Ostfildern.| Die Planungen für das Baugebiet Ob der Halde in Scharnhausen nähern sich dem Abschluss. Am Montag hat die Verwaltung über den Stand der Dinge informiert und Fragen beantwortet.

Die Überlegungen, das Gebiet Ob der Halde am nördlichen Ortsrand von Scharnhausen für den Bau von Wohnungen zu entwickeln, reichen mehr als 30 Jahre zurück. Doch erst, nachdem der TSV Scharnhausen im Jahr 2013 seinen Vereinssitz in das Sportareal im Körschtal verlegt und die Stadt das Gelände der Sportanlagen an der Jahnstraße danach erworben hatte, konkretisierte sich das Vorhaben. Ein städtebaulicher Wettbewerb, zwei Bürgerinformationsveranstaltungen und eine Erweiterung des Plangebiets folgten. Im vergangenen November schließlich hat der Gemeinderat einen Bebauungsplanentwurf für das Gebiet beschlossen.

„Wir sind nun mitten im Verfahrensschritt der Bürgerbeteiligung bei diesem Vorhaben“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay am vergangenen Montag bei einer sehr gut besuchten Bürgerinformationsveranstaltung im Feuerwehrhaus in Scharnhausen. Neben Bolay stellten die Baubürgermeisterin Monika Bader, der Stadtplaner Karl-Josef Jansen und Stefan Rothe, Abteilungsleiter im Fachbereich 3 (Baurecht und Planung), den aktuellen Stand der Dinge vor. Wie Jansen erläuterte, sehen die Planungen den Bau von insgesamt rund 120 Wohnungen vor, die in Reihen- und Doppelhäusern sowie einigen bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern entstehen sollen. Die Planer sehen damit Wohnraum für etwa 250 Menschen in dem Gebiet. Zusätzlich kann ein Seniorenheim mit 40 bis 50 Pflegeplätzen entstehen, um dem dringenden Bedarf in der Stadt abzuhelfen. Angedockt an das Heim könnten einige Wohnungen für Betreutes Seniorenwohnen entstehen. „Wir wissen, dass wir mittelfristig ein Defizit an Plätzen haben, aber wir verfügen nur über wenig Flächen. Im Gebiet Ob der Halde wäre ein solches Projekt möglich“, erklärte Jansen.

Rund 250 zusätzliche Bewohner bringen entsprechend zusätzlichen Verkehr in das Gebiet, für die Versorgung des Pflegeheims muss zudem mit einigen Fahrten kleiner Transporter gerechnet werden. Bereits in der Bürgerinformationsveranstaltung im Jahr 2017 hatten einige Anwohner Bedenken geäußert, dass die Jahnstraße als einzige Erschließungsstraße für das Gebiet künftig nicht ausreicht und das Einbiegen in die stark befahrene Nellinger Straße mit unverhältnismäßig langen Wartezeiten verbunden sein könnte. Dazu hatten Bürger eine zusätzliche Anbindung des Gebiets über die Ostlandstraße oder die Philipp-Matthäus- Hahn-Straße sowie den Bau einer neuen Straße am Nordrand des Gebiets angeregt.

Wie Bolay und Jansen erläuterten, wurden die Vorschläge eingehend geprüft. Nach den Untersuchungen scheiden die ersten beiden Möglichkeiten wegen technischer und topografischer Probleme aus. „Planungen für eine neue Straße im Norden sind schon in den 90er-Jahren vom Landratsamt aus Naturschutzgründen abgelehnt worden. Zudem könnten wir dort nicht einfach bauen, da uns dort fast keine Grundstücke gehören“, sagte Bolay.

Zur Wartezeit an der Einmündung der Jahnstraße in die Nellinger Straße hatte die Verwaltung eine Videoanalyse über einen Zeitraum von 24 Stunden anfertigen lassen. Demnach betrug die längste Wartezeit im Hauptverkehr 40 Sekunden, was nach den Vorschriften nicht ausreicht, um dort eine Ampelanlage genehmigt zu bekommen. Dafür sei eine durchschnittliche Wartezeit von 45 Sekunden nötig, erläuterte Bolay. Auch mit den zusätzlichen Pkw im neuen Wohngebiet würde dies nicht erreicht werden. „Sollten wir aber mit unserer Prognose falsch liegen, kann über eine Ampelanlage an der Einmündung nachgedacht werden“, sagte Bolay.

Zum weiteren Zeitplan merkte Jansen an, dass der Bebauungsplan bis in zwei Monaten beschlossen sein könnte. Danach stehe das erste Baufeld zur Erschließung an. In der Folge sollen weitere Felder abschnittsweise folgen und vermarktet werden. Der Baustart könnte dann ab dem Jahr 2022 folgen.