von Bernhard Gaus

Ludwigsburg.| Der Weg zum Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga bleibt für Aufsteiger SG BBM Bietigheim steinig und schwer. Im Lokalderby gegen den TVB 1898 Stuttgart setzte es in der mit 3700 Zuschauern ausverkauften MHPArena in Ludwigsburg eine 19:28 (8:10)-Niederlage. Der TVB Stuttgart macht mit jetzt 20 Punkten hinter das Saisonziel Klassenerhalt einen Haken.

Einen entsprechend gelösten Eindruck vermittelte TVB-Coach Jürgen Schweikardt nach dem Schlusspfiff. „Das war der letzte Schritt in Richtung Klassenerhalt. Ich bin froh, dass wir das schon Mitte März sagen können. Der Sieg war verdient, ist am Ende aber zu hoch ausgefallen.“

„Ich bin maximal enttäuscht“, gesteht Hannes Jón Jónsson, seit Anfang Februar der neue Kommandogeber auf der Bank des Aufsteigers. „Unsere Abwehrleistung war bis zur 53. Minute beim 19:22 in Ordnung. Im Angriff läuft der Ball aber nicht gut genug, wir schieben die Verantwortung zu sehr auf Jonas Link und Mimi Kraus. Erkämpfen wir uns eine Chance, macht uns Jogi Bitter das Leben schwer.“ Damit hat der Isländer die wichtigsten Protagonisten vom Sonntag genannt sind.

Ex-Weltmeister Johannes Bitter im Tor des TVB hatte am Ende eine Quote von 50% gehaltener Bälle und machte im ersten Abschnitt den Unterschied. Bietigheims Domenico Ebner erwischte auf der Gegenseite zwar auch einen herausragenden Tag und hatte am Ende genauso viele Bälle abgewehrt, musste aber häufiger hinter sich greifen. Vor allem das Duell gegen Ex-Mannschaftkollege Mimi Kraus ging klar an Bitter und die Stuttgarter Defensive. Nur einer kam am Sonntag mit dem TVB-Torsteher ganz gut klar: Der eingewechselte Rechtsaußen Jan Döll war mit einer fehlerfreien Bilanz und fünf Treffern am Ende erfolgreichster Werfer beim Tabellenvorletzten. Jonas Link war viermal erfolgreich. Auf der Gegenseite traf Linksaußen Tobias Schimmelbauer siebenmal.

Schon früh entwickelte sich die Chancenverwertung zu einem wichtigen Manko beim Aufsteiger, der sich nach einem 4:9-Rückstand bis zum Halbzeitpfiff mit viel Herzblut wieder herankämpfte. Denn auch der TVB produzierte gegen eine aggressive Bietigheimer Abwehr viele „Fahrkarten“. Der Anschlusstreffer sollte der SG BBM nach dem Seitenwechsel jedoch nicht gelingen. Vielmehr setzte sich Stuttgart erneut auf 11:16 Tore (40.) ab. Auffallend: Der TVB spielte den zusätzlichen Feldspieler, von Schweikardt immer wieder ins Angriffsspiel eingestreut, fast fehlerfrei. Stuttgart eröffnete keine Chancen für Bietigheimer Tempospiel.

Mit viel Einsatz und Kampf hielt Bietigheim bis zum 19:22 den Kontakt. Mehr verhinderte eine mit zunehmender Spieldauer höher werdende Fehlerquote beim Aufsteiger. Am Ende stand in den letzten sechs Minuten ein 6:0-Lauf und ein Sieg des TVB, der um ein paar Tore zu hoch ausgefallen war. „Das tut zum Schluss natürlich weh, denn die Tore können auch wichtig werden, wir wollten aber alles versuchen“, sagt Jónsson.

Viel Zeit bleibt dem Tabellenvorletzten nicht, seine Wunden zu lecken. Am Donnerstag wartete beim verlustpunktfreien Spitzenreiter Flensburg-Handewitt alles andere als ein „Muss-Spiel“. „Unsere Aufgabe ist es nach vorne zu schauen. Die Tabelle sieht noch genauso aus wie gestern. Es sind noch zehn Spiele und ein Punkt Rückstand auf den VfL Gummersbach“, macht Jónsson sich und den seinen Mut.

SG BBM Bietigheim: Ebner, Müller; Döll (5), Link (4), Schäfer (4/4), Kraus (3/1), Asmuth (1), Emanuel (1), Claus (1), Rentschler, Haller, Rønningen, Marčec, Fischer, Trost, Oehler.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (7), Häfner (4/2), Schweikardt (4), Weiß (3), Pfattheicher (3), Schmidt (3), von Deschwanden (2), Späth (1), Baumgarten (1), Röthlisberger, Schagen.

Spielverlauf: 2:2 (5.), 4:5 (18.), 4:9 (23.), 7:9 (28.), 8:10 (30.), 10:12 (33.), 11:16 (40.), 15:18 (47.), 19:22 (54.), 19:28 (60.).

Zeitstrafen: Asmuth (8.), Claus (11., 47.), Rønningen (19.), Emanuel (53.) – Schimmelbauer (1., 14.), Röthlisberger (5.), Späth (11., 37.), Häfner (43.), Bankstrafe (46.)

Siebenmeter: 5/6 – 2/4

Schiedsrichter: Jörg Loppaschewski / Nils Blümel (DHB Elite-Kader)
Zuschauer: 3700 (MHPArena Ludwigsburg, ausverkauft)