Organspendeskandal: Rebscher schlägt Runden Tisch vor

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Vorstands-Vorsitzender der DAK-Gesundheit will Vertrauensverlust verhindern

DAK Vorstandschef Prof. Dr. Herbert Rebscher

WZ. In der Diskussion um den aktuellen Organspendeskandal an zwei Unikliniken schlägt die Krankenkasse DAK-Gesundheit einen Runden Tisch vor. „Politiker, Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen und Patientenvertreter sollten bei diesem wichtigen Thema einen Schulterschluss zeigen“, sagt Vorstandschef Prof. Dr. Herbert Rebscher. Es müsse verhindert werden, dass der Fall eines offenbar kriminellen Einzeltäters das Vertrauen in die faire Vergabe von Organen dauerhaft beschädige.

Anstatt jetzt hektisch mit unabgestimmten Einzelvorschlägen zu reagieren, wäre ein kurzfristiger und offener Austausch aller beteiligten Gruppen sinnvoll. Die Transplantationsmedizin in Deutschland habe insgesamt ein sehr hohes Niveau. Davon hätten viele Empfänger von Organen und deren Angehörigen in lebensbedrohlichen Situationen profitiert. Es gehe darum, die Abläufe noch sicherer zu machen und mögliche Schwachstellen zu beseitigen. „Ein Runder Tisch könnte dazu beitragen, das Vertrauen der Menschen wieder herzustellen“, so Rebscher. Manipulierte Organtransplantationen in Göttingen und Regensburg führen nach Auskunft von Experten schon jetzt dazu, dass die Spenderbereitschaft zurück geht.

Der Vorstands-Chef der DAK-Gesundheit erinnert daran, dass die gesetzlichen Krankenkassen ab November ihre Versicherten ab 16 Jahren anschreiben müssen und für einen Organspendeausweis werben. Wenn die Menschen bei Erhalt dieses Briefes zuerst an einen Skandal denken würden, wäre dies kontraproduktiv. Rebscher verwies auf die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage im Auftrag seiner Krankenkasse. Danach waren im März 2012 zwar 70 Prozent der Bevölkerung grundsätzlich zur Organspende bereit, wobei bei vielen Befragten das Thema gleichzeitig mit Befürchtungen verbunden war.

Angst vor Geschäften mit Organen
Wer eine Spende von Herz, Lunge oder Niere ablehnt, hat meistens Angst, die Ärzte würden nach einer Einwilligung nicht alles tun, um bei schwerer Krankheit das Leben zu retten. Diesen Grund nannten 40 Prozent der Befragten, die derzeit nicht zur Organspende bereit wären. 37 Prozent gaben an, sie befürchteten, dass man mit ihren Organen Geschäfte mache. Jeder Dritte lehnte eine Entnahme ab, weil er nicht wisse, was mit seinen Organen passiere. 26 Prozent erklärten, ihnen mache das Thema generell Angst.

„Die DAK-Gesundheit wird ihre Möglichkeiten nutzen, um unsere Kunden weiter über dieses wichtige Thema zu informieren und damit die Bereitschaft zu Organspende zu erhöhen“, betonte Rebscher. Alle Interessierten erhielten schon jetzt in den Servicezentren der Krankenkasse kostenlose Spenderausweise und Informationsmaterial.