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von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Für die SG BBM Bietigheim geht es am Sonntag (17 Uhr, EgeTrans Arena Bietigheim) schlichtweg um den ersten Heimerfolg in der aktuellen Saison. Der Handball Sport Verein Hamburg könnte sich mit einem Punktgewinn weiter in Richtung Spitze der 2. HBL orientieren.

Familientag in der EgeTrans Arena. Das heißt: Hüpfburg, Basteltische und Attraktionen für die Kleinen. Für das Spektakel für die Großen sind die Handballer aus Bietigheim und Hamburg zuständig. Beide Mannschaften kämpfen am siebten Spieltag um richtungsweisende Punkte. Hamburg liegt mit 8:4 Punkten in der Tabelle vor den Schwaben. Da der Bietigheimer Bundesliga-Absteiger im Unterhaus noch keine Stabilität gefunden hat, ist vorab kein Favorit auszumachen.

Der größere Druck liegt aber ganz klar bei den Gastgebern, die mit 5:7 Punkten gestartet und momentan weit weg sind von den vorderen Plätzen der Liga. „Klar spüren wir den Druck“, sagt SG BBM-Trainer Hannes Jón Jónsson, „es ist nur die Frage, wie man damit umgeht.“ Jeder hat da wohl seine eigene Methode, aber für alle gilt: das beste Rezept ist ein gemeinsames Erfolgserlebnis. „Wir haben in dieser Saison noch nicht gut gespielt, das sieht jeder bei uns so“, sagt der Isländer. „Wir müssen mehr Stabilität gewinnen und auch einmal in einen Flow reinkommen. Das schaffen wir hoffentlich am Sonntag.“ Im „Flow“ da läuft auch bei den Handballern vieles wie von selbst, Ballgewinne in der Abwehr, technische Fehler nach unten, Trefferquote nach oben.

Die besten Voraussetzungen dafür zu schaffen, das ist die Aufgabe von Hannes Jón Jónsson. „Wir haben in dieser Woche zwei zusätzliche Trainingseinheiten angeboten, einfach um den Jungs mehr Sicherheit zu geben“, sagt der 39- Jährige. „Alle wollen, jeder gibt Gas im Training, die Stimmung ist weiter gut. Das ist sehr positiv.“

Zurücknehmen mussten sich in dieser Woche allerdings Tim Dahlhaus, der im Training im Fußgelenk umknickte, Patrick Rentschler nach einem Bluterguss und auch Michael „Mimi“ Kraus. Alle drei werden am Sonntag aber dabei sein, bestätigt Jónsson. „Auch Mimi wird uns gegen Hamburg helfen können“; sagt der Coach, „es ist aber noch zu früh zu erwarten, dass er nach seiner Oberschenkelverletzung die große Rolle spielen kann.“

Der Ex-Weltmeister trifft am Sonntag auf einige Weggefährten seiner bewegten Handball-Karriere. Er war mit HSV- Trainer Torsten „Toto“ Jansen und Abwehrspezialist Blazenko Lackovic noch mit dem Hamburger Vorgängerverein, der Anfang 2016 in die Insolvenz ging, auf nationaler und internationaler Titeljagd und spielte mit Tobias Schimmelbauer beim TVB Stuttgart, der wie Jens Schöngarth (von FrischAuf! Göppingen) mit Erstliga-Erfahrung nach Hamburg wechselte. Mit Ex-Nationalspieler Schöngarth und Jan Forstbauer besitze Hamburg zwei Wurfmaschinen im rechten Rückraum, so Jónsson. Kreisläufer Niklas Weller führt mit seinen 52 Saisontoren (davon 25 per Siebenmeter) gar die Statistik der 2. HBL an.

Und dann ist da noch Aron Rafn Edvardsson, 30-jähriger Schlussmann der isländischen Nationalmannschaft, der von Januar 2016 bis Juni 2017 bei der SG BBM das Tor hütete und in Bietigheim schnell zu einem der Publikumslieblinge geworden war. Edvardsson ist jetzt mit seinen Paraden einer der Leistungsträger in Hamburg. Nach der Insolvenz des HSV Hamburg Handball begann in der Elbmetropole postwendend der Neuanfang in der 3. Liga. Mit Edvardsson gelang der Aufstieg ins Unterhaus, die Jansen-Truppe belegte in der Saison 2018/19 den 12. Platz und strebt weiter nach oben.

„Wir schauen in dieser Woche vor allem auf uns selbst“, sagt Jónsson, der die Hamburger Qualitäten gleichwohl ausführlich studiert hat. „Stimmung, Wille und das Feuer sind da, wir sind bereit für den Sonntag“, verspricht der SG BBM-Coach und hofft, dass auch die Bietigheimer Fans zur Stelle sein werden, um ihrer Mannschaft in den „Flow“ zu verhelfen.