Foto: SG BBM

von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Nach dem turbulenten Trainerwechsel bei der SG BBM Bietigheim richten sich jetzt die Augen auf die Leistung auf dem Parkett. Am Sonntag (16 Uhr) kommt mit dem SC DHfK Leipzig eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel in die EgeTrans Arena.

Es sind die acht Heimspiele, in denen der Aufsteiger in der Rückrunde die Punkte für den Klassenerhalt einfahren will. Aber nicht nur Bietigheim will zur Aufholjagd in der Handball-Bundesliga blasen. Auch der letztjährige Tabellenachte aus Sachsens Metropole, der gegenwärtig auf Rang 15 rangiert, hat die Absicht verlorenes Terrain wettzumachen. In Bietigheim soll der erste Auswärtserfolg der Saison her.

Am Mittwoch hat Hannes Jón Jónsson in Bietigheim seine erste Trainingseinheit geleitet. Klar, dass der 38-jährige Isländer als Nachfolger des vor einer Woche freigestellten Ralf Bader da noch nicht allzu viele Stellschrauben verändern kann und will. „Ich werde das machen, was in drei Tagen möglich ist. Es wäre vermutlich fahrlässig, jetzt allzu viel verändern zu wollen“, sagt der dreifache Familienvater. Unterstützung erhält Jónsson in der Vorbereitung auf die Partie gegen Leipzig in erster Linie von Co-Trainer Christian Hörner, der auch schon unter Bader in die Analyse der Gegner eingebunden war. Jónsson hat aus der ersten Übungseinheit unter seiner Regie einen durchaus positiven Eindruck vom Team mitgenommen. „Die Stimmung ist gut, die Spieler sind fit und alle ziehen im Training mit“, so die erste Einschätzung des Neuen an der Seitenlinie. „Ich freue mich, diese Mannschaft zu leiten und Gas zu geben.“

Einen Trainerwechsel hat auch der SC DHfK Leipzig in dieser Saison schon hinter sich. Anfang Oktober trennte man sich von Michael Biegler, dessen Posten Co-Trainer André Haber übernahm. Haber hatte, während Biegler die deutsche Frauennationalmannschaft zur WM 2017 führte, das Team bereits hauptverantwortlich geleitet. In Leipzig wird immer wieder auf eine lange Verletztenliste verwiesen, wenn es um das unerwartet schlechte Abschneiden im bisherigen Saisonverlauf geht. „Das war ein sehr schwieriges Jahr, das hinter uns liegt. Wir hatten großes Pech, was Verletzungen und so weiter angeht. Wir haben sicherlich auch nicht alles richtig gemacht“, wird Karsten Günther zitiert. Den Trainerwechsel und die Trennung von Michael Biegler bezeichnet der Geschäftsführer der körperkulturellen Handballer dennoch als „notwendig“. Jetzt ginge es darum, eine positive Entwicklung einzuschlagen.

Mittlerweile sind die Reihen wieder aufgefüllt. Die beiden WM-Teilnehmer Franz Semper und Raul Santos sind genauso an Bord und verstärken die Offensive um Philipp Weber (99 Saisontore) und Niclas Pieczkowski, die beide zum erweiterten deutschen WM-Aufgebot zählten. Im Hinspiel konnten die Bietigheimer Handballer die Ausfälle von Spielern wie Maximilian Jahnke, Gregor Remke, Andreas Rojewski (alle wieder dabei) nicht zum eigenen Vorteil nutzen und unterlagen deutlich mit 24:31.

Am Sonntag will der Tabellenvorletzte in der EgeTrans Arena mit den eigenen Fans im Rücken für einen anderen Spielverlauf sorgen als Anfang September in Leipzig, als die SG BBM den Kontakt in den letzten zehn Minuten abreißen lassen musste. Für Maximilian Trost wird es der erste Auftritt in der Bietigheimer Heimarena werden. Der 23- jährige Neuzugang steht am Ende einer langen Leidenszeit nach seinem Kreuzbandriss vor fast einem Jahr vor seinem ersten Punktspieleinsatz. Der 2,02-Meter-Mann im linken Rückraum der SG BBM soll mit Bedacht ans Team herangeführt werden, im restlichen Saisonverlauf aber noch eine gewisse Rolle innerhalb der Mannschaft einnehmen. Wenn alles nach Plan verläuft, sollte am Sonntag auch Spielmacher Jonas Link wieder an Bord sein. Der 26-jährige Mittelmann, in vielen Partien der Dreh- und Angelpunkt in der Offensive des Aufsteigers, musste beim letzten Härtetest noch passen. Den Hohenlohe-Cup holten seine Mitspieler am vergangenen Samstag mit Siegen gegen Rimpar und Ludwigshafen dennoch nach Bietigheim.

„Wir müssen uns jetzt auf den Sonntag fokussieren. Zwei Punkte wären Gold wert“, bekräftigt Jónsson in guten Deutsch. Kein Zweifel: Der Isländer hat den Kampf um den Klassenerhalt vom ersten Tag an angenommen.