{"id":135491,"date":"2019-07-05T14:14:04","date_gmt":"2019-07-05T13:14:04","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2019\/07\/05\/superfood-oft-augenwischerei\/"},"modified":"2019-07-05T14:14:04","modified_gmt":"2019-07-05T13:14:04","slug":"superfood-oft-augenwischerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/stuttgart\/2019\/07\/05\/superfood-oft-augenwischerei\/","title":{"rendered":"Superfood \u2013 oft Augenwischerei"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Schlank, fit und vor allem gesund \u2013 wer m\u00f6chte das nicht sein? Dabei sollen \u201eSuperfoods\u201c helfen. So bezeichnet die Werbung Lebensmittel, die aufgrund ihrer N\u00e4hrstoffzusammensetzung besonders f\u00f6rderlich f\u00fcr Gesundheit und Wohlbefinden sein sollen. H\u00e4ufig handelt es sich um exotische Pflanzen, wie Chiasamen, A\u00e7ai- oder Gojibeeren, oft in getrockneter Form, als P\u00fcree oder Extrakt. Sie sollen nicht nur leistungsf\u00e4higer machen, den Alterungsprozess aufhalten und das Herz st\u00e4rken \u2013 auch vor Krebs sollen diese Allesk\u00f6nner sch\u00fctzen. Was ist so super am Superfood? Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums gibt Antwort.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es experimentelle Studien, die den N\u00e4hrstoffen von einigen Superfoods positive Eigenschaften bescheinigen. Viele Wissenschaftler sind dennoch kritisch. Denn die Studien wurden nur an Zellen oder Tieren durchgef\u00fchrt und untersuchen meist nur einzelne Wirkstoffe, nicht aber das Lebensmittel als Ganzes. Der Begriff Superfood ist eine Erfindung der Marketingabteilungen und suggeriert beim Verbraucher eine ganz besonders hohe Qualit\u00e4t. Der Begriff ist weder rechtlich gesch\u00fctzt, noch genau definiert \u2013 jedes Produkt kann mit dem Label Superfood versehen werden. Ein weiterer Grund, um misstrauisch zu sein.<\/p>\n<p><strong>Skepsis ist angebracht<\/strong><br \/>\nDr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums differenziert: \u201eEinzelne Lebensmittel, die unter &#8220;Superfoods&#8221; laufen, wie etwa exotische Fr\u00fcchte, k\u00f6nnen zu einer abwechslungsreichen Ern\u00e4hrung beitragen. Dass sie aber vor Krankheiten wie Krebs sch\u00fctzen k\u00f6nnen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.\u201c Der Krebsinformationsdienst verf\u00fcgt \u00fcber eine umfassende Datenbank, die alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Erkrankung Krebs, zur Vorbeugung, Fr\u00fcherkennung und Therapie enth\u00e4lt. \u201eWir w\u00fcssten, wenn es dazu aussagekr\u00e4ftige Studienergebnisse g\u00e4be\u201c, so Weg-Remers weiter. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800-420 30 40 beantworten \u00c4rztinnen und \u00c4rzte t\u00e4glich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr alle Fragen zum Thema Krebs. Alternativ k\u00f6nnen sich Ratsuchende auch per E-Mail <a href=\"mailto:krebsinformationsdienst@dkfz.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">krebsinformationsdienst@dkfz.<wbr \/>de<\/a> an den unabh\u00e4ngigen Dienst richten.<\/p>\n<p><strong>Warum in die Ferne schweifen?<\/strong><br \/>\nAuch einheimische Pflanzen haben einen hohen N\u00e4hr- und Wirkstoffgehalt und k\u00f6nnten daher als Superfood bezeichnet werden, zum Beispiel Gr\u00fcnkohl, Rote Bete und einheimische Beeren oder Karotten, Zwiebel und \u00c4pfel \u2013 sie alle liefern gesundheitsf\u00f6rdernde N\u00e4hrstoffe. F\u00fcr ausreichend Ballaststoffe sorgen Vollkornprodukte und Leinsamen. Der Vorteil dieser Lebensmittel vor der Haust\u00fcr: Sie sind oft kosteng\u00fcnstiger und ihre Herkunft ist nachvollziehbar. Superfood-Produkte kommen oft aus dem fernen Ausland, sind teuer und werden \u00fcber das Internet vertrieben. Anstatt sich ern\u00e4hrungstechnisch auf eine Handvoll exotischer Lebensmittel zu verlassen, von denen behauptet wird, sie seien \u201esuper\u201c, ist es besser, auf die ganze Bandbreite des hiesigen Obst- und Gem\u00fcseangebots zu setzen. So das Fazit des Europ\u00e4ischen Informationszentrums f\u00fcr Lebensmittel (EUFIC).<\/p>\n<p><strong>Sch\u00fctzende Effekte ganz ohne Superfoods<\/strong><br \/>\nAuch zum Schutz vor Krebs und anderen chronischen Krankheiten wie Diabetes und Herzerkrankungen empfiehlt sich eine Ern\u00e4hrung vorwiegend aus pflanzlichen Nahrungsmitteln. Der europ\u00e4ische Kodex zur Krebsbek\u00e4mpfung gibt folgende Empfehlungen:<\/p>\n<p>\u2022 T\u00e4glich mindestens 400 g Obst, Gem\u00fcse und H\u00fclsenfr\u00fcchte<br \/>\n\u2022 M\u00f6glichst t\u00e4glich Getreideprodukte aus Vollkorn<br \/>\n\u2022 Zucker- und fettreiche Speisen meiden<br \/>\n\u2022 M\u00f6glichst keine zuckerhaltigen Getr\u00e4nke<br \/>\n\u2022 Pro Woche weniger als 500 g Fleisch. M\u00f6glichst kein verarbeitetes Fleisch<br \/>\n\u2022 Fertiglebensmittel meiden<br \/>\n\u2022 Maximal 6 g Salz am Tag<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlank, fit und vor allem gesund \u2013 wer m\u00f6chte das nicht sein? Dabei sollen \u201eSuperfoods\u201c helfen. So bezeichnet die Werbung Lebensmittel, die aufgrund ihrer N\u00e4hrstoffzusammensetzung besonders f\u00f6rderlich f\u00fcr Gesundheit und Wohlbefinden sein sollen. 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