NeckarFestTag mit Dammöffnung gekrönt

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Einweihung des Ökoprojektes Zugwiesen mit Prominenz aus Stadt und Land

von Michael Schau

Ludwigsburg, 14.06.2012.| Lang war die Liste derer, die Oberbürgermeister Werner Spec am Mittwoch zu Beginn seiner Einweihungsrede verlesen hatte. Etwas verspätet traf Umweltminister Franz Untersteller ein, der mit einem Ponton vom gegenüberliegenden Neckarufer übergesetzt wurde. Neben Regierungspräsident Johannes Schmalzl war auch der Vorsitzende des Verbandes Region Stuttgart gekommen. Das Bundesverkehrsministerium hatte Frau Dr. Birgit Esser zu dem Festakt entsandt.

In seiner Rede sprach der Ludwigsburger OB auch über die finanzielle Seite des Pilotprojektes, das von Bund und Stadt Ludwigsburg mit Kosten von 5,4 Millionen Euro realisiert wurde. Der Großteil der Gelder stammt aus den Ausgleichsmaßnahmen, was bedeutet, dass die Bauherren, die Gebäude in Ludwigsburgs Baugebieten errichtet haben, in das Ökokonto der Stadt einbezahlten. Die Finanzmittel für das Pilotprojekt stammen zum größten Teil aus diesem Ökokonto. Zuschüsse gab es noch vom Land Baden-Württemberg in Höhe von 400.000 Euro, weitere 600.000 Euro gab der Verband Region Stuttgart dazu.

Frau Dr. Esser vom Verkehrsministerium äußerte “Hier gewinnen wir ein Stück Natur zurück. Entlang des Neckars gibt es viele Probleme mit der maroden Uferbefestigung. Hier wurde nun eine natürliche Befestigung hergestellt, die das Biotop beinhaltet.” Sie bedankte sich bei der Stadt Ludwigsburg für das umfassende Engagement. Auch Thomas Bopp vom Verband Region Stuttgart fand lobende Worte, die Natur solle wieder erlebbar werden, meinte er, mittlerweile gibt es 20 Projekte entlang des Neckars, von denen das Zugwiesenprojekt das Größte ist.

Dr. Remlinger, der Landrat Dr. Haas vertrat, wies darauf hin, dass der Neckar in den 1970er-Jahren total verschmutzt war und es kaum einen nennenswerten Fischbestand mehr gab. Heute seien wieder über 42 Fischarten im Neckar heimisch, was zeigt, dass Mensch und Natur durchaus zusammengehen können.

Umweltminister Frank Untersteller begrüßte in seiner Ansprache das Engagement der Stadt Ludwigsburg und wies darauf hin “Der Neckar ist nicht nur für die Schifffahrt da, auch Ökologie und Erholung muss hier möglich sein. Die Aufgabe der nächsten Jahre ist, solche Projekte am Neckar Stück um Stück voranzutreiben

Gegen 16.40 Uhr war es soweit, Frau Dr. Esser und  Oberbürgermeister Spec bestiegen je einen Bagger und öffneten gemeinsam den Damm an einer vorbereiteten Stelle. Das Wasser des Neckars konnte nun ungehindert in den bereits vorgefluteten Bereich fließen.

Bereits seit 9.00 Uhr war der NeckarFestTag in Gange. In Zelten entlang des Weges durch die Zugwiesen gab es Vorträge, Führungen und eigens eingerichtete Ausstellungen zu besichtigen. Interessierte Bürger, Schulklassen und Kindergartengruppen hatten dabei die Möglichkeit sich näher mit der Natur zu beschäftigen. Daneben wurden auch Führungen durch das Zugwiesengelände und durch Schleuse, Wehr und Kraftwerk angeboten.

Die Zugwiesen sind ein wichtiges Biotop im Anschluss an die hochverdichteten Bereiche von Esslingen über Stuttgart bis nach Ludwigsburg. Bereits seit 15 Jahren beschäftigte sich Rainer Schilling, Leiter der Abteilung Grünflächen und Ökologie beim Fachbereich Tiefbau und Grünflächen mit dem Projekt, an diesem Tag nun konnte er den krönenden Abschluss der langen und intensiven Arbeit genießen.

Das Pilotprojekt Zugwiesen besteht aus zwei Kernstücken: Dem rund 1,7 Kilometer langen und drei bis fünf Meter breiten Umgehungsgerinne und den etwa 3,8 Hektar großen Seitengewässern. Das Umgehungsgerinne stellt einen Bach dar, der typischen Fließgewässerarten als Fischaufstieg dient. Auf insgesamt sieben Meter Höhenunterschied können Fische wie Nase und Barbe nun wieder stromaufwärts wandern.

In einem Wettbewerb hatte die Ludwigsburger Kreiszeitung Ihre Leser zur Wahl eines Namens  für die Zugwiesen und den Bach aufgefordert. 396 Bürger hatten sich daran beteiligt. Oberbürgermeister Werner Spec gab die Siegernamen bekannt, der Bach wird demnach künftig “Zugwiesenbach” heißen, der Seenbereich erhielt den Namen “Neckarbiotop Zugwiesen”.

Zum Ausklang des NeckarFestTages spielte die Folkrockband “Wendrsonn” im Bierzelt und sorgte so noch für gute Unterhaltung.