Laut einer Reportage, die auf WELT Online veröffentlicht wurde, ist Cannabis heutzutage vor allem unter Senioren weit verbreitet! Das liegt nicht zuletzt am Kulturerbe: Menschen, die heute 68 Jahre alt sind, sind eben in der Kulturrevolution der 68’er Jahre Teenager gewesen. Das bedeutet nicht, dass jeder Rentner im Altersheim etwas über feminisierte Hanfsamen und Vaporizer weiß, allerdings scheint sich der Trend vor allem auch in Bezug auf die medizinische Wirkung von Marihuana hin entwickelt zu haben.

Lange galt – und gilt auch heute noch – Marihuana als böse Einstiegsdroge für ein Lotterleben auf der Straße und an der Nadel. Allerdings hat sich eine gewisse Toleranz in den letzten Jahrzehnten eingeschlichen, die Cannabis zur Gesellschaftsdroge macht. Auch in Deutschland, wo Anbau, Besitz und Verkauf von Marihuana nach wie vor verboten ist. In den USA haben bereits einige Bundesstaaten den Freizeitkonsum von Cannabis legalisiert, hierzulande ist man damit beschäftigt, kleine Schritte bei medizinischem Marihuana zu machen. Trotzdem scheint es für viele Konsumenten kein Problem zu sein, an die Droge zu kommen oder sie zu verwenden. Ein soziales Stigma wird auch niemandem angelastet, der gerne kifft.

Nun scheint das Kiffen aber nicht nur lethargischen Teenagern vorbehalten zu sein, sondern auch Senioren. Das liegt einerseits an ihrer Vergangenheit – immerhin stammen die meisten Rentner aus einer Zeit, in der Sex, Drugs & Rockn’ Roll das Credo war. Viele haben einfach nie aufgehört mit dem Kiffen.

Allerdings wäre es wahrscheinlich naiv davon auszugehen, dass die steigende Popularität von Marihuana unter Senioren nur mit ihrer Generation zusammenhängt. Cannabis ist nicht nur aufgrund seiner betörenden Wirkung zu einer “Volksdroge” geworden. Gerade im medizinischen Bereich hat sich die Hanfpflanze in den letzten Jahren bewähren können. In den USA, wo der “War on Drugs” auch Cannabis einschließt und bis zuletzt tausende von Menschen wegen kleinen Delikten verfolgt und eingesperrt wurden, ist medizinisches Cannabis schon seit Jahren in vielen liberalen Bundesstaaten Teil einer politischen Realität.

Die medizinische Wirkung ist vor allem für ältere Menschen interessant, die oft unter schweren Krankheiten und Schmerzen leiden müssen. Gerade bei Multipler Sklerose, psychischen Erkrankungen, Krebs oder Tourette hilft Cannabis erwiesenermaßen besser als andere chemische Mittel, um Schmerzen und Leid in Schach zu halten. Auch in diesem Zusammenhang ist für Senioren, die keine Lust auf Chemiekeulen haben, die heilsame Wirkung von Cannabis wichtig.

In der deutschen Politik ist die Parteienlandschaft zerstritten, was das Thema Liberalisierung angeht. Allerdings gibt es erste Reformen beim Thema medizinische Anwendung: ab 2017 sollen Krankenkassen für die Ausnahmefälle zahlen, die Cannabis bereits medizinisch beziehen. Das wäre ein deutliches Signal für die Zukunft dieser Diskussion.