Die internationale Ausstellung zum 600. Geburtstag der Margarethe von Savoyen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart ist eröffnet. Sie ist vom 10.9.2020 bis 15.1.2021 in Stuttgart zu sehen.

Stuttgart.| Die neue Ausstellung im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv befasst sich mit einer Frau, die vor genau 600 Jahren geboren wurde und deren Lebensgeschichte sich wie ein historischer Roman liest. Margarethe von Savoyen stammte aus einem vornehmen Haus: Ihre Eltern waren Herzog Amadeus VIII. von Savoyen und Maria von Burgund. Im Jahr 1420 im Schloss von Morges am Genfersee geboren, wuchs sie im Herzogtum Savoyen auf. Dreimal war sie verheiratet: mit Ludwig III. von Anjou, Titularkönig von Sizilien und Neapel, mit Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz und schließlich mit Graf Ulrich V. von Württemberg. In Württemberg starb sie auch; begraben wurde sie 1479 in der Stuttgarter Stiftskirche.

„Die Tochter des Papstes“ – der Titel der Ausstellung ist historisch korrekt. Margarethes Vater wurde 1439 auf dem Konzil von Basel zum Papst gewählt. Seine Tochter war damals bereits 19 Jahre alt und schon zum ersten Mal Witwe. Als „Tochter des Papstes“ sorgte Margarethe auf dem europäischen Heiratsmarkt in höchsten Kreisen für Aufsehen.

Höfische Kultur des Spätmittelalters wird in der Ausstellung sichtbar und hörbar
Margarethe von Savoyen stammte aus einer Umgebung, die von höchster Kunst und Bildung geprägt war. Der burgundische Herzog Jean de Berry, einer der prominentesten höfischen Auftraggeber des späten Mittelalters, war ihr Urgroßvater. Ihr Vater war ebenfalls ein Buchliebhaber, besonders förderte er die großartige Musik an seinem Hof: Guillaume Dufay und Gilles Binchois gelten als herausragende Komponisten ihrer Zeit, deren Musik in der Ausstellung auch zum Klingen gebracht wird – erstmalige Einspielungen werden hier an Hörstationen mit ihren berühmten Manuskripten gemeinsam präsentiert.

„Margarethe von Savoyen hat einen umfangreichen Schriftwechsel mit etwa 150 Briefen hinterlassen, der sich zu einem großen Teil im Landesarchiv Baden-Württemberg und dort im Hauptstaatsarchiv Stuttgart erhalten hat. Er gibt uns einzigartige Einblicke in ihr kulturelles Umfeld und erlaubt uns, ihren weit gespannten europäischen Lebensweg nachzuvollziehen.“ Das sagte Prof. Dr. Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg, bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Präsentation rückt die Biografie einer außergewöhnlichen Frau und hochgebildeten Fürstin des späten Mittelalters ins Licht, faszinierend nah über die Distanz von sechs Jahrhunderten. Margarethe von Savoyen war in ganz Europa vernetzt und es ist erstaunlich, wie viel man heute noch von ihrem Leben weiß. Wie viel – das zeigt die Ausstellung. Die wissenschaftlichen Kuratoren, Prof. Dr. Peter Rückert und Dr. Anja Thaller, haben die Quellen der Zeit durchgesehen und Kostbarkeiten aus dem Besitz und der Umgebung der Margarethe von Savoyen zusammengetragen. Sie trat an all ihren Lebensstationen als bedeutende Stifterin und Mäzenin auf: Davon zeugen vor allem die Bilderhandschriften, die sie bei der wohl in Stuttgart ansässigen Henfflin-Werkstatt in Auftrag gab. Erhalten sind die prachtvollen Bände in der Universitätsbibliothek Heidelberg – sie können in der Ausstellung in großartiger Vollkommenheit gezeigt werden. Weitere einzigartige Leihgaben kommen aus den Museen in Schloss Morges am Genfersee und aus Turin; bedeutende Stücke stellen auch das Haus Württemberg, das Haus Savoyen und das Landesmuseum Württemberg zur Verfügung. Insgesamt sind etwa 150 Exponate zu sehen. Dass es trotz der Einschränkungen der Corona-Zeit gelungen ist, die Ausstellung mit ihren Leihgaben aus Italien und der Schweiz rechtzeitig zum Termin vorzubereiten, war eine außergewöhnliche logistische Herausforderung. „Die Tochter des Papstes: Margarethe von Savoyen“ ist eines der ersten Ausstellungsprojekte, das im Stuttgarter Kulturquartier seit dem Beginn der Corona-Epidemie im Frühjahr eröffnet werden kann.

Die Tochter des Papstes: Margarethe von Savoyen
Internationale Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart
10. September 2020 bis 15. Januar 2021