Ostfildern.| Die Zahl der Straftaten ist in Ostfildern im Jahr 2016 leicht angestiegen. Im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis hat die Stadt aber eine niedrige Kriminalitätsrate.

Thomas Pitzinger, der Leiter des Polizeireviers Filderstadt, und Jens-Heiko Munch, der Chef des Polizeipostens in Ostfildern, haben im Gemeinderat den Sicherheitsbericht für das Jahr 2016 vorgestellt. In Ostfildern sind im vergangenen Jahr 1.698 Straftaten erfasst worden, 390 mehr als noch im Jahr zuvor. „Das ist der Höchststand bisher“, sagte Pitzinger. Er benannte zwei Gründe dafür: Die Statistik wurde in die Höhe getrieben, indem ein reger Internethandel mit verbotenen Gegenständen – vor allem Messer – aufgeklärt wurde. Zudem wurden deutlich mehr Verstöße gegen das Asylverfahrens- und Aufenthaltsgesetz registriert. „Das macht den Großteil der Steigerungsrate aus“, sagte Pitzinger. Inzwischen konnten 1.025 Straftaten aufgeklärt werden, dabei wurden 781 Tatverdächtige ermittelt. Im Vergleich zu vier anderen Großen Kreisstädten im Landkreis (ohne Esslingen) hat Ostfildern trotz des Anstiegs eine niedrige Kriminalitätsrate. Ostfildern kann im Vergleich zudem die höchste Aufklärungsquote vorweisen.

Pitzinger machte bei der Vorstellung der Statistik darauf aufmerksam, dass diese immer vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung und von den Schwerpunkten polizeilicher Kriminalitätsbekämpfung abhänge. Zudem würden beim Sicherheitsbericht keine Aussagen darüber getroffen, ob die Tatverdächtigen verurteilt worden sind oder eine Haftstrafe verbüßen. „Auch Verkehrsdelikte und Ordnungswidrigkeiten werden darin nicht erfasst.“

Jens-Heiko Munch erläuterte die einzelnen Delikte. Die Polizei musste im vergangenen Jahr zwei so genannte Straftaten gegen das Leben registrieren. In einem Fall hat ein Angestellter seinen Chef mit einem Messer angegriffen. Der Mann wurde inzwischen zu vier Jahren Haft verurteilt. In einem weiteren Fall konnte eine Frau „sehr glaubhaft versichern, dass ihr Mann einen Mord an ihr in Auftrag gegeben hatte“, berichtete Munch. In neun Fällen kam es zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. In sieben Fällen davon ging es um Internetpornografie mit der Verbreitung oder dem Besitz verbotener Bilder. In zwei Fällen handelte es sich um Exhibitionisten, die Täter wurden gefasst.

Die Zahl der so genannten Rohheitsdelikte stieg von 190 auf 248 an. Dazu zählt auch die gefährliche und einfache Körperverletzung. „Wir müssen feststellen, dass nun die Flüchtlinge in den Statistiken angekommen sind“, sagte Munch dazu. Die Polizei hege aber die Hoffnung, dass diese Fallzahl wieder zurückgehen werde. „Schon jetzt sind ja Unterkünfte mit einer teils prekären Situation geschlossen.“ Beim Raub, der ebenfalls in den Bereich der Rohheitsdelikte fällt, musste die Polizei sieben Fälle registrieren. „Ein spektakulärer Fall war dabei der Raub im Bonusmarkt in Ruit“, berichtete Munch. Der Täter verbüßt eine fünfjährige Haftstrafe.

Nahezu wöchentlich würden bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten Betrügereien auf Versteigerungsplattformen im Internet angezeigt. Dazu kam im vergangenen Jahr ein Fall der Untreue in größerem Ausmaß. Bei den Waffendelikten hat der aufgedeckte Internethandel mit verbotenen Messern die Fallzahlen in die Höhe getrieben. Auch die Zahl der Diebstähle stieg im vergangenen Jahr, vor allem die der Ladendiebstähle. „Die Steigerung liegt vermutlich darin, dass die Ladengeschäfte nun mehr in die Sicherheit investieren und dadurch mehr Fälle aufgedeckt werden können“, sagte Pitzinger.

Bei den schweren Diebstählen konnte die Polizei einen Fall lösen, bei dem sich ein junger Mann auf den Diebstahl von Baumaschinen spezialisiert hatte. Bei den Wohnungseinbrüchen stieg die Zahl von 42 auf 48 an. „Entgegen dem landesweiten Trend nahm diese Zahl in Ostfildern zu“, sagte Munch. Der Erfolg liege aber darin, dass es beim Großteil der Fälle beim Versuch geblieben sei, „die Einbrecher kamen nicht in die Wohnung.“ Die Polizei biete weiterhin eine kostenlose Beratung zum Schutz vor Einbruch an.

Information und Beratung zum Einbruchschutz gibt die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle unter Telefon 07121 942-1202, Internet: www.polizei-beratung.de