{"id":151142,"date":"2023-10-07T12:02:12","date_gmt":"2023-10-07T11:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/?p=151142"},"modified":"2023-10-07T12:02:12","modified_gmt":"2023-10-07T11:02:12","slug":"die-weichen-fuer-die-zukunft-stellen-was-die-region-stuttgart-zukunftsfaehig-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2023\/10\/07\/die-weichen-fuer-die-zukunft-stellen-was-die-region-stuttgart-zukunftsfaehig-macht\/","title":{"rendered":"Die Weichen f\u00fcr die Zukunft stellen \u2013 Was die Region Stuttgart zukunftsf\u00e4hig macht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Strukturbericht sieht in Fachkr\u00e4ftesicherung, Infrastruktur und B\u00fcrokratieabbau die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Region Stuttgart ist wirtschaftlich nach wie vor stark und innovativ. Damit das so bleibt, m\u00fcssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Das ist das Ergebnis des aktuellen Strukturberichts, den die vier Herausgeber &#8211; Verband Region Stuttgart, IG-Metall, Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer Region Stuttgart &#8211; heute vorgestellt haben. Die beiden Institute IAW und IMU analysieren im zweij\u00e4hrigen Rhythmus die Wirtschaftsstruktur der Region und zeigen aktuelle Entwicklungen auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Region hat beste Chancen, die Herausforderungen der Digitalisierung und der Dekarbonisierung zu schaffen\u201c, sind sich die Herausgeber einig. \u201eDenn sie profitiert von ihrem besonderen Charakter der Zusammenarbeit und den herausragenden Netzwerken.\u201c Der aktuelle Bericht untersucht vor dem Hintergrund der zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre vor allem die<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Faktoren, die die Anpassungsf\u00e4higkeit der Wirtschaft ma\u00dfgeblich beeinflussen. Dazu geh\u00f6ren der massive Arbeits- und Fachkr\u00e4fteengpass, der Arbeits- und Ausbildungsmarkt, das Innovationsgeschehen, die Entwicklung bei Gewerbe- und Wohnfl\u00e4chen sowie der Infrastruktur, aber auch der dringend erforderliche Abbau von B\u00fcrokratie. F\u00fcr die Herausgeber ist klar: \u201eDie Resilienz der Region h\u00e4ngt entscheidend davon ab, wie wir diese Krisen bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Neben den Herausforderungen bringt die Transformation der Wirtschaft auch gro\u00dfe Chancen f\u00fcr die hiesigen Unternehmen mit sich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fachkr\u00e4ftemangel als gr\u00f6\u00dftes Risiko \u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fehlende Fach- und Arbeitskr\u00e4fte sind laut Strukturbericht ein zentraler Risikofaktor f\u00fcr den Standort Region Stuttgart. Die Entwicklung zeichnet sich seit vielen Jahren ab. Eine h\u00f6here Erwerbsquote und ein schnellerer Wiedereinstieg von Frauen nach der Eltern- oder Pflegezeit w\u00fcrde durch bessere Angebote der Kinderbetreuung aber auch bessere Pflegeangebote erleichtert. Ohne Zuwanderung werden dem Arbeitsmarkt k\u00fcnftig demografisch bedingt die Arbeitskr\u00e4fte fehlen. \u201eDamit Fachkr\u00e4fte aus dem Ausland schnell und in ausreichend gro\u00dfer Zahl nach Deutschland kommen, m\u00fcssen die M\u00f6glichkeiten des reformierten Fachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetzes nun rasch und unb\u00fcrokratisch genutzt werden. Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Schaffung leistungsf\u00e4higer Verwaltungsstrukturen vor Ort, die serviceorientiert ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte und Betriebe unterst\u00fctzen. Der Aufholbedarf bei der Digitalisierung der \u00f6ffentlichen Verwaltung ist enorm, das hat uns schon die Corona-Pandemie vor Augen gef\u00fchrt. Effizienteres Verwaltungshandeln ist notwendig, um in k\u00fcnftigen Krisensituationen resilienter sein\u201c, betont Peter Friedrich, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Handwerkskammer Region Stuttgart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stellschraube Aus- und Weiterbildung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lebenslanges Lernen ist und bleibt eine der wichtigsten Stellschrauben f\u00fcr den Arbeitsmarkt der Zukunft. Dazu geh\u00f6rt auch der Erwerb breiter Kompetenzen, die schon heute die zuk\u00fcnftigen Anforderungen an Arbeits- und Gesch\u00e4ftsabl\u00e4ufe ber\u00fccksichtigen. Der \u00dcbergang Schule \u2013 Beruf muss erleichtert werden. Schw\u00e4chere Jugendliche k\u00f6nnen beim Einstieg ins Berufsleben zum Beispiel durch eine Einstiegsqualifizierung unterst\u00fctzt werden. Wichtig ist auch die Durchl\u00e4ssigkeit und Verzahnung von Bildungswegen etwa durch berufsqualifizierende Angebote f\u00fcr Studienabbrechende in eine Ausbildung oder in ein Duales Studium. \u201eFachkr\u00e4ftesicherung im Zeichen von Demografischem Wandel und Transformation bedarf Aus- und Weiterbildung\u201c, sagt Nadine Boguslawski, Erste Bevollm\u00e4chtigte der IG Metall Stuttgart. \u201eWir sehen, dass Ausbildungspl\u00e4tze nicht besetzt werden k\u00f6nnen, Betriebe weniger ausbilden und die Babyboomer-Generation dem Arbeitsmarkt bald nicht mehr zur Verf\u00fcgung stehen wird. Deshalb muss noch st\u00e4rker in Aus- und Weiterbildung bzw. die strategische Personalplanung investiert werden. Nur mit gut aus- und weitergebildeten Besch\u00e4ftigten kann die Transformation gelingen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F\u00fchrend als Innovationsregion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Region Stuttgart ist die f\u00fchrende Innovationsregion in Baden-W\u00fcrttemberg und weit dar\u00fcber hinaus. Ein gro\u00dfer Teil dieser Innovationskraft kommt aus der privaten Wirtschaft, vor allem dem Automotivbereich und der Produktionstechnik. Die Region verf\u00fcgt \u00fcber gute Voraussetzungen, um in Zukunftstechnologien zu investieren, etwa in den Bereichen Umwelt und Energie, nachhaltiges Bauen, KI und Quantentechnologien oder in der Medizintechnik. In diesen Themen m\u00fcssen bestehende Initiativen und Projekte f\u00fcr Unternehmen, Start-ups und Besch\u00e4ftigte ausgebaut und um neue erg\u00e4nzt werden. Dann sehen die Herausgeber gute Chancen, dass Anwendungsm\u00f6glichkeiten und Potenziale in neuen Gesch\u00e4ftsfeldern und M\u00e4rkten ergriffen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Alexander Lahl, Regionaldirektor Verband Region Stuttgart: \u201eDie Region Stuttgart hat durch den Breitbandausbau schon fr\u00fchzeitig enorm wichtige Weichenstellungen vorgenommen, wovon wir jetzt und in Zukunft profitieren. Doch die Industrie 4.0 treibt weltweit einen radikalen Umbruch voran. Verst\u00e4rkt wird das Ganze durch den demografischen Wandel. Der demografische Wandel muss zum Digitalisierungs- und Automatisierungstreiber werden! Die 2020er-Jahre zum digitalen Jahrzehnt! Wir m\u00fcssen raus aus angestammten Positionen und Denkmustern und neue Wege einschlagen. Diese k\u00f6nnen und m\u00fcssen evtl. sogar unkonventionell sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fl\u00e4chen als Voraussetzung f\u00fcr Resilienz der Region<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verf\u00fcgbarkeit von Fl\u00e4chen f\u00fcr Wohnen und Gewerbe ist eine der zentralen und entscheidenden Voraussetzungen f\u00fcr die Resilienz der Region. Ohne verf\u00fcgbaren Wohnraum leidet trotz guter Besch\u00e4ftigungschancen die Attraktivit\u00e4t der Region als Arbeitsort und der Fachkr\u00e4ftemangel kann nicht beseitigt werden. Gleichzeitig brauchen die Unternehmen in der Region Entwicklungs-m\u00f6glichkeiten durch neu nutzbare Industrie- und Gewerbefl\u00e4chen. Diese k\u00f6nnen auch durch Umstrukturierungen in Bestandsgewerbegebieten entstehen. Der Strukturbericht zeigt deutlich die Wirtschaftsstruktur der Region als Dienstleistungswirtschaft um einen industriellen Kern. Damit ergeben sich entsprechende Anforderungen an die Standortqualit\u00e4t wie stabile, bezahlbare Energieversorgung, Mobilit\u00e4t und Fl\u00e4chen. \u201eWir d\u00fcrfen nicht ausblenden, dass die Industrie hier in der Region eine zentrale Rolle spielt, und ohne Industrie verlieren wir ganze Wertsch\u00f6pfungsketten bis in die Dienstleistungsbranchen hinein\u201c, so Nadine Boguslawski. \u201eOhne zus\u00e4tzliche Gewerbefl\u00e4chen drohen Standortverlagerung und damit einhergehende Arbeitsplatzverluste. Gleichzeitig braucht es bezahlbaren Wohnraum f\u00fcr unsere Fachkr\u00e4fte. Wir m\u00fcssen es insbesondere den niedrigen und mittleren Einkommensgruppen erm\u00f6glichen, in der Region Stuttgart gut zu leben. Zus\u00e4tzliche Wohn- und Gewerbefl\u00e4chen sind somit ma\u00dfgeblich f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg der Region Stuttgart.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B\u00fcrokratiebelastung verst\u00e4rkt Standortverlagerungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In zahlreichen Interviews mit Expertinnen und Experten wurde die B\u00fcrokratiebelastung als massives Investitionshemmnis f\u00fcr den Standort genannt.\u00a0 Die Herausgeber des Strukturberichts betonen in ihren Handlungsempfehlungen, dass die hierdurch die Verlagerungstendenzen der Unternehmen verst\u00e4rkt w\u00fcrden. Kurzfristige Chancen best\u00fcnden in einer st\u00e4rkeren Ausnutzung von Ermessensspielr\u00e4umen zum Beispiel im Baurecht oder im Verzicht auf zu enge und detaillierte Verwaltungsvorschriften. Grunds\u00e4tzlich sollten Gesetze sch\u00e4rfer und verbindlicher auf die Belastungen f\u00fcr B\u00fcrger und Wirtschaft \u00fcberpr\u00fcft werden. Mit der Neubesetzung des Normenkontrollrates Baden-W\u00fcrttemberg besteht die Chance, B\u00fcrokratiebelastung zu identifizieren und schlagkr\u00e4ftig zu bek\u00e4mpfen, wenn die Politik mitspielt. IHK-Pr\u00e4sident Claus Paal: \u201eDie Qualit\u00e4t des Standortes leidet massiv unter den vielen b\u00fcrokratischen Prozessen, der fehlenden Digitalisierung in der Verwaltung und einem Wirrwarr an Zust\u00e4ndigkeiten. Wir schaffen es nicht mal mehr, die zentralen politischen Ziele der Energiewende, der Fachkr\u00e4ftezuwanderung und dem Wohnungsbau umzusetzen, weil vor Ort die Voraussetzungen hierf\u00fcr fehlen. Die Politik muss handeln und Tempo machen beim B\u00fcrokratieabbau, bevor die Unternehmen endg\u00fcltig den langen Atem verlieren und ihre Standorte verlagern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Strukturbericht f\u00fcr die Region Stuttgart erscheint seit 1995 und ist ein in Deutschland einmaliges Projekt bedeutender regionaler Organisationen \u2013 Verband Region Stuttgart, Handwerkskammer Region Stuttgart, IG Metall Region Stuttgart und IHK Region Stuttgart &#8211; mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu st\u00e4rken, seine Wettbewerbs- und Zukunftsf\u00e4higkeit zu erhalten und damit Besch\u00e4ftigung sowie Wohlstand zu sichern.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strukturbericht sieht in Fachkr\u00e4ftesicherung, Infrastruktur und B\u00fcrokratieabbau die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen Die Region Stuttgart ist wirtschaftlich nach wie vor stark und innovativ. 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