von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Das Schwaben-Derby in der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem TV 1893 Neuhausen/Erms und der SG BBM Bietigheim steht am heutigen Freitag (20 Uhr, Hofbühlhalle Metzingen-Neuhausen) unter besonderen Vorzeichen. Die Gastgeber stecken auf dem vorletzten Tabellenplatz in heftigen Abstiegsturbulenzen, während die Bietigheimer Handballer seit Wochen schon hartnäckig ihren dritten Tabellenplatz verteidigen.

Vom Papier her kennt die Partie einen klaren Favoriten. Würde nur nicht die ausgeglichene Liga ständig verrückte Ergebnisse produzieren. Und wären da nicht die Besonderheiten eines Lokalderbys, die solche Gesetzmäßigkeiten mit schöner Regelmäßigkeit außer Kraft setzen können. Dennoch geht der Tabellendritte als leichter Favorit ins Lokalderby. Neuhausen hat in den letzten 17 Begegnungen nur einmal als Sieger das Feld verlassen können.

Wer Bietigheims Coach Hartmut Mayerhoffer kennt, der weiß, dass ihm solche Diskussionen um die Favoritenrolle gar nicht schmecken. Deshalb war in dieser Woche wie bereits die gesamte Saison über nur die akribische Vorbereitung auf den nächsten Gegner ein Thema. Mayerhoffer wird in Neuhausen auf denselben Kader setzen können wie im letzten Spiel. Christian Schäfer und Jonathan Scholz, gegen Friesenheim nur auf der Bank, dürften wieder stärker belastbar sein. Dagegen muss Mayerhoffer sich für den verletzten Valentin Schmidt auf der Rückraum-Mittelposition weiterhin Alternativen einfallen lassen.

Maßstab für die heutige Partie ist vielmehr die Begegnung in der Hinrunde, als das schwäbische Lokalderby 45 Minuten lang absolut auf Augenhöhe abgelaufen ist. „Das Spiel in der Viadukthalle war ungewöhnlich“, erinnert sich Jan Döll. „Wir haben anfangs nichts auf die Reihe bekommen und uns erst in den letzten 15 Minuten absetzen können.“ Der Bietigheimer Rechtsaußen, im Hinspiel fünfmal erfolgreich, wurde nach seinen 8 Toren beim jüngsten 31:31 gegen die TSG Friesenheim zum dritten Mal in dieser Saison mit der Wahl in die Mannschaft des Spieltages belohnt. Man will auf der Hut sein vor einem angezählten TV Neuhausen.

Die Metzinger Stadtteilmannschaft scheint indes ungebremst in Richtung 3. Liga zu stürzen. Nach dem Rücktritt des Trainers und sportlichen Leiters Aleksandar Stevic vor drei Wochen leitete zunächst Trainerlegende Kurt Reusch interimsweise in Hamm die Geschicke von der Bank aus. Bis zum Saisonende wird jetzt Alexander Job als Kommandogeber fungieren, der vor einigen Jahren noch als Trainer des Metzinger Frauenteams im Rampenlicht stand. Job hat allerdings für die nächste Saison beim Oberligisten SG H2Ku Herrenberg zugesagt, er wird bei den Ermstälern ebenfalls eine Interimslösung bleiben. In den drei Partien unter Reusch und Job wollte der ersehnte Befreiungsschlag noch nicht gelingen.

Bietigheims Jan Döll kann sich noch genau an die spannungsgeladene Atmosphäre in der Neuhäuser Hofbühlhalle erinnern, als die SG BBM in der Vorsaison einen knappen 31.30-Erfolg feiern konnte „Da hat die Hütte gebrannt, das könnte diesmal ähnlich werden“, ist der 23-Jährige sich sicher. Ein Sieg allerdings, würde in den Augen von Döll Sicherheit für die kommenden Partien bringen, wenn es gegen Essen, Rostock und Hamm geht, allesamt Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel. „Ich bin überzeugt, dass wir auf jeder Position breiter aufgestellt sind als diese Teams. Wir müssen das aber auch auf dem Feld zeigen.“

Auch vom Bietigheimer Rechtsaußen gibt es vor dem heutigen Spiel kein Statement zum dritten Tabellenplatz. Der zähe Kampf der SG BBM um eine Spitzenposition scheint jedoch langsam aber sicher das Handballpublikum in Bietigheim-Bissingen und Umgebung in seinen Bann zu ziehen. Das Spitzenspiel gegen Friesenheim verfolgte eine nahezu ausverkaufte Viadukthalle. Und zur Partie in der Neuhäuser Hofbühlhalle haben sich bereits zahlreiche Unterstützer angemeldet.