Neues Umkleidegebäude macht Probleme

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Stadt verweigert Bauabnahme – anscheinend erhebliche Baumängel vorhanden

von Michael Schau

Freiberg, 27.06.2012.| Der 4. Juli sollte ein Festtag werden, die offizielle Einweihung des neuen Umkleidegebäudes am Wasen-Stadion war geplant. Doch nun kommt alles anders. Erhebliche Baumängel seien vorhanden, so die Stadt Freiberg. Stadtbaumeister Kai Find berichtete in der Gemeinderatssitzung am 12.06.2012 von gravierenden Mängeln, die bei der Vorabnahme aufgetreten seien.

CDU-Stadtrat Willi Zimmer nahm das Thema auf und berichtete von seinem Gespräch mit dem Generalunternehmer, der seinerseits meldete, dass die beanstandeten Mängel bis 19. Juni beseitigt sein sollten. Allerdings habe das Bauunternehmen eine Rückantwort von Find bisher nicht bekommen. Dieser vermeldete, dass diese Antwort gerade fertig geschrieben worden sei und am nächsten Tag an das Bauunternehmen gehen würde. Bürgermeister Schaible stand seinem Stadtbaumeister zur Seite indem er auf die Feiertage verwies, die das ganze Procedere verzögerten. Außerdem überlege man, für die Bauabnahme ein Sachverständigenbüro zu beauftragen.

Der CDU-Stadtverband Freiberg meldete sich in der vergangenen Woche in den Freiberger Nachrichten zu Wort und wies darauf hin, dass “Von Planungsfehlern gemunkelt wird, Mängel behauptet werden und die Abwicklung des Bauvorhabens durch die Stadt gerügt würde. Schuldzuweisungen gingen hin und her. Die Punkte im Einzelnen werden an die Stadträte herangetragen”.

Auf unsere Anfrage an die Stadtverwaltung in der vergangenen Woche äußerte sich Fachbereichsleiter Kai Find dahingehend, dass er sich nicht äußern könne. Grundlage hierfür war die Tatsache, dass für den gestrigen Dienstag eine Begehung des Gebäudes durch den Gemeinderat anberaumt worden war und man dann in der nachfolgenden Gemeinderatssitzung Rede und Antwort stehen wolle.

Die nun mit Spannung erwartete Sitzung brachte dann unter Tagesordnungspunkt 2 einen Sachstandsbericht. Diesen hielt Stadtbaumeister Find, er verwies dabei auf Bekanntes. Nämlich dass es Mängelrügen gegeben habe, dass noch “einige Mängel in Prüfung” seien und die Dokumentation, welche am 20. Juni bei der Stadtverwaltung eingegangen war, noch immer geprüft werde. Damit gaben sich sogar die sonst so kritischen CDU-Räte zufrieden – weder Nachfrage noch Kommentar wurde erhoben.

Nun bleibt nur noch die Hoffnung, dass es nicht zum Streit zwischen Generalunternehmer und Stadtverwaltung kommt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung könnte leicht bis zu einem Jahr dauern.

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Bereits im Vorfeld sollen sich eklatante Planungsfehler aufgetan haben. Geht man davon aus, dass der Fachbereichsleiter Bauen (Stadtbaumeister) sich die Pläne vor Baubeginn anschaut, hätte die der Vorgänger von Kai Find, Wolfram Riegler, bereits erkennen können. Find war seinerzeit zur Entlastung von Riegler mit einer 50%-Stelle bei der Stadt Freiberg angestellt, hätte hier sicher ebenfalls Einsicht in die Pläne gehabt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Projektleiter des Generalunternehmers offensichtlich gar keine Erfahrung mit solchen Bauten hat da er aus einem ganz anderen Bereich des Bauwesens kommt, was die Stadtverwaltung aber nicht wissen konnte.

So sind beispielsweise die Lagerräume nicht vom Inneren des Gebäudes erreichbar, man muss außen um den Bau herum um dahin zu gelangen. Ein weiteres Manko ist, dass die Türen zu den Umkleidekabinen so positioniert sind, dass sie unweigerlich denjenigen, der dahinter steht, trifft. Für diese Stelle war aber eine Umkleidebank vorgesehen! Weiterhin wurden die Sitzmöglichkeiten zu klein dimensioniert. Offenbar war niemandem im Stadtbauamt klar, aus wie vielen Spielern eine Mannschaft besteht. Zu wenig Sitzplätze und viel zu viel freier Raum in der Mitte sind nun die Folge. Es musste nachgebessert werden. Erst auf Hinweis eines Vereins sollen nun zusätzliche Umkleidebänke in die Kabinenmitte. Das soll jedoch, wie zu hören war, aus Ersparnisgründen nicht in jede Kabine! Schließlich kostet solch eine Bank bis zu 700,- €.

An der Eingangsseite wurde eine Sportschuhwaschanlage installiert mit 3 (!) Wasserhähnen, für 2 Fußballmannschaften wird das eng nach einem Spiel im Matsch. Im letzten Augenblick hatte man noch an der Gebäudeseite einen Wasserhahn angebracht, an dem eine portable Schuhwaschanlage angeschlossen werden kann. Allerdings auch hier ein Problem: es gibt nirgends eine Ablaufrinne, das Brauchwasser läuft dann direkt auf den Rasen.

Fazit
Dass eine Kommune nicht jedes Jahr ein solches Projekt erstellt ist klar. Klar ist auch, dass man nachher immer klüger ist als vorher. Sicher hätte man sich seitens der Stadtverwaltung intensiver mit den Fachleuten in den Vereinen besprechen sollen. Dann wäre manches Malheur nicht passiert. Doch man kann auch daraus lernen. Jetzt muss versucht werden, das Beste daraus zu machen. Die Stadt darf aber bei einem 1,2 Millionen-Projekt jetzt nicht wegen 1.000 oder 2.000 € in Sparsamkeitsstarre verfallen. Sie ist aufgerufen, dieses wirklich tolle Gebäude nun schnellstmöglich zur Nutzung freizugeben. Sind erst mal die Sportler dort zugange, schwindet auch die Kritik.

Wer arbeitet, der macht auch Fehler. Diese gilt es nun in Erfahrungswerte umzusetzen.