{"id":136084,"date":"2019-09-15T11:12:16","date_gmt":"2019-09-15T10:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2019\/09\/15\/sofia-zu-gast-in-stuttgart-erster-wissenschaftsflug-ueber-europa\/"},"modified":"2019-09-15T11:12:16","modified_gmt":"2019-09-15T10:12:16","slug":"sofia-zu-gast-in-stuttgart-erster-wissenschaftsflug-ueber-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2019\/09\/15\/sofia-zu-gast-in-stuttgart-erster-wissenschaftsflug-ueber-europa\/","title":{"rendered":"SOFIA zu Gast in Stuttgart &#8211; Erster Wissenschaftsflug \u00fcber Europa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Stuttgart.| Am 16. September 2019 um voraussichtlich 4:14 Uhr wird die fliegende Sternwarte SOFIA (Stratosph\u00e4ren Observatorium F\u00fcr Infrarot-Astronomie) \u2013 ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbeh\u00f6rde NASA und dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) \u2013 auf dem Flughafen Stuttgart landen. Von dort aus wird SOFIA am 18. September um 19:40 Uhr zu ihrem ersten Wissenschaftsflug \u00fcber Europa abheben und dabei gleich zw\u00f6lf L\u00e4nder \u00fcberqueren. Der Vorteil: W\u00e4hrend ihrer Europa-Mission fliegt SOFIA deutlich n\u00f6rdlicher als bei einem Start von ihrer s\u00fcdkalifornischen Heimatbasis in Palmdale. Je n\u00e4her an den Polen die Infrarotsternwarte fliegt, desto weniger Wasserdampf ist in der Atmosph\u00e4re \u00fcber ihr vorhanden \u2013 und desto besser sind die Beobachtungsbedingungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Es ist etwas ganz Besonderes, dass die fliegende Sternwarte SOFIA von Stuttgart aus zu ihrem ersten europ\u00e4ischen Wissenschaftsflug antreten wird. Spannende Beobachtungen erwarten die Forscher auf dieser knapp zehnst\u00fcndigen Forschungsreise&#8221;, freut sich die Vorstandsvorsitzende des DLR, Prof. Pascale Ehrenfreund.\u00a0&#8220;Die Wissenschaftler an Bord des Flugzeuges erkunden die Umgebung von Schwarzen L\u00f6chern und gehen der Frage nach, ob Dunkle Energie unser Universum wirklich immer schneller auseinandertreibt.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sternentstehung auf der Spur<br \/>\n<\/strong>Vor 50 Jahren betraten nicht nur die ersten Menschen den Mond. 1969 fanden Wissenschaftler der NASA auch \u2013 eher zuf\u00e4llig \u2013 eine ganz besondere Galaxie. Im Sternbild Gro\u00dfer B\u00e4r liegt Markarian 231 (Mrk 231), die rund 600 Millionen Lichtjahre von unserer Erde entfernt ist. Damit ist sie zirka 300-mal weiter entfernt als die Andromeda-Galaxie, die unserer Milchstra\u00dfe am n\u00e4chsten liegt. Trotzdem ist Mrk 231 einer der Erde am n\u00e4chsten gelegenen, extrem hellen aktiven Galaxienkerne (Active Galactic Nucleus, AGN). Seine Leuchtkraft im Infrarot-Bereich macht Mrk 231 zu einer der hellsten und bekanntesten ultralumin\u00f6sen Infrarot-Galaxien. Um ihr Zentrum kreisen gleich zwei Schwarze L\u00f6cher. Eines davon ist mit vier Millionen Sonnenmassen eher klein, das andere mit 150 Millionen Sonnenmassen schon deutlich gr\u00f6\u00dfer. F\u00fcr die Umgebung dieser Schwarzen L\u00f6cher interessieren sich die Forscher auf dem ersten europ\u00e4ischen SOFIA-Wissenschaftsflug. Denn um sie herum versammelt sich eine Masse aus Gas und Staub \u2013 der Staubtorus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Donut-f\u00f6rmige Region befindet sich in jedem aktiven Galaxienkern. Unklar ist aber, welche Rolle sie in der Erzeugung von Radiojets spielen. Diese zwei senkrechten Plasmastrahlen werden von Schwarzen L\u00f6chern im Zentrum des aktiven Galaxienkerns gebildet, indem sie Plasma mit Lichtgeschwindigkeit ins All ausblasen. Doch nicht jeder aktive Galaxienkern hat auch diese Radiojets. Das zeigen radioastronomische Beobachtungen. Vorausgegangene Studien mit SOFIA weisen darauf hin, dass das Magnetfeld in diesem staubhaltigen Torus helfen k\u00f6nnte, diese Radiojets auszul\u00f6sen. L\u00e4sst sich die Entstehung der Jets aber tats\u00e4chlich auf die Pr\u00e4senz \u2013 beziehungsweise das Ausbleiben \u2013 eines Magnetfelds zur\u00fcckf\u00fchren? Eine wichtige Frage, auf die Astronomen bislang keine Antwort gefunden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da nur das Ferninfrarot-Instrument HAWC+ (High-resolution Airborne Wide-band Camera) auf SOFIA Magnetfelder in diesem Wellenl\u00e4ngenbereich vermessen kann, m\u00f6chten die SOFIA-Forscher den Zusammenhang zwischen diesen Feldern und den Radiojets entschl\u00fcsseln. Begonnen haben sie mit ihren Beobachtungen zum aktiven Galaxienkern von Cygnus A w\u00e4hrend eines Fluges \u00fcber S\u00fcdkalifornien im Jahr 2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Die erste Europa-Mission von SOFIA soll diese Forschung nun fortsetzen, um dieses astronomische R\u00e4tsel um die Radiojets endlich zu l\u00f6sen&#8221;, sagte Dr. Alessandra Roy, deutsche SOFIA-Projektwissenschaftlerin im DLR Raumfahrtmanagement, welches die fliegende Sternwarte gemeinsam mit der NASA betreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beschleunigte Ausdehnung des Universums oder einfach nur Staub vor der Linse?<br \/>\n<\/strong>Unser Universum dehnt sich seit dem Urknall kontinuierlich aus. Diese Entdeckung wurde 1920 von Edwin Hubble gemacht. Doch dann kamen Ende der 1980er-Jahre die nobelpreisgekr\u00f6nten Astrophysiker Saul Perlmutter, Adam Riess und Brian Schmidt. Sie beobachteten Supernovae vom Typ 1a. Diese Sternenexplosionen als sogenannte kosmische Leuchtt\u00fcrme sind weit sichtbar und immer gleich hell. Damit lassen sich die Entfernungen dieser Sternenexplosionen klar bestimmen: Je heller diese Supernovae Typ 1a erscheinen, desto n\u00e4her sind sie uns. Bestimmt man nun die Helligkeiten vieler Supernovae, kann man ermitteln, ob sich die Ausdehnung des Universums beschleunigt. Das Ergebnis war \u00fcberraschend: Die beobachteten Sternenexplosionen waren blasser als erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit war f\u00fcr die drei Forscher klar: Das Universum nimmt Fahrt auf und wird mit wachsender Geschwindigkeit von einem r\u00e4tselhaften, unbekannten Beschleuniger namens Dunkler Energie immer weiter auseinandergetrieben. Doch ist das wirklich so? Liegt die Abnahme der Helligkeit wirklich an einem schnelleren Auseinanderdriften des Universums? Oder hatten die Teleskope vielleicht einfach Staub vor der Linse, der die Helligkeit der Aufnahmen verblassen lie\u00df?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Genau diesen Fragen gehen Forscher aus Austin, Texas, nach, indem sie mit dem Instrument HAWC+ auf SOFIA den Staub in den Heimatgalaxien einer Supernovae Typ 1a beobachten. Daf\u00fcr messen sie den Staubanteil in der Region um die Sternenexplosion herum. Auch das Weltraumteleskop Euclid der europ\u00e4ischen Weltraumorganisation ESA, das im Jahr 2022 starten soll, wird sich auf die Suche nach Dunkler Energie begeben. Nach diesen Beobachtungen werden wir vielleicht genauer wissen, ob die Ausdehnung des Universums wirklich durch die Dunkle Energie beschleunigt&#8221;, erkl\u00e4rt Roy, die neben SOFIA auch an der Euclid-Mission beteiligt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Europas Nachthimmel \u2013 ein Hort voller kosmischer Geheimnisse<br \/>\n<\/strong>Insgesamt hat SOFIA f\u00fcr diesen zehnst\u00fcndigen Flug noch weitere wissenschaftliche Beobachtungen vorgesehen. So nehmen die Astronomen vom Smithsonian Astrophysical Observatory in Cambridge (USA) auch die Region Serpens South im Sternbild Schlange vom Himmel \u00fcber Frankreich aus ins Visier \u2013 eine Formation extrem junger Sterne. Bei diesen drei bis vier Millionen Jahre jungen Sternen k\u00f6nnen die Forscher Sternenentstehung fast von ihrem Beginn an verfolgen und mehr \u00fcber diesen Prozess herausfinden. Die n\u00e4chste Beobachtung konzentriert sich auf die Sternenformation L 1495 im sogenannten Taurus Filament. Die Forscher der Universit\u00e4t Berkeley (USA) wollen dabei herausfinden, welche Rolle die Dynamik von Magnetfeldern auf den Formungsprozess von Filamentwolken hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Das wird die l\u00e4ngste Einzelbeobachtung von SOFIA auf Ihrem ersten Flug in Europa sein, welche s\u00fcdlich der schwedischen K\u00fcste in der Ostsee beginnt und \u00fcber Polen, Tschechien, \u00d6sterreich, Slowenien, Kroatien, der Adria, Italien bis kurz vor Sizilien f\u00fchrt&#8221;, zeigt Clemens Plank, Projektingenieur f\u00fcr SOFIA beim DLR Raumfahrtmanagement, am Flugplan, welcher vorab mit allen europ\u00e4ischen Luftverkehrsbeh\u00f6rden abzustimmen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachwuchs mit an Bord<br \/>\n<\/strong>Auf dieser spannenden Forschungsreise werden nicht nur Wissenschaftler mit an Bord sein. Ein Team der \u201eSendung mit der Maus\u201c wird in einer Spezialausgabe \u201eTeleskope und die Infrarotastronomie\u201c dem Mauspublikum Einblicke in den Forschungsflug von SOFIA geben. Au\u00dferdem wird ein Preistr\u00e4ger des Forschernachwuchswettbewerbes \u201eJugend forscht\u201c bei der Europa-Pr\u00e4miere von SOFIA mitfliegen d\u00fcrfen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stuttgart.| Am 16. September 2019 um voraussichtlich 4:14 Uhr wird die fliegende Sternwarte SOFIA (Stratosph\u00e4ren Observatorium F\u00fcr Infrarot-Astronomie) \u2013 ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbeh\u00f6rde NASA und dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) \u2013 auf dem Flughafen Stuttgart landen. Von dort aus wird SOFIA am 18. 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