Gemeinsam die Weichen für die Zukunft der Stadt stellen

Sindelfingen.| Stadtverwaltung und Gemeinderat haben in einer gemeinsamen Klausurtagung über wichtige strategische Sindelfinger Themen beraten. Auf der Agenda standen die Wirtschaftsflächenstrategie, der aktuelle Sachstand des „Handlungsprogramms Wohnen 2025“, die Feuerwehrbedarfsplanung und eine Teilnahme der Stadt an der Internationalen Bauausstellung IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Die Beratungen waren erste Grundlage für eine zukünftige Befassung der Gremien mit den Themen.

„Gemeinsam mit dem Gemeinderat konnten wir Strategien für wichtige Zukunftsthemen zur Entwicklung des Standorts Sindelfingen diskutieren“, so Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer über die zweitägige Klausurtagung von Verwaltung und Gemeinderat.

Wirtschaftsflächenstrategie
Erster Punkt auf der Agenda war das Thema Gewerbeflächen. Sindelfingen als attraktiver Wirtschaftsstandort erfährt eine konstant hohe Nachfrage von Investoren und Projektentwicklern. Wirtschaftsflächen in städtischem Eigentum, die erweiterungs- und ansiedlungsinteressierten Unternehmen angeboten werden können, sind knapp. Auch das Flugfeld ist nahezu vollständig aufgesiedelt. Gemeinsam mit der Prognos AG haben Verwaltung und Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH daher in den vergangenen Monaten die Basis für eine weiterhin positive Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Sindelfingen geschaffen.

„Die Verfügbarkeit von attraktiven Gewerbeflächen ist Grundvoraussetzung, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben“, so Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer „Ziel der Wirtschaftsflächenstrategie ist es, die städtische Flächenpolitik aktiv steuern zu können und wirtschaftliche Potenziale bestmöglich zu nutzen“.

Sascha Dorday, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH ergänzt: „Das Ergebnis zeigt, das Angebot ist begrenzt, wir haben Handlungsbedarf.“

Auf Basis einer Trendexploration und einer Gewerbe-und Industrieflächen-Bedarfs-Prognose hat die Prognos AG dieser Zahl den zu erwartenden Gewerbeflächenbedarf gegenübergestellt, den die Berater bis 2035 auf zwischen 48 und 66 ha prognostizieren. „Wir haben Entwicklungs- flächenpotenziale geprüft und wollen entsprechende Flächen aktivieren – mit Maß und Ziel“, so Dorday weiter.

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer erläutert: „Mit einem moderaten Wachstum durch die Innen- und Außenentwicklung neuer Flächen wollen wir langfristig den Gewerbeflächenbedarf in Sindelfingen sichern. Wir möchten damit auch sicherstellen, dass unser örtlicher Mittelstand dem Standort Sindelfingen treu bleiben kann, wenn er sich weiterentwickelt.“

Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung haben im Rahmen der Klausur dem Gremium erste Vorschläge zu Leitlinien und Maßnahmen vorgelegt. Die Stadt empfiehlt unter anderem Bauverpflichtungen in zukünftigen Kaufverträgen und den Flächenerwerb strategisch relevanter Grundstücke durch die Stadt. Bestandsgebiete sollen gebietsspezifisch weiterentwickelt und neue Entwicklungsflächen im Außenbereich auf ihre Realisierung hin geprüft werden.

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer zu konkreten Projekten: „Im Bereich Tübinger Allee möchten wir vorhandene Brachflächen besser nutzen. Im ersten Schritt wird hierzu der Rahmenplan von 2014 fortgeschrieben, ein Bebauungsplanverfahren ist bereits eingeleitet. Darüber hinaus wollen wir ein neues Gewerbe- und Industriegebiet im Gewann Holder/Seiler entwickeln. Hier sollen auf rund 36ha Wirtschaftsflächen entstehen.“

Sachstand des „Handlungsprogramms Wohnen 2025“
Eine positive Wirtschaftslage mit entsprechendem Arbeitsmarkt wirkt sich auch auf den Wohnungsmarkt in Sindelfingen aus. Eine geringe Leerstandsquote und knappe Bauflächen beeinflussen die Preise, der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist groß. Aufgrund dessen hat der Gemeinderat der Stadt Sindelfingen im April 2017 das Sindelfinger 10-Punkte-Programm zum Wohnungsbau und das Handlungsprogramm Wohnen 2025 beschlossen. Im Rahmen der Klausurtagung wurde der aktuelle Sachstand des Projekts erläutert.

„Auch im Bereich Wohnungsbau setzen wir auf ein moderates Innen- und Außenwachstum. Sindelfingen soll auch zukünftig für alle Bevölkerungsgruppen über attraktiven Wohnraum verfügen. Wichtig ist hierbei ein organisches Wachstum, bei dem auch die Infrastruktur entsprechend mitwachsen muss“, fasst Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer das Projekt zusammen. „Mit dem Spatenstich für Allmendäcker II konnten wir dieses Frühjahr einen weiteren Meilenstein im Programm erreichen.“

Mit Beschluss vom Mai 2018 erstellt die Stadt derzeit eine Wohnraumbedarfsprognose, die 2019 in den Gremien behandelt werden soll. Als neue Maßnahme ist die Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels gemeinsam mit der Stadt Böblingen hinzugekommen. Auch der 2017 vereinbarte „Sindelfinger Wohndialog“ schreitet voran. „In einem ersten Fachgespräch haben wir uns dieses Jahr mit zahlreichen relevanten Akteuren über die Zukunft des Wohnens in Sindelfingen ausgetauscht, weitere Veranstaltungen sollen folgen“, so Bürgermeisterin Dr. Corinna Clemens.

Neben dem Fortschreiten von Entwicklungsmaßnahmen wie Allmendäcker II beschäftigt sich die Stadtverwaltung auch mit der Realisierung weiterer möglicher Wohnbauflächenpotenziale.

Ein Schwerpunkt hierbei ist die Prüfung einer Entwicklung der Fläche Sindelfingen West. Hier könnte auf rund 30 ha ein Wohngebiet für ca. 2.500 Einwohnerinnen und Einwohner entstehen. Damit wird Punkt 9 des10-Punkte-Programms zum Wohnungsbau Rechnung getragen, der lautet: „Bei fortschreitender Realisierung der vorgenannten Maßnahmen werden die im Flächen- nutzungsplan zur Siedlungserweiterung vorgesehenen Flächen im Hinblick auf ihre Aktivierbarkeit und die erforderliche Infrastruktur geprüft.“

„Der Bereich Sindelfingen West ist im Regionalplan als Wohnungsbauschwerpunkt ausgewiesen. Wir möchten hier in Abschnitten ein neues Wohngebiet entwickeln. Wichtig ist, dass parallel die entsprechende Infrastruktur für ein solches Gebiet entsteht“, erläutert Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer die Planungen.

Ein Punkt, mit dem sich Verwaltung und Gemeinderat besonders auseinandergesetzt haben, ist die Preisentwicklung im Bereich Wohnungsbau, die insbesondere Bürgerinnen und Bürgern mit niedrigem und mittlerem Einkommen die Wohnraumsuche zunehmend erschwert.

„Neben konkreten Flächenentwicklungen arbeiten wir insbesondere an einer zielgruppenspezifischen Wohnraumversorgung. Hierfür haben wir dem Gemeinderat einen ersten Vorschlag für ein Sindelfinger Modell für eine Quote für Sozialmietwohnungen und preisgünstige Eigentumswohnungen vorgestellt. Denn Sindelfingen soll auch zukünftig für alle Bevölkerungsgruppen ein attraktiver Wohnort bleiben.“

Bürgermeisterin Dr. Corinna Clemens ergänzt: „Unser Vorschlag für eine Quote sieht vor, dass zukünftig bei der Schaffung von zusätzlichem Planungsrecht oder dem Verkauf städtischer Grundstücke für Geschosswohnungsbau in Bestandsgebieten ein bestimmter Anteil der neuen Wohneinheiten als Sozialmietwohnungen oder preisgünstige Eigentumswohnungen entstehen soll. Wir möchten diese Grundlinie jeweils im Einzelfall für die konkreten Gebiete bzw. Projekte beschließen, Baugrundstücke für Einzel-/Doppel- oder Reihenhäuser möchten wir davon aus- nehmen. Im Dezember wollen wir Zwischenbericht und Sindelfinger Modell in die Gremien ein- bringen, erste Signale der Gremienvertreter waren positiv.“

Feuerwehrbedarfsplanung
2013 hat der Sindelfinger Gemeinderat eine umfassende Strukturuntersuchung der Sindelfinger Feuerwehr beschlossen. Die Ergebnisse und Empfehlungen wurden nun in einer Feuerwehrbedarfsplanung Sindelfingen zusammengefasst, der der Feuerwehrausschuss bereits zugestimmt hat.

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer fasst das Ergebnis zusammen: „Die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger muss jederzeit gewährleistet sein. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Feuerwehr auch in Zukunft dieser Aufgabe gerecht werden kann.“ Eine große Herausforderung hierbei ist die geringer werdende Zahl ehrenamtlicher Kräfte werktags tagsüber. „So viel Ehrenamt wie möglich, so viel Hauptamt wie nötig, lautet unser Leitmotiv. Wir verfügen in Sindelfingen glücklicherweise über ein außerordentlich engagiertes Ehrenamt und möchten auch zukünftig die ehrenamtliche Struktur der Feuerwehr erhalten. Dennoch bedarf es insbesondere in der Tagesverfügbarkeit, auch aufgrund der heutigen Anforderungen in der Berufswelt, vermehrt hauptamtlicher Kräfte, um das Ehrenamt tagsüber zu entlasten und so langfristig zu stärken und zu erhalten.“ Insgesamt bedarf es 16 hauptamtlicher Stellen im Einsatzdienst. 2013 waren sieben Hauptamtliche im Einsatz, seitdem wurden sechs weitere Stellen neu geschaffen und besetzt. Zudem soll es zukünftig einen hauptamtlichen Feuerwehrkommandanten geben.

Neben den personellen Faktoren wurde auch über die Standorte beraten. Hierbei sind insbesondere bauliche Anpassungen notwendig, die Standorte Sindelfingen, Darmsheim und Maichingen werden derzeit als ausreichend angesehen. Durch Optimierungen in der Aufbau- und Ablauforganisation wie z.B. der Einrichtung von Organisationseinheiten kann die gegenseitige Unterstützung der Mitarbeiter weiter optimiert werden. Wolfgang Finkbeiner, Leiter des Amts für Feuerwehr und Bevölkerungsschutz hebt einen weiteren Punkt in der Planung hervor: „Ein langfristiges Fahrzeugkonzept ist eine wichtige Basis für unsere tägliche Arbeit, wird so doch sichergestellt, dass wir auf das notwendige Equipment zugreifen können.“

IBA 2027
Genau ein Jahrhundert nach der Bauausstellung 1927 in der heute weltbekannten Stuttgarter Weißenhofsiedlung wird 2027 erneut eine Internationale Bauausstellung in der Region Stuttgart stattfinden. Zentrale Frage der Ausstellung wird sein: Wie leben, wohnen und arbeiten wir im digitalen und globalen Zeitalter?

Der Gemeinderat der Stadt Sindelfingen hat bereits im Juli seine Zustimmung zu einer Teilnahme der Stadt gegeben, im Frühjahr 2019 möchte die Stadt ein Sindelfinger IBA-Projekt anmelden.

„Mit der Beteiligung Sindelfingens an der IBA 2027 setzt die Stadt Sindelfingen die Arbeit an der Lösung aktueller Herausforderungen der Stadtentwicklung, insbesondere in den Bereichen Wohnen und Gewerbe, konsequent fort. Eine Beteiligung an der IBA 2027 bietet aus städtebaulicher Sicht große Chancen für Sindelfingen“, so Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer. „Im weiteren Prozess zur Findung eines geeigneten Projekts möchten wir die Bürgerinnen und Bürger einbinden.“

„Wir möchten mit einem entsprechenden Projekt das Stadtgebiet gezielt weiterentwickeln und uns auch in der Region noch stärker positionieren.“, betont Michael Paak, Abteilungsleiter des Bereichs Stadtplanung. „Die Projekte erfahren durch den Austausch mit anderen Beteiligten der IBA 2027 neue Impulse. So entsteht ein inhaltlicher und qualitativer Mehrwert, der Antworten darauf geben kann, wie wir das Zusammenleben in einem urbanen Raum zukünftig gestalten möchten“, ergänzt Bürgermeisterin Dr. Corinna Clemens.

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer blickt auf zwei erfolgreiche Klausurtage zurück: „Mein Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen des Hauses, die in den letzten Monaten eine engagierte Vorarbeit in den Projekten geleistet haben. Gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats konnten wir nun in strategisch wichtigen Bereichen vorankommen. Ich freue mich über die grundsätzliche Zustimmung zu den geplanten Vorgehensweisen in den Themenbereichen, nun gilt es in den Gremien durch Beschlüsse die weiteren Schritte einzuleiten.“