Bild: Freuen sich über die gelungene Arbeit und halten als Erinnerung ein Teilstück von einem alten Stahlträger der Wagenhallen in Händen (von links): Stefan Mell- mann, Geschäftsführer des Kulturbetriebs Wagenhallen, Peter Holzer, Amtsleiter des städtischen Hochbauamts, Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Professor Eberhard Schlag, Partner im Atelier Brückner, Robin Bischoff, Vorstandsvorsitzender des Kunstvereins Wagenhalle, und Leonardo Anastassiades, Geschäftsführer der Tanz- schule Tango Ocho. | Foto: Ferdinando Iannone/LHS Stuttgart
OB Kuhn: „Wagenhallen haben qualitativ und quantitativ hinzugewonnen“

Stuttgart.| Das Veranstaltungs- und Kulturzentrum Wagenhallen ist am Freitag, 19. Oktober, offiziell wiedereröffnet worden – nach 21-monatiger Bauzeit. Bei der Feier am Abend sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn vor rund 300 Gästen: „Die Wagenhallen zu sanieren, hat sich gelohnt. Die Befürchtungen waren vor drei Jahren groß. Hätten Stadt und Gemeinderat die Aktion nicht gewagt, hätten die Wagenhallen für immer schließen müssen. Keine der Befürchtungen hat sich bewahrheitet: Wir haben sowohl Zeitplan als auch Budget eingehalten und die Künstler können ihre Ateliers Mitte nächsten Jahres wieder beziehen.“

Das Konzept für Sanierung und Umbau der ehemaligen Lokomotiv-Remise hatte das Stuttgarter Architekturbüro Atelier Brückner entwickelt und gemeinsam mit dem städtischen Hochbauamt umgesetzt. Die Herausforderung bestand darin, den ursprünglichen Charme zu bewahren und das Gebäude gleichzeitig zu modernisieren. OB Kuhn lobte die Arbeit: „Mit den neuen alten Wagenhallen ist etwas ganz Besonderes geschaffen worden: Visuell, räumlich und haptisch erinnert Vieles an die alten Wagenhallen und gleichzeitig kam etwas Neues dazu. Damit sind die Wagenhallen qualitativ auf eine neue Stufe gehoben worden. Und auch quantitativ haben sie hinzugewonnen: Früher passten hier maximal 800 Personen rein, heute sind es 2100.“

Bei der Eröffnungsfeier sprach neben dem OB auch Professor Eberhard Schlag, Partner im Atelier Brückner, ein Grußwort: „Die Wagenhallen sind ein unverzichtbarer Teil der Kulturhauptstadt Stuttgart. Unser erklärtes Ziel war es von Anfang an, dass alles danach so aussieht wie davor. Wir wollten den Geist des Ortes erhalten. Heute können wir mit Stolz sagen, dass uns das gelungen ist. Die Wagenhallen haben nichts von ihrem Charme eingebüßt.“ Anschließend schnitten die beiden Redner ein Band durch und übergaben damit das Gebäude offiziell seiner Bestimmung. Bei einer folgenden Gesprächsrunde würdigten Stefan Mellmann, Geschäftsführer des Kulturbetriebs Wagenhallen, Robin Bischoff, Vorstandsvorsitzender des Kunstvereins Wagenhalle, Sylvia Winkler, Vorstandsmitglied des Kunstvereins Wagenhalle, und Leonardo Anastassiades, Geschäftsführer der Tanzschule Tango Ocho, die Wiedereröffnung der Wagenhallen. Der Akkordeonspieler Sergej Riasanow sorgte für Musik, die Tanzschule Tango Ocho präsentierte eine Tanzeinlage.

OB Kuhn hatte am Dienstag, 16. Oktober, bekannt gegeben, dass das Baufeld C1 an den Wagenhallen als ein denkbarer Standort für eine Oper-Interimsspielstätte infrage kommt. An den Wagenhallen wäre theoretisch ein Gesamtstandort möglich, an dem sowohl Spielstätte als auch Produktionsstätte untergebracht werden können. Bei der Eröffnungsfeier der Wagenhallen betonte er nochmals die Eignung des Areals: „Mit dem Opern-Interim könnte hier ein spannendes, kulturelles Quartier entstehen. Es könnte ein Ort der Begegnung werden – mit allen Formen und Spielarten von Kunst und Kultur.“

Von der Bahn-Werkstatt zur Künstler-Hochburg
Auf dem Wagenhallen-Gelände werden künftig wieder die ursprünglich ansässigen drei Hauptnutzer ihren Betrieb aufnehmen: Der Kulturbetrieb Wagenhallen mit großem und kleinem Veranstaltungsraum sowie Biergarten (4.000 Quadratmeter, ca. 30 Prozent der Fläche), der Kunstverein Wagenhalle mit Ausstellungs- und Veranstaltungsraum sowie separatem Neubau mit Künstlerateliers (9.500 Quadratmeter, ca. 60 Prozent der Fläche) und die Tanzschule Tango Ocho (450 Quadratmeter, ca. 10 Prozent der Fläche). Der Kulturbetrieb Wagenhallen nimmt bereits im Oktober wieder seinen Betrieb auf. Die Atelierhalle und die Tanzschule werden im Anschluss fertiggestellt, so dass die rund 90 Künstler des Kunstvereins Wagenhalle ab dem Jahreswechsel mit dem Einbau und der Einrichtung ihrer Ateliers beginnen können.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts dienten die Wagenhallen als Bahn-Werkstatt. Über ein Jahrhundert wurden dort Lokomotiven und danach Busse gewartet. Nachdem die Bahn die Nutzung aufgab, erwarb die Stadt die Wagenhallen im Jahr 2003. Bis 2016 wurden sie von der lokalen Kulturszene genutzt. Da Statik, Schall- und Brandschutz nicht mehr den aktuellen Vorgaben entsprachen und aus genehmigungsrechtlichen Gründen den Fortbestand der Nutzung gefährdeten, beschloss der Gemeinderat 2016 mit breiter Mehrheit die Sanierung der Wagenhallen. Im Januar 2017 gab OB Kuhn mit dem ersten Baggerbiss das Startsignal. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf rund 30 Millionen Euro. Der Bund förderte davon mit 12,4 Millionen Euro die energetische Sanierung der Gebäude. Auch die Nutzer leisten ihren Beitrag beim Ausbau und bei der Einrichtung ihrer Flächen.