Ostfildern.| Eine Sommerausstellung in der städtischen Galerie von Thomas Hegers Gemälden in hellen, klaren Farben und die angenehmen Temperaturen im Untergeschoss des Stadthauses bieten fast einen Mini-Urlaub.

Es ist kein Wunder, dass bei näherer Betrachtung der abstrakt-gegenständlichen Gemälde durchaus sommerliche Assoziationen in Gang gesetzt werden. Ein Glas mit kaltem, in der Kehle prickelndem Getränk samt Trinkhalm sah Tanja Eicher, die Abteilungsleiterin Kultur und Bewegung, im Werk „Pflanzenkunde 11“, wie sie bei der Eröffnung am vergangenen Sonntag in ihrer Begrüßungsrede erzählte. „Ich habe sofort sommerliche Gefühle.“

Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten von Thomas Heger abstrakt. Die Gemälde der Werkgruppe „Pflanzenkunde“ zum Beispiel bestehen aus einer Farbfläche mit schmalen farbigen Streifen. Erst beim genaueren Betrachten sieht man die zarten Umrisse des „Glases“ und zwei winzige Figuren. Die einzelnen Bildelemente scheinen unverbunden in einem virtuellen Raum zu schweben. „Die Kombination von Elementen entfernt sich nicht von der Realität, sondern schafft eine eigene“, betonte die Galerieleiterin Holle Nann bei der Eröffnung.

Noch deutlicher wird das bei weiteren ausgestellten Gemälden. Die meisten sind patchworkartig aus unterschiedlich großen Rechtecken in verschiedenen Farben und vielfältigen Strukturen komponiert. Es gibt glatte einfarbige und plastischere, strukturierte Rechtecke, Flächen aus geraden oder eng geschwungenen Pinselstrichen und solche, die aus schmalen bunten Streifen zusammengesetzt sind. Und irgendwo sind immer ein paar Figürchen, die anscheinend konzentriert marschieren, die Umgebung betrachten oder schwimmen.

Der Künstler öffnet dem Betrachter so Assoziationsräume, die es ihm ermöglichen, seine Fantasie zu entfalten und Interpretationen zu entwickeln. „Thomas Heger geht es nicht um die abbildhafte Darstellung von Gegenständen und Figuren, sondern um die ausdrucksstarke und kontrastreiche Durchdringung der verschiedenen Bildebenen“, erklärte Nann. Der Künstler inszeniere unterschiedlichste Geschichten auf der Leinwand. „Nie ist der Prozess abgeschlossen, ungewöhnliche Konstellationen lassen neue Realitäten entstehen. Widersprüchlichkeiten verhindern, dass die Geschichte von vorneherein festgeschrieben ist.“ So könne man über „Freischwimmer 4“ das obere blaue Feld als Himmel sehen, die streifige Fläche als Schwimmbecken mit Bahnen und zwei Schwimmern, daneben die grünen Liegewiesen, darunter möglicherweise überwältigende Gischt. „Dem Betrachter bleibt ausreichend Platz für Assoziationen“, betonte Nann. „Jedes Element steht für sich selbst.“

Ansehnlich sind auch die Arbeiten auf Papier in der kleinen Galerie. Sie wirken direkter, rauer und geheimnisvoller. Ihr Bildraum öffnet sich in die Tiefe und enthält Figuren, abstrakte Elemente und Zeichen. Alle wirken wie Teile einer verrätselten Geschichte, die der Betrachter jedoch nicht eindeutig auflösen kann und die womöglich auch mehrere Deutungen besitzt.

Eine Führung für kunstinteressierte Jugendliche und Erwachsene wird am Sonntag, 21. Juli, um 16 Uhr angeboten. An diesem Tag wird auch der Katalog, der zur Ausstellung erscheint, vorgestellt. Die Ausstellung „Nachbilder“ von Thomas Heger ist noch bis 17. September in der Galerie im Stadthaus, Scharnhauser Park, Gerhard-Koch-Straße 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Galerie ist dienstags und donnerstags jeweils von 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.