Ostfildern.| Der Quartiersentwicklungsprozess „Gutes Älterwerden in Nellingen“ hat mit dem Abschluss der Bürgertische eine wichtige Etappe erreicht. Im Herbst diskutiert der Gemeinderat die Ergebnisse.

Derzeit werden die Ergebnisse bewertet. „Wir haben Themen des neuen Älterwerdens beackert, Probleme erkannt, die das aktuelle Nellingen mitbringt, und Lösungen gefunden“ – so lautet das Fazit aus der mehrmonatigen Arbeit der Bürgertische beim Quartiersentwicklungsprozess in Nellingen. Erste Projekte stehen fest: Es soll eine „Zeitbank“ geben, es wird ein Verein gegründet zum Aufbau alternativer Wohnformen und das Interesse an einer Bürgerbaugenossenschaft ist sehr groß.

Als wichtige Etappe ordnete Oberbürgermeister Christof Bolay den Abend ein, denn mit der Bürgerbefragung schreitet die Quartiersentwicklung in Nellingen weiter voran. Mit ihrer Auswertung und Vorstellung der Ergebnisse im Gemeinderat wird sie im Herbst vorerst ihren Abschluss finden. Mit einem Rückblick auf die Arbeit an den Bürgertischen, an denen mehr als 90 Bürger – vor allem Frauen aus Nellingen über 60 Jahre – teilgenommen haben, führte Gabriele Beck von der Leitstelle für Ältere und bei der Stadt verantwortlich für die Quartiersentwicklung Nellingen in den Abend ein. Peter Stapelberg von der Bürgerstiftung, einer Partnerin der Stadt, moderierte.

Zusammen mit Monika Gee-Gerhards, Margret Class und Pamela Huss, die als neue Leiterin den Treffpunkt Nellingen für Quartiersthemen öffnen will, berichtete Inge Hafner, wie an ihrem Bürgertisch Nachbarschaft neu gedacht wurde. Vom Geben und Nehmen, von Anläufen in eher anonymen Nachbarschaften und davon, dass Durchhaltevermögen oft belohnt wird, hörten die anderen 90 Bürgertischler, die in den Saal des KuBinO gekommen waren.

Ein anderer Tisch entwickelte die Idee einer Zeitbank, getragen von Engagierten mit Unterstützung der Stadt. Renate Schaumburg stellte die Idee vor: Sie trifft im Einkaufsmarkt auf eine Gruppe von Frauen. Maria Sommer kauft dort für eine Zeitbankpartnerin ein und ist – ebenso über die Zeitbank – auf der Suche nach jemandem, der ihr einen schwäbischen Kartoffelsalat macht. Catherine Rothlübbers hatte per Zeitbank einen Fahrer zum Flughafen gesucht und hofft auch, eine versierte Strickerin zur Erklärung eines komplizierten Musters zu finden. Am Bürgertisch zum guten Leben und Wohnen wurde ein Wunschhaus gegen Einsamkeit im Alter entwickelt. Beate Radzey und Sven Fries berichteten, dass dort ein Kleinpflegeheim für Nellingen, ein Bürgerbus, mehr Sitzgelegenheiten im Stadtbild und eine Wohnungstauschbörse als Ziele herausgearbeitet wurden. Vertreter der Bürgerstiftung stellten alternative Wohnprojekte vor, die auf einem Grundstück in der Nellinger Kaiserstraße verwirklicht werden sollen. Viele Nellinger interessierten sich fürs gemeinsame Wohnen, für die Idee einer Bürgerbaugenossenschaft, die auch Wohnen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen ermöglichen soll.

Eine gedankliche Wegstrecke hat der Bürgertisch „Wohngemeinschaften als gute Alternative zum Pflegeheim“ unter der Moderation von Christina Kuhn zurückgelegt. Es wurden die Unterschiede zwischen Pflegeheim und ambulant betreuter Wohngemeinschaft herausgearbeitet. Die Gruppe fand Kriterien heraus, die eine ambulant betreute WG in Nellingen erfüllen muss, wie sie in der Esslinger Straße 18 entsteht.

Ein Verein soll gegründet werden, der Themen von Kostentransparenz und Infobörse bis Öffentlichkeitsarbeit weiter bearbeitet. Alles in allem war es ein inspirierender Abend – das sah auch der Oberbürgermeister so.