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Starkregenvorsorge in Ostfildern

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Ostfildern.| Ostfildern setzt auf umfassenden Hochwasserschutz und nachhaltige Stadtplanung, um besser auf Starkregenereignisse vorbereitet zu sein. Innovative Konzepte und Zusammenarbeit stärken die Resilienz gegen den Klimawandel.

Die ungewöhnlich ergiebigen Regenfälle am vorletzten Wochenende haben auch in Ostfildern zu Überschwemmungen und einigen Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr geführt. Das Hochwasserrückhaltebecken in Scharnhausen, das erst im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde, war zeitweise mehrere Meter hoch eingestaut.

Dabei wurden Wassermassen und Schlamm zurückgehalten, die sich sonst ungebremst den Weg durch Scharnhausen und die Nachbarkommunen gesucht hätten. Schäden an Gebäuden und Infrastruktur konnten durch das Schutzbauwerk erfolgreich abgewendet werden.

Kommunale Anpassungsstrategien

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge werden solche Extremwetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen. Die Klimaanpassung spielt auf kommunaler Ebene eine zunehmend wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Stadt Ostfildern an einem gesamtstädtischen Konzept zur Starkregenvorsorge und hat dafür auch eine Personalstelle geschaffen. Bei dem Konzept geht es jedoch nicht nur um die Dimensionierung von Kanalnetzen oder die Errichtung von Schutzbauwerken, vielmehr setzt die Starkregenvorsorge schon früh in der Stadtplanung und -entwicklung an, indem Fließwege, Retentions- und Verdunstungsflächen bei der Gestaltung von Plätzen und Grünanlagen berücksichtigt werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Stadtplanung und Entwässerungsplanung ist bei der Starkregenvorsorge von großer Bedeutung.

Regenwassermanagement im Scharnhauser Park

Ein Beispiel für gelungenes Regenwassermanagement kann im Scharnhauser Park erlebt werden. Bereits durch die begrünten Flachdächer der Gebäude und wasserdurchlässige Beläge im Außenbereich wird ein großer Teil des Regenwassers direkt am Entstehungsort zurückgehalten und versickert. Das verbleibende Regenwasser von Dächern, Straßen, Plätzen und Grünflächen wird über offene Gräben und Rinnen in große, flache Grasmulden mit darunterliegenden Rigolen geleitet, die das Wasser aufnehmen, stauen und eine bestimmte Zeit zurückhalten. Die Rigolen befinden sich in den drei großen Grünanlagen des Stadtteils: der Landschaftstreppe, dem Baumhain und der Grünanlage Holzwiesen. Bei Starkregen stauen die Rigolen für maximal zwölf Stunden auf und stehen anschließend wieder als Spielfläche zur Verfügung. Das aufgestaute Wasser verdunstet teilweise, der Rest wird, je nach Untergrundbeschaffenheit, versickert oder gedrosselt in das natürliche Quellgebiet des Krähenbachs geleitet.

Durch die Rückhaltung des Regenwassers in den Rigolen gibt der gesamte Stadtteil nicht mehr Regenwasser in das natürliche Gewässer ab als unbebautes Ackerland. Eine Überlastung der Kanalisation oder der Kläranlagen durch große Mengen Regenwasser im Starkregenfall kann dadurch vermieden werden. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Regenwassermanagement im Scharnhauser Park wurden entsprechende Lösungen auch in weiteren Quartiersentwicklungen umgesetzt, wie beispielsweise in Kemnat Grund und im neuen Gewerbegebiet Scharnhausen-West. Eine Herausforderung wird es sein, die starkregenresiliente Siedlungsentwicklung vermehrt auch im baulichen Bestand zu berücksichtigen.

Beteiligung an Forschungsprojekt

Seit 2021 beteiligt sich die Stadt Ostfildern auch am Forschungsprojekt „Integration von Starkregen-Resilienzen in die Siedlungsplanung (ReSiPlan)“ der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und der Technischen Hochschule Lübeck. Das Forschungsvorhaben läuft noch bis August 2024 und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer Tool-Box als Planungshilfe, die die Belange der Stadtplanung und der Entwässerungsplanung vereint, um so eine starkregenresiliente Stadtentwicklung zu unterstützen. Die Tool-Box soll zukünftig als Standard für die Planung der Stadt Ostfildern und perspektivisch auch für andere Kommunen etabliert werden.


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