Handwerksorganisationen warnen vor „Dach- und Fassadenhaien“

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Gesundes Misstrauen bei Haustürangeboten ist angezeigt

Stuttgart.| Vorsicht ist geboten, wenn jemand an der Haustür klingelt und vermeintlich günstige Dach- oder Renovierungsarbeiten durchführen will. Auf die regelmäßig auftauchenden betrügerischen „Wildwest-Methoden“ weisen die Dachdecker- und Zimmererinnung, Fachverbände und die Handwerkskammer Region Stuttgart hin.

Das Vorgehen unseriöser Dienstleister hat System – und die Beschwerden häufen sich gerade jetzt in der warmen Jahreszeit. An der Haustüre bieten Betriebe den Eigentümern beispielsweise einen kostenlosen Dach- oder Fassadencheck an oder geben dem ahnungslosen Hausbesitzer vor, mit dem Dach sei etwas nicht in Ordnung. Mit der Masche wollen sie sich Zutritt zum Dach verschaffen. Ehe man sich versieht, steht die Leiter im Garten und die Arbeiten beginnen. So soll das bei Haustürgeschäften gesetzlich verankerte Rücktrittsrecht von zwei Wochen ausgehebelt werden. Bei der sogenannten Dachinspektion wird dann meist „festgestellt“, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. „Die angeblichen Fachkräfte bringen sogar alte Ziegelscherben und faule Holzstücke mit, die sie dem überforderten Hausbesitzer als „Beweise“ für ein desolates Hausdach präsentieren“, weiß Andreas Ambrus, Obermeister der Dachdeckerinnung Stuttgart.

„Häufig, so die Erfahrungen geprellter Kunden, wird aus einem Auftrag, der zunächst 30 bis 150 Euro kosten sollte, urplötzlich eine komplette und meist überteuerte Dach- oder Fassadensanierung“, erklärt Claus Munkwitz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Dann sind wir bei Kosten von bis zu 20.000 oder sogar mehr Euro. Der Ärger ist somit vorprogrammiert.“ Gehe es um Nachbesserung oder Gewährleistung, habe der Auftraggeber in vielen Fällen das Nachsehen. Die mobile Handwerkerkolonne mit ihrem oft weit entfernten Firmensitz sei dann bereits in einer anderen Region unterwegs.

„Das probateste Mittel gegen solche „Haie“ ist gesundes Misstrauen.“ Kammerchef Claus Munkwitz empfiehlt Hausbesitzern, die ein Angebot stutzig gemacht hat, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. „Aufträge dürfen nicht vorschnell an der Haustüre vergeben werden. Es müssen unbedingt Vergleichsangebote vorliegen“, betont Munkwitz. Ebenso empfiehlt er, keine Anzahlung oder Vorauszahlung zu leisten. Thomas Schäfer vom Landesverband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes schlägt außerdem vor, sich grundsätzlich an einen heimischen Fachbetrieb zu wenden. „Ein Betrieb aus der Nähe kann – falls nötig – rasch nachbessern.“ Pfusch und unseriöses Geschäftsgebaren könne er sich gar nicht leisten, denn schließlich stehe der gute Ruf auf dem Spiel.

Was aber, wenn es doch schon zu spät ist? Wie lässt sich beweisen, dass eine Reparaturleistung vielleicht gar nicht notwendig war? Hinterher könne man das meist nicht mehr so ohne weiteres beurteilen, wissen Fachleute aus Erfahrung. Allerdings lässt sich noch feststellen, ob die ausgeführten Arbeiten wenigstens sachgerecht ausgeführt wurden – so zum Beispiel durch die Beauftragung eines von der Handwerkskammer vereidigten Sachverständigen.

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