Erster Heimerfolg in der Rückrunde gegen den Wilhelmshavener HV

von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Durch einen 26:25 (13:13)-Erfolg gegen den Wilhelmshavener HV festigt die SG BBM Bietigheim ihren dritten Tabellenplatz in der 2. Handball-Bundesliga. Bis zur Schlusssekunde durfte am Samstag in der Viadukthalle um den Sieg gezittert werden.

Das Déjà-vu
„Gefallen hat mir nur der Fakt, dass wir zwei Punkte geholt haben“; sagt der siebenfache Torschütze Robin Haller. „Ich weiß auch nicht warum, aber wir schaffen es in unseren Heimspielen nicht, den Sack frühzeitig zuzumachen.“ Deutliche Führungen wie beim 13:10 (25.) oder beim 21:18 (45.) sind nicht von Dauer. Mit vier Toren lag der geduldig spielenden Tabellendritte beim 26:22 sechs Minuten vor dem Ende vorne. Dennoch wurde es nochmals spannend bis zur Schlusssekunde. „Unser Sieg war hochverdient, weil wir in der zweiten Hälfte immer in Führung lagen“, bemerkte SG BBM-Trainer Hartmut Mayerhoffer.

Die Schussphase
Als er drei Minuten vor dem Ende beim Stand von 26:24 seine letzte Auszeit nimmt, ahnt der Bietigheimer Trainer wohl, dass es noch eine ganz enge Kiste werden wird. Sein Team erzielt in den letzten Minuten kein Tor mehr. Abwehrschlacht. „Wir sind mit 4 vorne und nehmen uns einige ungünstige Würfe“, sagt Mayerhoffer. „Aber die Mannschaft hat nochmal überragend gekämpft und alles reingeworfen.“ Erst als Aron Edvardsson den letzten Wurf der Gäste pariert und die letzte Wilhelmshavener Aktion – unter heftigem Protest der Spieler des WHV – abgepfiffen wird, steht der Sieg fest.

Die SG BBM Bietigheim
„Wir sind nicht in unser Tempospiel gekommen, das hat Wilhelmshaven gut gemacht“, sagt Robin Haller. Die SG BBM ist dennoch über das gesamte Spiel geduldig geblieben und hat ihre Chancen im Positionsspiel meist über die zentralen Rückraumpositionen und das Kreisspiel gefunden. Dank der Übersicht von Haller, Barthe, Babarskas & Co. Dank der Siebenmetermaschine Christian Schäfer (6 von 6) und der starken Aktionen des angeschlagenen Patrick Rentschler und von Kapitän Julius Emrich am Kreis. 25 Gegentreffer sind am Ende eine ordentliche Bilanz der Hintermannschaft. „Wir hatten das gefährliche Tempospiel von Wilhelmshaven gut im Griff“, sagt Mayerhoffer, „aber bei den langen Angriffen von Wilhelmshaven waren wir nicht immer bis zum Ende aufmerksam.“

Der Wilhelmshavener HV
„Wir hätten heute einen Punkt verdient gehabt“, sagen Wilhelmshavens bester Werfer Kay Smits (8/3) und sein Trainer unisono. Christian Köhrmann: „Wir haben uns vorgenommen, eine kompakte Abwehr zu stellen, diszipliniert und lange zu spielen und mit einem guten Rückzug. Das war heute das A und O. Leider fehlt uns im Rückraum die Durchschlagskraft.“ Unter anderem müssen die Jadestädter den Ausfall von Top-Werfer Rene Drechsler kompensieren. Für Matej Kozul war nach der dritten Zeitstrafe in der 38. Minute Dienstende. Dafür stellte Neuzugang Duncan Postel am Kreis die Abwehr der SG BBM vor Aufgaben. Auch das asynchrone Spiel ging an Wilhelmshaven, das aus Unterzahl- und Überzahlsituationen meist als Sieger hervorging. Die Männer von der Nordsee zeigen, warum sie zuletzt 16:4 Punkte geholt hatten.

Der Rookie
Davon träumt wohl jeder Handballer. Erster Heimspiel-Einsatz im Zweitligateam, erster Ballkontakt, Tor. So erging es am Samstag Jan Asmuth auf Seiten der SG BBM nach seiner Einwechslung in der 2. Halbzeit.

Die Zuschauer
987 in der Viadukthalle. Könnten etwas mehr sein bei einem Spiel eines Tabellendritten. „Dass wir noch immer auf dem dritten Platz stehen, verdient höchste Anerkennung“, sagt Mayerhoffer. „Man kann nur den Hut ziehen vor dem, was die Mannschaft Woche für Woche leistet.“ Doch die Stimmung auf den Rängen passte und in den kritischen letzten Minuten gab es stehend Unterstützung, was die Klatschpappen hergaben. Die Fans spüren, wann sie gefordert sind. In zwei Wochen kommt die TSG Friesenheim zum Spitzenspiel in die Viadukthalle. Prognose: Volles Haus gegen den „Lokalrivalen“ aus der Rheinpfalz.

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Ebner; Schäfer (8/6), Haller (7), Rentschler (4), Babarskas (3), Barthe (3), Asmuth (1), Scholz, Emanuel, Schmidt, Emrich, Döll.

Wilhelmshavener HV: Weiner, Bokesch; Smits (8/3), Postel (4), Mertens (3), Kalafut (3), Vorontsov (3), Kozul (2), Schwolow (2), Maas, S. Köhler, Schweigart.

Spielverlauf: 5:3 (12.), 10:8 (21.), 13:10 (25.), 13:13 (29.), 16:16 (39.), 21:18 (45.), 25:21 (53.), 26:22 (54.), 26:25 (58.)

Zeitstrafen: Haller (26.), Emanuel (28.), Babarskas (55.) – Kalafut (12.), Vorontsov (16., 54.), Kozul (22., 32., 38.), Köhler (54.)

Siebenmeter: 6/6 – 3/3
Zuschauer: 987 (Viadukthalle Bietigheim)
Schiedsrichter: Thomas Kern (Bellheim) / Thorsten Kuschel (Hagenbach)