Vitrinenausstellung im Deutschen Bauernkriegsmuseum am 14. November 2019 um 18.00 Uhr

Böblingen.| Bei Baumaßnahmen auf einem Grundstück in der Unteren Gasse in Böblingen, das unmittelbar an die mittelalterliche Stadtmauer angrenzte, traten im Boden die Grundmauern des Kellergeschosses eines nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissenen Gebäudes hervor. Die Bodenarbeiten wurden archäologisch begleitet und brachten tatsächlich in Böblingen bisher Unbekanntes zutage:

Unter dem Kellerboden des ehemaligen Wohnhauses vergraben, bargen die Archäologen Überreste von ca. 30 Tontöpfen, wie sie in der frühen Neuzeit auch als Koch- und Vorratstöpfe gebräuchlich waren. In dem vorgefundenen Kontext erwiesen sie sich aber als Bestattungstöpfe für Nachgeburten. Mit der Bestattung der Nachgeburt sollte früher verhindert werden, dass böse Mächte Mutter und Kind Schaden zufügen. Der Brauch ist aus dem 17. und 18. Jahrhundert in einer Reihe von Orten in der Umgebung bekannt – in Böblingen begegnet man ihm mit dem Fund vom Frühjahr 2018 erstmals. Ganz besonders überraschend war für die Forscher der Fund eines Säuglingsskeletts, das zwischen den Nachgeburtstöpfen bestattet worden war und das nach wissenschaftlichen Untersuchungen ebenfalls in die Zeit um 1650 zu datieren ist. Welches Schicksal dieser Säugling erfahren hat, dass er wohl heimlich im Keller seines Geburtshauses und nicht auf dem Friedhof bestattet wurde, lässt sich nicht abschließend klären.

Das Deutsche Bauernkriegsmuseum Böblingen schätzt sich glücklich, einen Teil der Bodenfunde in einer Vitrinenausstellung im Untergeschoss des Museums Zehntscheuer in der Zeit von 14. November 2019 bis 8. März 2020 als Leihgabe des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart präsentieren zu dürfen.

Zu sehen sind teilweise rekonstruierte Nachgeburtstöpfe, eine Fotodokumentation der Grabungsarbeiten sowie die Fundsituation des Kinderskeletts.

Eine 45-minütige Einführung in die Vitrinenausstellung übernehmen Frau Dr. Dorothee Ade von IKU, Institut für Kulturvermittlung, die für die wissenschaftliche Leitung der Maßnahme und Bergung der Böblinger Funde mitverantwortlich war, sowie Museumsleiterin Cornelia Wenzel.

Die Öffentlichkeit ist hierzu am Donnerstag, 14. November 2019, um 18.00 Uhr sehr herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.