{"id":156621,"date":"2025-07-08T12:57:37","date_gmt":"2025-07-08T11:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/?p=156621"},"modified":"2025-07-08T12:57:37","modified_gmt":"2025-07-08T11:57:37","slug":"chikungunya-erkrankung-im-elsass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2025\/07\/08\/chikungunya-erkrankung-im-elsass\/","title":{"rendered":"Chikungunya-Erkrankung im Elsass"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eInfektionen durch M\u00fcckenstiche sind keine \u00dcberraschung \u2013 Vorkehrungen auch in Stuttgart immer wichtiger\u201c &#8211; <\/strong><strong>Interview mit Stuttgarter Gesundheitsamt <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stuttgart.| Laut Medienberichten ist im Raum Stra\u00dfburg erstmals ein Mann am Chikungunya-Fieber erkrankt, ohne in einem der Verbreitungsgebiete in den Tropen oder Subtropen gewesen zu sein. Deshalb ist davon auszugehen, dass er sich durch einen M\u00fcckenstich im Elsass angesteckt hat. Im Vorfeld der Reisewelle in den baden-w\u00fcrttembergischen Sommerferien \u00e4u\u00dfert sich als Experte dazu der Leiter der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene des Gesundheitsamts der Landeshauptstadt Stuttgart, Dr. Florian H\u00f6lzl. In einem Interview erl\u00e4utert er die Rolle der Asiatischen Tigerm\u00fccke beim Infektionsgeschehen und die Relevanz f\u00fcr Stuttgart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcberrascht Sie die Meldung aus dem Elsass? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6lzl:<\/strong> Nein, als \u00dcberraschung kann ich die Meldung nicht bezeichnen. Denn zu Infektionen mit Tropenkrankheiten wie dem Dengue-Fieber ist es durch eingewanderte Stechm\u00fccken in Europa schon \u00f6fter gekommen, in Frankreich und Italien zum Beispiel. Die \u00dcbertragung von\u00a0Chikungunya funktioniert grunds\u00e4tzlich \u00e4hnlich, daher war es nur eine Frage der Zeit. In\u00a0Deutschland ist das zwar noch nicht aufgetreten, aber eine Weiterverbreitung der Asiatischen Tigerm\u00fccke als sogenannter Vektor macht \u00dcbertragungen auch bei uns immer wahrscheinlicher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuell sind die Chancen daf\u00fcr noch gering, aber wir m\u00fcssen diesen Fall als Mahnung daf\u00fcr nehmen, uns gegen die wachsende Gef\u00e4hrdung durch diese invasive Tierart zu wappnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie kann es denn dazu kommen? Wie wahrscheinlich ist eine Infektion? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6lzl:<\/strong> Einer der \u00dcbertr\u00e4ger des Chikungunya-Virus ist die Asiatische Tigerm\u00fccke. Durch die\u00a0Klimaerw\u00e4rmung f\u00fchlen sich diese Insekten inzwischen auch bei uns wohl und k\u00f6nnen den Winter \u00fcberdauern. Eingeschleppt durch den globalen Reise- und G\u00fcterverkehr haben sie sich in den vergangenen Jahren im S\u00fcdwesten angesiedelt, auch in der Region Stuttgart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bei uns inzwischen heimische Tigerm\u00fccke selbst tr\u00e4gt Chikungunya oder auch Dengue nicht in sich, sondern sie kann es nur weitergeben, wenn dasselbe Tier zuerst einen erkrankten Menschen sticht, das Virus aufnimmt und bei einem anschlie\u00dfenden Stich \u00fcbertr\u00e4gt. Die Erkrankungen m\u00fcssen also aus dem Ausland eingeschleppt werden, in aller Regel durch einen erkrankten Reiser\u00fcckkehrer. Deshalb ist es wichtig, dass Touristen nach ihrer R\u00fcckkehr aus tropischen und subtropischen L\u00e4ndern in Deutschland f\u00fcr drei Wochen den M\u00fcckenschutz w\u00e4hrend der M\u00fcckensaison fortsetzen \u2013 auch, wenn sie sich gar nicht krank f\u00fchlen sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>War das dann Pech, das man vernachl\u00e4ssigen kann?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6lzl:<\/strong> Pech vielleicht in diesem Einzelfall \u2013 aber das grundlegende Problem ist keinesfalls zu vernachl\u00e4ssigen. Die Asiatische Tierm\u00fccke kann, wie erw\u00e4hnt, verschiedene tropische Krankheiten \u00fcbertragen, wie Chikungunya, Dengue und Zika. Und je mehr Tigerm\u00fccken es gibt, desto gr\u00f6\u00dfer wird die M\u00f6glichkeit von Infektionen, da dann die Chance auf ein Zusammentreffen zwischen M\u00fccke und infiziertem Reiser\u00fcckkehrer steigt. Daher m\u00fcssen wie alles tun, um deren Verbreitung einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie ist die Lage in Stuttgart und was tut die Stadt dagegen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6lzl:<\/strong> Nachdem es in Korntal-M\u00fcnchingen im Landkreis Ludwigsburg bereits einige Jahre\u00a0Tigerm\u00fccken gibt, haben sie sich nachweislich ebenfalls im angrenzenden Stuttgarter Stadtbezirk Weilimdorf angesiedelt. Die Ausbreitung kann vermindert werden, wenn wir zusammen mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern die n\u00f6tigen Gegenma\u00dfnahmen ergreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stadt selbst f\u00fchrt gemeinsam mit der Fachfirma Icybac ein Monitoring und eine Bek\u00e4mpfung vor Ort durch. Das Monitoring dient dem Nachweis, wo Tigerm\u00fccken br\u00fcten und wie hoch die Populationsdichte ist. Hier sind wir auch f\u00fcr belegbare Hinweise aus der Bev\u00f6lkerung dankbar, m\u00f6glichst mit Fotos zur Speziesbestimmung. Au\u00dferdem weiten wir unsere Informationskampagne immer st\u00e4rker aus, mit dem Ziel zu vermitteln, wie die Anwohnerschaft in Weilimdorf, aber auch alle stadtweit gegen die Tigerm\u00fccke vorgehen k\u00f6nnen. Es w\u00e4re falsch, die Vermeidung von Brutst\u00e4tten erst dann zu beginnen, wenn die Asiatische Tigerm\u00fccke schon da ist. Wir m\u00fcssen als Stadtgemeinschaft, als B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, zusammen versuchen, die Weiterverbreitung in weitere Stadtbezirke zu verhindern. Da sitzen wir alle in einem Boot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesundheitsamt wird \u00fcbrigens bei der Einwohnerversammlung in Weilimdorf am\u00a0Montag, 21. Juli, ab 19 Uhr in der Lindenbachhalle (Solitudestra\u00dfe 243) mit einem\u00a0Informations- und Beratungsstand dabei sein. Dort k\u00f6nnen auch Interessierte aus anderen Stadtbezirken vorbeischauen. Wir haben aber auch die wichtigsten Hinweise und den digitalen Flyer auf der Internetseite der Stadt: <a href=\"https:\/\/www.stuttgart.de\/tigermuecke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.stuttgart.de\/tigermuecke<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sind in aller K\u00fcrze die wichtigsten Ma\u00dfnahmen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6lzl:<\/strong> Das Wichtigste ist, m\u00f6gliche Brutst\u00e4tten rigoros zu beseitigen. Alle Gegenst\u00e4nde, in denen auf dem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten Wasser steht \u2013 und seien es noch\u00a0so kleine Reste \u2013 sollen trockengelegt werden. Da muss man genau hinschauen, wo sich nach einem Regenschauer Wasser ansammelt, etwa in Topfuntersetzern, Eimern und Gie\u00dfkannen, Spielzeug, aber auch Autoreifen, die im Freien lagern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dort wo das Wasser gewollt ist, etwa in Vogeltr\u00e4nken, sollte es alle f\u00fcnf Tage, sp\u00e4testens aber w\u00f6chentlich ausgetauscht werden. Gie\u00dfkannen und Eimer dreht man am besten um und Regentonnen brauchen einen fest und vor allem dicht verschlossenen Deckel, zum Beispiel mit einem feinen Netz: Denn die Tigerm\u00fccke zw\u00e4ngt sich auch durch kleine Spalten und L\u00fccken und findet ohne Schutzma\u00dfnahmen sonst hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gibt es besondere Lehren aus dem Fall im Elsass? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6lzl:<\/strong> Den M\u00fcckenschutz sollte man nicht nur im Ausland betreiben. Nat\u00fcrlich gilt es, im Reiseland durch lange, luftige Kleidung, Moskitonetze und Antim\u00fcckenspray so wenig wie m\u00f6glich gestochen zu werden, um gar nicht erst krank zu werden. Falls es aber doch dazu kommt, sollte man denselben Schutz in den ersten Wochen daheim aufrechterhalten, um das Virus hier nicht weiterzugeben. Weil man w\u00e4hrend der Inkubationszeit anfangs selbst nicht wei\u00df, ob man sich angesteckt hat, beziehungsweise es auch sehr milde Verl\u00e4ufe geben kann, sollten alle, die im Verbreitungsgebiet von Krankheiten wie Chikungunya, Dengue oder Zika waren, zu Hause den M\u00fcckenschutz aus Vorsicht f\u00fcr drei Wochen fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Interview f\u00fchrte Harald Knitter.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eInfektionen durch M\u00fcckenstiche sind keine \u00dcberraschung \u2013 Vorkehrungen auch in Stuttgart immer wichtiger\u201c &#8211; Interview mit Stuttgarter Gesundheitsamt Stuttgart.| Laut Medienberichten ist im Raum Stra\u00dfburg erstmals ein Mann am Chikungunya-Fieber erkrankt, ohne in einem der Verbreitungsgebiete in den Tropen oder Subtropen gewesen zu sein. 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