{"id":162408,"date":"2026-10-01T12:49:26","date_gmt":"2026-10-01T11:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/?p=162408"},"modified":"2026-10-01T12:49:26","modified_gmt":"2026-10-01T11:49:26","slug":"stadt-stuttgart-zeichnet-erstmals-besondere-zivilcourage-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2026\/10\/01\/stadt-stuttgart-zeichnet-erstmals-besondere-zivilcourage-aus\/","title":{"rendered":"Stadt Stuttgart zeichnet erstmals besondere Zivilcourage aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"m_2605987015958882844mynewsSubline\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Oberb\u00fcrgermeister Dr. Frank Nopper hat am 30. September erstmals den Preis f\u00fcr Zivilcourage der Landeshauptstadt Stuttgart verliehen. Ausgezeichnet wurden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die in schwierigen Situationen nicht weggesehen, sondern geholfen und Verantwortung \u00fcbernommen haben.<\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gew\u00fcrdigt wurden drei F\u00e4lle besonderen zivilcouragierten Handelns: eine Zeugin, die bei einem schweren Angriff auf einen Jugendlichen eingriff, Ingo Bleicher, der einer Frau in einer akuten Notlage beistand, sowie die Jugendlichen Tim Baiter und Ole Herfert, die einem schwer verletzten Mann am Stuttgarter Hauptbahnhof Erste Hilfe leisteten. Einen Sonderpreis erhielt das Dillmann-Gymnasium f\u00fcr das Projekt \u201eRising Courage\u201c. Musikalisch wurde die Verleihung durch die Polizeimusik Stuttgart begleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In schweren Situationen nicht wegschauen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Preisverleihung im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses w\u00fcrdigte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Frank Nopper Menschen, die in konkreten Situationen Verantwortung \u00fcbernommen und anderen geholfen haben. \u201eWir brauchen Menschen mit Haltung. Menschen, die hinsehen und eingreifen, wenn andere verletzt oder gef\u00e4hrdet werden. Wir suchen keine Superhelden. Wir erwarten auch von niemandem, dass sie oder er Gewaltt\u00e4tern im Alleingang entgegentritt. Zivilcourage ist etwas anderes. Sie kann bedeuten, laut zu werden und den Notruf zu w\u00e4hlen, einen verzweifelten Menschen anzusprechen, zuzuh\u00f6ren oder einem Unfallopfer Erste Hilfe zu leisten\u201c, so Nopper in seinem Gru\u00dfwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Clemens Maier, B\u00fcrgermeister f\u00fcr Sicherheit, Ordnung und Sport, erg\u00e4nzt: \u201eZivilcourage bedeutet, dass einzelne Menschen Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft \u00fcbernehmen, in der sie leben, f\u00fcr ihre Mitmenschen und ihren N\u00e4chsten. So leisten sie einen Beitrag f\u00fcr die Solidarit\u00e4t innerhalb unserer Gesellschaft und verstehen sich als Teil eines Ganzen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Preistr\u00e4gerin wurde ausgezeichnet, nachdem sie Zeugin eines schweren Angriffs auf einen 15-J\u00e4hrigen geworden war. Der Jugendliche war auf der Stra\u00dfe Lange Morgen von hinten angegriffen, zu Boden gebracht und anschlie\u00dfend von acht bis zehn Jugendlichen getreten worden. Auch gegen seinen Kopf wurde getreten. Der Jugendliche erlitt unter anderem ein Sch\u00e4del-Hirn-Trauma sowie weitere schwere Verletzungen, die als potenziell lebensgef\u00e4hrlich eingestuft wurden. Die Zeugin wurde auf die Situation aufmerksam, schrie die Angreifer an und setzte einen Notruf ab. Die T\u00e4ter konnten anschlie\u00dfend durch das Haus des Jugendrechts Mitte ermittelt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ingo Bleicher bemerkte eine Sch\u00fclerin auf einer Br\u00fccke an der Sommerrainstra\u00dfe, die sich das Leben nehmen wollte. Der 50-j\u00e4hrige Projektleiter sprach sie an, verst\u00e4ndigte die Polizei und blieb bei ihr, bis die Einsatzkr\u00e4fte eintrafen. Durch ruhiges Zureden konnte er sie davon abhalten, zu springen, nachdem sie sich bereits beide Pulsadern aufgeschnitten hatte. Die Frau wurde anschlie\u00dfend in \u00e4rztliche Obhut gebracht. F\u00fcr ihn bedeutet Mut, \u201edahin zu gucken, wo es vielleicht mal weh tut, und dort zu helfen, wo andere vielleicht nicht helfen wollen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Tim Baiter (16 Jahre) und Ole Herfert (17 Jahre) bewiesen Zivilcourage. Nach dem Pokalsieg des VfB Stuttgart im Jahr 2025 sahen die beiden Jugendlichen am Hauptbahnhof am Treppenabgang zur S-Bahn einen schwer verletzten Mann, der stark blutete. Sie gingen ohne zu z\u00f6gern zu ihm, pr\u00fcften, ob er ansprechbar war, und wandten das frisch Gelernte aus dem Erst-Hilfe-Kurs an, den sie gerade eine Woche vorher f\u00fcr den F\u00fchrerschein besucht hatten. Sie brachten den Verletzten in die stabile Seitenlage und setzten einen Notruf ab. Bis zum Eintreffen von Bundespolizei und Rettungsdienst blieben sie bei ihm. Nach Angaben der Bundespolizei hatte der Mann schwerste Kopfverletzungen erlitten und wurde ins k\u00fcnstliche Koma versetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Sonderpreis f\u00fcr Zivilcourage erhielt das Dillmann-Gymnasium mit dem Projekt \u201eRising Courage\u201c. Dabei werden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu Rising-Courage-<wbr \/>Botschafterinnen und -Botschaftern ausgebildet. Sie lernen unter anderem, Konflikte zu kl\u00e4ren, Gefahrensituationen richtig einzusch\u00e4tzen, respektvoll zu kommunizieren und mit Gewalt- und Konfliktsituationen umzugehen. In Rollenspielen, Gruppenarbeiten und Aktionen entwickeln sie eigene Ideen f\u00fcr Engagement an ihrer Schule. Zum Abschluss erhalten die Jugendlichen den \u201eRising-Courage-Ausweis\u201c des Landes Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auszeichnung f\u00fcr Engagement aus der B\u00fcrgerschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angeregt wurde der Preis von der Kommunalen Kriminalpr\u00e4vention der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Polizeipr\u00e4sidium Stuttgart. Die Auszeichnungen gehen auf Vorschl\u00e4ge aus der Stuttgarter B\u00fcrgerschaft zur\u00fcck: B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger konnten Personen f\u00fcr den Preis vorschlagen. Die Mitarbeitenden der Kommunalen Kriminalpr\u00e4vention pr\u00fcften die Vorschl\u00e4ge und legten sie anschlie\u00dfend einer sechsk\u00f6pfigen Jury vor. Diese setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Blaulichtfraktionen (Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk), der Zivilgesellschaft und gemeinn\u00fctziger Organisationen zusammen. Bei der Vergabe wurden unter anderem \u00f6ffentliche Sichtbarkeit, Mitmenschlichkeit, Achtsamkeit, Mut zum Widerstand und der Vorbildcharakter des Handelns ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Skulptur als Zeichen f\u00fcr Zivilcourage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Preis, den die Ausgezeichneten \u00fcberreicht bekamen, wurde von der Stuttgarter K\u00fcnstlerin Saskia Fischer gestaltet. Die rund 30 Zentimeter lange, schmale Glasskulptur kann sowohl stehend als auch liegend pr\u00e4sentiert werden. Jede Skulptur wird in einer eigenen Farbe gefertigt und ist damit ein Unikat. \u201eMir war bei der Gestaltung wichtig, dass die Formensprache sehr klar ist. So wie auch die Entscheidung zu handeln ganz klar ist\u201c, sagt Fischer. Sie hofft, dass der Preis wie ein Staffelstab weitergegeben werde und dazu anrege, \u201eim richtigen Moment ebenfalls zu handeln\u201c.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oberb\u00fcrgermeister Dr. Frank Nopper hat am 30. September erstmals den Preis f\u00fcr Zivilcourage der Landeshauptstadt Stuttgart verliehen. Ausgezeichnet wurden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die in schwierigen Situationen nicht weggesehen, sondern geholfen und Verantwortung \u00fcbernommen haben. 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