Jubel über den ersten Streich: Jana-Franziska Poll, Molly McCage, Pia Kästner, Sarah Wilhite (v.l.) Foto: www.tombloch.de

von Tom Bloch

Stuttgart.| Fachleute hatten schon frühzeitig die beiden Teams als die erneuten Finalgegner im Kampf um die Deutsche Meisterschaft ausgemacht. Und so ist es gekommen: Allianz MTV Stuttgart misst sich bereits zum dritten Mal in Folge mit dem SSC Palmberg Schwerin und viele waren sich ebenfalls im Vorfeld einig, dass diese Play-off-Serie nicht nur über die Minimalanzahl von drei Spielen gehen wird.

Sieg Nummer eins in dieser maximal fünf Spiele langen Serie hat sich nun jedenfalls der Ligaprimus der Hauptrunde geschnappt. Vor 2251 Zuschauern in der ausverkauften SCHARRena feuerten beide Teams auf hohem Niveau eine Serie von spektakulären Ballwechseln ab, und am Ende waren es nur Winzigkeiten, die den Unterschied ausmachten.

Mit dem 3:1-Erfolg (25:21, 21:25, 25:23, 25:23) nach 105 Minuten gehen die Stuttgarterinnen mit 1:0 in der Serie in Führung. „Man hat deutlich gesehen, dass es nur Nuancen sind, die über Sieg oder Niederlage entscheiden“, sagte Stuttgarts Trainer Giannis Athanasopoulos in seiner ersten Analyse. „Und man darf nicht eine einzige Sekunde nachlassen. Nur wenn wir mental weiter so stabil bleiben, haben wir auch eine Chance, am Mittwoch den zweiten Sieg zu holen.“

Die Erleichterung war bei ihm genauso zu spüren wie bei Sportdirektorin Kim Renkema. „Der erste Sieg ist nur ein erster Schritt, aber ein sehr wichtiger“, sagte Renkema. „Aber es war schön zu sehen, wie wir vom ersten Punkt an voll da waren.“ Die Sportdirektorin war begeistert von diesem Volleyball-Leckerbissen, den sie wie gewohnt direkt neben Scout Andreas Bühler sitzend mit verfolgte, und dabei auch wieder voll mitging – sowohl leidend als auch jubelnd. „Da schaut die Volleyball-Fachwelt immer wieder ins Ausland und schwärmt von dem dort herrschenden hohen Leistungsniveau. Dabei kann man das auch hier haben, mitten in Deutschland. Wir hatten heute vor ausverkaufter Halle einen Traumstart mit einem tollen Spiel. Aber! Das ist eben auch nicht mehr als ein Anfang.“

Bemerkenswert war auf jeden Fall der deutlich spürbare individuelle Siegeswille der einzelnen Stuttgarter Spielerinnen. Libero Roosa Koskelo war in der Abwehr irgendwie überall gleichzeitig, kratzte jeden erdenklich möglichen Ball vom Boden, Pia Kästner gelang sogar ein Zuspiel per Fuß – und der Jubel nach jedem Punkt ließ den Funken aufs wieder einmal frenetisch jubelnde Publikum überspringen.

Am meisten Punkte steuerte Krystal Rivers (21) bei, gefolgt von einer guten Verteilung über Jana-Franziska Poll (14, MVP), Sarah Wilhite (13), Paige Tapp und Molly McCage (je 10). Auf Schweriner Seite waren es Kimberly Drewniok (20), Beta Dumancic (15) und McKenzie Adams(13), die für ihren Club die Punkte markierten.

Wie gesagt, der Unterschied betrug Nuancen, nach Ballpunkten (96:92) waren es nur vier.
Vielleicht war es doch auch der spürbare Wille, der den Unterschied ausmachte, der zum Beispiel auch ganz besonders bei Zuspielerin Pia Kästner zu sehen war, die jeden einzelnen Stuttgarter Punkt bejubelte.

„Wir wollten es einfach ganz extrem. Nach dem verlorenen Pokalfinale, nach dem verlorenen Finale in der vergangenen Saison, ist jetzt einfach unsere Zeit gekommen. Jetzt sind wir dran, uns zu belohnen“, sagte Pia Kästner forsch.

Weiter geht es am Tag der Arbeit in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern.
Spiel zwei beginnt am 1. Mai in der Palmberg Arena zu Schwerin um 17.10 Uhr, und wird ebenfalls live auf Sport1 übertragen.

„Und wir gehen alle davon aus, dass das Schweriner Team uns entsprechend antworten wird“, blickte Jana-Franziska Poll voraus.