{"id":141327,"date":"2021-02-11T18:05:23","date_gmt":"2021-02-11T17:05:23","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/?p=141327"},"modified":"2021-02-11T18:05:42","modified_gmt":"2021-02-11T17:05:42","slug":"erstmals-seit-23-jahren-ein-rueckgang-der-fahrgastzahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2021\/02\/11\/erstmals-seit-23-jahren-ein-rueckgang-der-fahrgastzahlen\/","title":{"rendered":"Erstmals seit 23 Jahren ein R\u00fcckgang der VVS-Fahrgastzahlen"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>Bilanz des VVS f\u00fcr das Jahr 2020<\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stuttgart.| Absturz der Fahrgastzahlen im Fr\u00fchjahr, Erholung im Sommer, erneuter R\u00fcckgang im zweiten Lockdown \u2013 Rettungsschirm des Landes und treue Abokunden sichern den \u00d6PNV in 2020<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat der VVS immer neue Fahrgastrekorde vermelden k\u00f6nnen. Die Corona-Krise hat damit zun\u00e4chst Schluss gemacht. Wie viele andere Bereiche des \u00f6ffentlichen Lebens haben der VVS und seine Verkehrsunternehmen schwierige Monate hinter sich. Im ersten Lockdown der Corona-Krise waren im April teilweise nur noch 20 Prozent der Fahrg\u00e4ste im Vergleich zum Vorjahr \u00f6ffentlich unterwegs. Danach erholten sich die Fahrgastzahlen von Juli bis September auf 70 Prozent und im Ballungsraum teilweise sogar auf 80 Prozent des Vorjahresniveaus. Bei den Verantwortlichen machte sich wieder etwas Optimismus breit. Der zweite Lockdown zum Jahresende sorgte dann aber erneut f\u00fcr einen R\u00fcckgang. Hervorzuheben ist, dass die Besch\u00e4ftigten in den Verkehrsunternehmen in allen Phasen der Pandemie f\u00fcr einen zuverl\u00e4ssigen Betrieb sorgten und die Systemrelevanz des \u00d6PNV in dieser schweren Krise eindrucksvoll best\u00e4tigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt wurden im Jahr 2020 rund 240 Millionen Fahrten im VVS durchgef\u00fchrt, das sind etwa 39 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass es in den Monaten vor Corona von Januar bis Mitte M\u00e4rz noch starke Zuw\u00e4chse bei den Verkehrsunternehmen im VVS gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vor allem R\u00fcckgang im Gelegenheitsverkehr<br \/>\n<\/strong>Da w\u00e4hrend des Lockdowns im Fr\u00fchjahr und Herbst weder Veranstaltungen wie Messen, Fu\u00dfballspiele oder Weihnachtsm\u00e4rkte stattfanden noch Restaurants, Gesch\u00e4fte, Kultur- und Freizeiteinrichtungen ge\u00f6ffnet waren, verzeichnete der Gelegenheitsverkehr einen R\u00fcckgang um fast die H\u00e4lfte. Mit einem Minus von 45,8 Prozent ist das der st\u00e4rkste R\u00fcckgang innerhalb der einzelnen Teilm\u00e4rkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abozahlen im Berufsverkehr bleiben relativ stabil<br \/>\n<\/strong>Die Fahrten im Berufsverkehr sind fast um ein Drittel gesunken (-30,5 Prozent). Dabei blieb die Zahl der Abonnenten erfreulicherweise recht stabil. Beim FirmenTicket betrug der R\u00fcckgang im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 8,1 Prozent. Bei den FirmenTickets, die vom Arbeitgeber bezuschusst werden, waren es sogar nur 2,6 Prozent. Beim Jedermann-Abo war ein Verlust von 9,8 Prozent zu verzeichnen. Aber auch viele treue Stammkunden, die ihr Abo oder JahresTicket behalten haben, sind wegen Homeoffice und Kurzarbeit und fehlender Fahrtanl\u00e4sse in der Freizeit weniger gefahren.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im Ausbildungsverkehr sinken die Fahrgastzahlen stark<br \/>\n<\/strong>Studierende sind durch Onlinevorlesungen an den Hochschulen im Sommer- und Wintersemester nur selten mit Bus und Bahn gefahren. Zudem ist die Zahl der Erstsemester und der ausl\u00e4ndischen Studierenden zur\u00fcckgegangen. Auch die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler waren wegen geschlossener Schulen und Distanzunterricht im Fr\u00fchjahr weniger oft unterwegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sind die Fahrgastzahlen im Ausbildungsverkehr insgesamt relativ stark zur\u00fcckgegangen (-45,4 Prozent). Erfreulich ist dagegen, dass der Bestand des Scool- und Ausbildungs-Abos recht stabil blieb. Er ist im Laufe des Jahres nur leicht gesunken (- 4,2 Prozent beim Scool-Abo bzw. -5,8 Prozent beim Ausbildungs-Abo). Dazu beigetragen hat sicher auch die Hilfe des Landes: Wegen der Schulschlie\u00dfungen zu Beginn der Pandemie hat das Land Baden-W\u00fcrttemberg im Mai und Juni die Kosten f\u00fcr das Scool-Abo \u00fcbernommen und so zum einen die Eltern von zwei Monatsraten entlastet, zum anderen den Verkehrsunternehmen Einnahmen und die zu diesem Zeitpunkt dringend notwendige Liquidit\u00e4t verschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Negative Auswirkungen auf Verbundeinnahmen<br \/>\n<\/strong>Weniger Fahrten bedeuten in der Regel auch weniger Einnahmen. Insgesamt hat der VVS 2020 aus reinen Fahrgeldern rund 391 Millionen Euro eingenommen (ohne Erstattungsleistungen f\u00fcr die Schwerbehindertenfreifahrt). Unter Ber\u00fccksichtigung der Ausgleichszahlungen f\u00fcr die Tarifzonenreform entspricht dies einem R\u00fcckgang von rund 110 Millionen Euro bzw. 20,3 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rettungsschirm sichert Aufrechterhaltung des Betriebs in 2020<br \/>\n<\/strong>Der Rettungsschirm von Bund und Land, mit dem die Einnahmenausf\u00e4lle der Verkehrsunternehmen zum gro\u00dfen Teil ausgeglichen wurden, hat die Aufrechterhaltung des Betriebs seit Ausbruch der Pandemie gesichert. \u201eUnser Dank gilt aber auch den Aufgabentr\u00e4gern, die die Verkehrsunternehmen bis zur ersten Abschlagszahlung im Herbst mit Liquidit\u00e4tshilfen und Vorauszahlungen gest\u00fctzt haben. Au\u00dferdem haben die vielen treuen Stammkunden dazu beigetragen, dass es finanziell nicht noch dramatischer aussieht\u201c, sagte VVS-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Hachenberger bei der Jahres-Pressekonferenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerkollege Horst Stammler unterstrich dies mit konkreten Zahlen: \u201eIm M\u00e4rz hatten wir mit rund 230.000 Abonnenten und den 111.000 Scool-Abos noch einen absoluten Rekordwert. Seither sind die Zahlen zwar zur\u00fcckgegangen. Am Ende des Jahres hatten wir immerhin noch 210.000 Abonnenten und 107.000 Scool-Abos.\u201c Nach der Tarifreform im April 2019 war die Zahl der Abonnenten bis zur Corona-Pandemie kontinuierlich angestiegen. \u201eDieser Aufw\u00e4rtstrend ist jetzt leider erst einmal gestoppt\u201c, so Stammler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBund und Land erstatten f\u00fcr das Jahr 2020 95 Prozent der Corona-bedingten Einnahmenverluste bei den Verkehrsunternehmen abz\u00fcglich eingesparter Aufwendungen\u201c, informierte Thomas Hachenberger. Inzwischen wurden vom Land Abschlagszahlungen in H\u00f6he von 90 Prozent geleistet. Die endg\u00fcltige Abrechnung erfolgt bis Ende September 2021.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rettungsschirm wird auch 2021 ben\u00f6tigt<br \/>\n<\/strong>Wie geht es 2021 weiter? Durch den zweiten Lockdown mit erneuter Schlie\u00dfung von Schulen, Gesch\u00e4ften und kulturellen Einrichtungen sind die Fahrgastzahlen wiederum deutlich gesunken. Daher ist auch 2021 ein Rettungsschirm f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nahverkehr erforderlich. Die Landesregierung hat zu Beginn des Jahres beschlossen, die nicht verbrauchten Mittel aus dem Jahr 2020 in H\u00f6he von 65 Millionen Euro ins laufende Jahr zu \u00fcbertragen. Au\u00dferdem wurden vergangene Woche von der Landesregierung weitere 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt. \u201eWir begr\u00fc\u00dfen das sehr, allerdings ist damit zun\u00e4chst nur rund die H\u00e4lfte der Einnahmeverluste f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate abgedeckt\u201c, so Tomas Hachenberger. Die Zusage f\u00fcr die \u00dcbernahme weiterer Mittel durch den Bund steht noch aus, sie ist aber nach Ansicht der L\u00e4nder, der kommunalen Spitzenverb\u00e4nde und der \u00d6PNV-Branche auch f\u00fcr 2021 dringend erforderlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201ePandemiebedingt werden 2021 wie im Vorjahr weniger Fahrg\u00e4ste mit den \u00d6ffentlichen unterwegs sein. Aber auch in den Folgejahren ist damit zu rechnen, dass sich die Nachfrage nicht gleich auf das urspr\u00fcngliche Niveau einpegelt. Home-Office und Online-Handel werden langfristige Spuren hinterlassen und die Mobilit\u00e4t pr\u00e4gen. Daher bef\u00fcrchten wir, dass es noch mindestens bis 2023 dauert, bis wir die Zahlen vor Corona wieder erreichen\u201c, vermutet Horst Stammler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aufgabentr\u00e4ger in der Region einig: Ausbau des \u00d6PNV geht weiter<br \/>\n<\/strong>Das Ziel des VVS ist es, m\u00f6glichst viele Stammkunden w\u00e4hrend der Pandemie zu halten, im Laufe des Jahres ehemalige Kunden zur\u00fcckzuholen und nach Abklingen der Pandemie auch wieder neue Fahrg\u00e4ste f\u00fcr die Busse und Bahnen zu gewinnen. Denn: Die Pandemie geht hoffentlich irgendwann vorbei, der Klimawandel bleibt. \u201eDeshalb steht die Verkehrswende mit dem Ziel einer wesentlichen Steigerung der Fahrgastzahlen bis 2030 nach wie vor auf der Tagesordnung. Erfreulich ist, dass sich alle Aufgabentr\u00e4ger im VVS einig sind, den Ausbau der Infrastruktur und die geplanten Ausweitungen im Leistungsangebot im geplanten Umfang durchzuf\u00fchren\u201c, sagte Horst Stammler. Bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember wurden zahlreiche Angebotsverbesserungen vorgenommen, wie zum Beispiel den ganzt\u00e4gigen 15-Minuten-Takt auf der S-Bahn oder die Einrichtung einer neuen Schnellbuslinie X 4 zwischen N\u00fcrtingen und Degerloch. \u201eInmitten der Pandemie wird aktuell das gr\u00f6\u00dfte Leistungsangebot in der Geschichte des VVS erbracht, so dass bei den allermeisten Fahrten mit etwas R\u00fccksichtnahme auch gen\u00fcgend Abstand eingehalten werden kann\u201c, sagte Thomas Hachenberger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Treuebonus f\u00fcr Abonnenten<br \/>\n<\/strong>Bei den treuen Abonnenten wolle man sich bedanken, betonten die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Im April sollen alle Stammkunden, die bis dahin im Abo geblieben sind, einen \u201eTreuebonus\u201c erhalten. Auch die \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Aktion in den Sommerferien, mit der alle VVS-Abonnenten den Nahverkehr in ganz Baden-W\u00fcrttemberg nutzen konnten, soll 2021 wiederholt werden. Das Land hat dar\u00fcber hinaus angek\u00fcndigt, aufgrund der aktuellen Schlie\u00dfung der Schulen im Fr\u00fchjahr erneut eine Monatsrate f\u00fcr das Scool-Abo zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und f\u00fcr die Fahrg\u00e4ste, f\u00fcr die sich aufgrund von Home-Office ein Abo nicht mehr rechnet, wird zum 1. April 2021 ein 10er-Tages-Ticket eingef\u00fchrt. Mit dem neuen Angebot bietet der VVS einen Rabatt von \u00fcber 20 Prozent gegen\u00fcber dem Kauf von einzelnen TagesTickets an. \u201eWir sehen das 10er-Tages-Ticket als einen Zwischenschritt zu einem flexiblen Abo an. Daran wollen wir im Laufe dieses Jahres arbeiten. Das Land hat dazu auch ein F\u00f6rderprogramm aufgelegt\u201c, informierte Horst Stammler. \u201eDie Flatrate hat aber nach wie vor ihre Berechtigung und der Jahresabonnent bleibt auch in Zukunft unser absoluter Premiumkunde.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilanz des VVS f\u00fcr das Jahr 2020 Stuttgart.| Absturz der Fahrgastzahlen im Fr\u00fchjahr, Erholung im Sommer, erneuter R\u00fcckgang im zweiten Lockdown \u2013 Rettungsschirm des Landes und treue Abokunden sichern den \u00d6PNV in 2020 Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat der VVS immer neue Fahrgastrekorde vermelden k\u00f6nnen. Die Corona-Krise hat damit zun\u00e4chst Schluss gemacht. 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