreuung, einen flexiblen Arbeitgeber und einen starken Partner an meiner Seite“, so beschreibt Bürgermeister Seigfried die drei wesentlichen Bausteine, um Kind und Arbeit gelingend zu vereinbaren. Dennoch bleibe ein Karriere-Knick zumeist nicht aus. In dem geschilderten Fall einer jungen Ludwigsburger Studentin mit Kind können sich die Experten sehr gut hinein versetzen.

Jennifer Böltz aus Ludwigsburg (24) wird durch diese Bausteine nicht optimal gestützt. Sie erzieht ihre Tochter (5) alleine und das Studium ist für sie wahrlich keine flexible Angelegenheit. Die Kinderbetreuung im Kindergarten deckt nicht annähernd den Vorlesungsplan der jungen Mutter ab. Sie benötigt zusätzlich eine Tagesmutter, die zwar gering bezuschusst wird, ihren Eigenanteil von über 6 Euro die Stunde muss sie jedoch selbst aufbringen. Um allein diese zusätzliche Betreuung finanzieren zu können, arbeitet die junge Mutter während des Studiums als Werksstudentin in ihrem Ausbildungsbetrieb einige Stunden die Woche. Die zusätzliche Belastung ist enorm.

Würde Jeniffer Böltz nicht immer wieder mit der Doppelbelastung zwischen Studium und Ihrer Rolle als Mutter kämpfen, müsste sie aufgrund fehlender Betreuungszeiten und der großen finanziellen Belastung den Traum von der Fahrzeugtechnik-Ingenieurin begraben.

“Anträge für Anträge für Anträge”, so schildert die Studentin ihren Kampf um Zuwendungen, die ihr per Gesetz eigentlich zustehen. Doch bedingt ein Antrag immer wieder die Bewilligung eines anderen vorzulegen. „Die Bearbeitungszeiten ziehen sich und damit auch die Zeiten, bis die Zuwendungen letztlich irgendwann fließen. Die Verantwortung der Kindergärten liegt in den Händen der Kommune, für die Tagesmütter ist wiederum der Kreis zuständig“. Zur Unterstützung der Eltern fordert die JU eine zentrale Anlaufstelle in Ludwigsburg einzurichten.

Bürgermeister Seigfried kennt sich im Dschungel der Sozialleistungen bestens aus. Er selbst bezeichnet das Procedere als „eine Zumutung“. Eine zentrale Anlaufstelle, wie die JU Ludwigsburg dies fordert, gibt es bisher nur für Kleinkinder (U 3), ob diese für alle Altersstufen erweitert werden muss, werde im Rathaus jetzt geprüft.

Die Mitglieder der JU sehen auch noch weitere Handlungsfelder für eine Optimierung der Kinderbetreuung. Viele Kindergärten in der Stadt und im Landkreis Ludwigsburg halten ihre knapp bemessenen Plätze nur für ortsansässige Kinder bereit. Dies ist für Auszubildende, Studierende oder auch berufstätige Eltern deren Hauptwohnsitz in der Regel in ihren Heimatorten liegt, ein weiterer Stolperstein in der Kinderbetreuung. „Stolpersteine stören, behindern oder blockieren uns. Sie müssen aus dem Weg geräumt werden“, resümiert Jan Martens, der Vorsitzende der JU Ludwigsburg.