Esslingen.| Am Freitag, 8. Mai 2020 nimmt die Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen, ihren Ausstellungsbetrieb mit coronabedingten Einschränkungen wieder auf. Der Besuch der aktuellen Ausstellung „David Renggli: Bongos at the Lido“ ist zu den üblichen Öffnungszeiten (dienstags 11-20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11-18 Uhr) wieder möglich. Allerdings dürfen sich nur bis zu 30 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig im Haus aufhalten, natürlich unter Einhaltung der aktuellen Abstandsregeln und mit Mund-Nasen-Schutz. Der Eintritt kann kontaktlos mit Karte bezahlt werden. Die Caféteria bleibt vorerst geschlossen.
Sonderveranstaltungen und Führungen entfallen bis auf Weiteres. Als Ersatz hierfür wird auf der Projekthomepage (https://renggli.villa-merkel.de/) und auf der Internetseite der Villa Merkel in Form eines 15 Minuten langen Films ein digitaler Rundgang durch die Ausstellung angeboten. Die Laufzeit von „David Renggli: Bongos at the Lido“ ist bis zum 12. Juli 2020 verlängert.

Über das gesamte Gebäude hin verteilt lungern, kauern, hocken oder liegen sie – mal hier, mal dort: lebensgroße weiße Katzen in Gestalt von Guss-Plastiken. Sie wohnen mit im Haus. Als sollten sie die Villa Merkel und David Rengglis Ausstellung beseelen und die Besucherinnen und Besucher zum Verweilen einladen. Zugleich stiften sie der episch ausgreifenden Ausstellung Konzentrationspunkte und Momente des In-sich-Ruhens. Daneben wehen erheiternde Sehnsüchte durch die Villa Merkel und laden ein zu imaginären Streifzügen mit dem Ziel Idyll und dessen Brechungen.

„Können wir im Lichthof der Villa Merkel einen Pizzaofen einbauen?“, war eine der ersten Fragen des Künstlers, als es um die Klärung der weiteren Herangehensweise ging. Im Stillen fanden wir, das sei eine freche, wohl auch das Publikum überraschende Idee, die letztlich darin münden müsste, jeden Ausstellungsbesuch mit einer interaktiven Speisung des Publikums beginnen zu lassen. Gekommen ist es nun etwas anders. So zeigt sich der Lichthof des Gebäudes nun in Gestalt einer warm einladenden Geste und ist – definiert als ein Ort des Willkommens – spielerisch sowie farbstark möbliert durch fünf Sitzgruppen mit je einem Tisch auf Teppichboden. Die eigens für die Esslinger Ausstellung neu geschaffenen metallenen Kunst-Möbel dürfen tatsächlich benutzt werden. Die Kokosnüsse als Handschmeichler inklusive. Ebenfalls zu benutzen ist der Wunschbrunnen im Zentrum der Inszenierung. Er suggeriert, dass Kraft seiner Wirkmächte Sehnsüchte erfüllt und Träume wahr werden könnten. Klar, eine Münze muss zunächst schon geopfert werden, gleich ob sich danach dann das Glücks-Versprechen einlöst, oder nicht.
David Rengglis Werk ist durchdrungen von Humor, Poesie oder auch Musikalität und zeigt sich in Gestalt von Skulpturen wie etwa grellfarbigen Vogelscheuchen, die in Gestalt liegender Jahrmarktfiguren daherkommen, von Gongs, die wie Mondscheiben die Wände zieren oder von weit ausgreifenden Künstlersignaturen, die im Grunde nichts oder allenfalls den Raum bezeichnen. Hinzu kommen Beispiele seiner konzeptuellen Malerei, etwa die in Esslingen erstmals gezeigte Serie von SUV-Paintings, in der David Renggli mit einem gehörigen Augenzwinkern auf die sich mehr und mehr verbreitenden Unformen des Straßenverkehrs reagiert oder auch dessen Netzbilder, die produktive Brücken schlagen zur Geschichte von Skulptur und Bildhauerei. Auch entwirft David Renggli komplexe intermediale Inszenierungen, er realisiert Aneignungen von alltäglich doch auch kulturhistorisch tradierten Bildsprachen, die sich speisen aus der antiken Skulptur oder aus Bildern der Regenbogenpresse und Modemagazine. Sie fußen auch auf einer breiten Sammlung des Künstlers von kuriosen Büchern und gedruckten Vintage-Erotika, die sich neben dem Paraphrasieren von Schönheitsidealen auszeichnen durch raffinierte und innovative graphischen Gestaltungen. David Renggli ironisiert den Schönheitskult, Formen der Selbstoptimierung und Ausprägungen narzisstischer Selbstbezüglichkeiten und bindet seine kommentierenden Reflexionen durch malerisch aufgeladene Collagen in einen umfangreichen Bilderatlas ein. Als Neo-Dadaist ist David Renggli ganz dem freien Spiel der Kunst – gelegentlich auch der Musik – verpflichtet: „My favorite instrument? Snare drum.“