von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Abstiegskampf in der Handball-Bundesliga ist nichts für schwache Nerven. Der Tabellenvorletzte SG BBM Bietigheim erkämpfte sich am Donnerstag vor 1945 Zuschauern in der EgeTrans Arena mit einem 26:26 (13:11) gegen die HSG Wetzlar einen Zähler, der in der Endabrechnung wichtig werden kann.

Fünf Minuten vor dem Ende führten die Mittelhessen in Bietigheim noch mit 23:26, ehe der Aufsteiger in einem wahren Kraftakt noch den einen Punkt erkämpfte. „Vor dem Spiel hatten wir uns vorgenommen, heute zwei Punkte zu holen“, so Jürgen Müller. „Nach den drei Toren Rückstand können wir am Ende zufrieden sein mit dem Unentschieden“. Der Keeper der SG BBM hielt mit drei tollen Paraden in der Crunchtime den Punkt für den Aufsteiger fest. Mimi Kraus, Max Emanuel und Jonathan Fischer setzten die letzten drei Treffer für die SG BBM.

Wetzlars Coach Kai Wandschneider trauerte den Chancen zum KO-Stoß in den Schlussminuten nach. „Wenn wir 26:23 führen, müssen wir das über die Ziellinie bringen. Uns fehlte wie in einigen Spielen in dieser Saison die Abgezocktheit und Cleverness, um den Sack zuzumachen. In der Crunchtime ging es für Bietigheim um alles. Am Ende können wir froh sein, dass wir diesen Punkt geholt haben.“

Auch Bietigheim isländischer Trainer Hannes Jón Jónsson konnte der Punktteilung etwas abgewinnen. „Ich sehe das als gewonnenen Punkt. Ich bin aber vor allem zufrieden damit, wie wir uns präsentiert haben. In den letzten Heimspielen gegen Stuttgart und den Bergischen HC ist noch nicht so klar geworden, wie wir uns im Abstiegskampf zeigen wollen. Heute haben wir charakterlich einen Riesenschritt nach vorne gemacht.“

Zu Beginn profitierten die Gastgeber auch von einer hohen Fehlerquote des Tabellenvierzehnten und führten nach der ersten Viertelstunde mit 8:6. Den Drei-Tore-Vorsprung hatte anschließend Christian Schäfer auf der Hand, scheiterte mit einem Siebenmeter aber am guten HSG-Keeper Till Klimpke. Die 13:11-Halbzeitführung der SG BBM war verdient.

„Wir haben im Angriff zu einer klaren und einfachen Struktur gefunden, an die wir uns das ganze Spiel über gehalten haben“, unterstrich Bietigheims Sportlicher Leiter Jochen Zürn. Auch nachdem Wetzlar in der 36. Minute durch einen Strafwurf von Maximilian Holst beim 15:16 erstmals in Führung ging. Der Spezialist der HSG traf sechsmal bei sechs Versuchen vom Siebenmeterpunkt.

Die Achse Mimi Kraus – Jonas Link funktionierte beim Tabellenvorletzten, häufig ließ Jónsson sogar ohne Linkshänder im rechten Rückraum spielen mit Vetle Rønningen auf der linken Rückraumposition. Geduldig suchte der Tabellenvorletzte seine Chancen. Kraus traf insgesamt achtmal, gerne auch, wenn sich die SG BBM im Positionsangriff festzulaufen drohte. „In den Akzentmomenten waren wir sehr effektiv“, nennt das Zürn. Zudem war Jonathan Fischer am Kreis ein starker Vertreter des an einer Muskelverhärtung laborierenden Kapitän Patrick Rentschler.

Dennoch drohte sich Wetzlar beim 22:25 am Ende abzusetzen, weil die Wandschneider-Truppe gut in der Abwehr stand und im Abschluss Mitte der zweiten Hälfte effektiver war als die Gastgeber. Aber der Aufsteiger wirft am Ende eben noch seine letzten Reserven im Kampf um den Klassenerhalt in die Waagschale. „Wir wollten nach dem Spiel besser dastehen als zuvor, das haben wir geschafft“, so Jochen Zürn. „Ich bin froh, dass wir die Tugenden im Abstiegskampf heute gelebt haben.“

SG BBM Bietigheim: Ebner, Müller; Kraus (8), Fischer (6), Schäfer (4/1), Emanuel (3), Rønningen (1), Link (1), Asmuth (1), Döll (1), Oehler (1), Rentschler, Haller, Marčec, Claus, Vlahovic.

HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Holst (9/6), Forsell Schefvert (5), Rubin (5), Torbrügge (2), Cavor (2), Björnsen (1), Ferraz (1), Mirkulovski (1), Hermann, Kneer, Schreiber, Weissgerber, Frend Öfors, Lindskog.

Spielverlauf: 5:3 (11.), 9:7 (20.), 11:11 (27.), 13:11 (30.), 15:16 (36.), 19:18 (43.), 21:23 (49.), 23:26 (56.), 26:26 (59.).

Zeitstrafen: Fischer (16., 38.), Rønningen (49.) – Kneer (19., 54.), Ferraz (29., 57.), Forsell Schefvert (33.), Lindskog (39.), Torbrügge (48.), Holst (54.)
Siebenmeter: 1/3 – 6/6
Schiedsrichter: Michael Kilp / Christoph Maier (DHB Elitekader)
Zuschauer: 1945 (EgeTrans Arena Bietigheim)