{"id":177010,"date":"2025-05-14T14:12:41","date_gmt":"2025-05-14T13:12:41","guid":{"rendered":"https:\/\/die-webzeitung.de\/ludwigsburg\/?p=177010"},"modified":"2025-12-05T11:45:16","modified_gmt":"2025-12-05T10:45:16","slug":"1100-funde-entschluesseln-die-historie-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-webzeitung.de\/ludwigsburg\/2025\/05\/14\/1100-funde-entschluesseln-die-historie-der-stadt\/","title":{"rendered":"1100 Funde entschl\u00fcsseln die Historie der Stadt"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Rettungsgrabungen am Vaihinger &#8220;Galgenfeld&#8221; bef\u00f6rdern bis zu 7.000 Jahre alte Relikte zutage &#8211; Weg f\u00fcr Bebauung des Gewerbegebietes Wolfsberg IV ist geebnet<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vaihingen an der Enz.| Die Ausgrabungen im Vorfeld der Erschlie\u00dfung des neuen Gewerbegebietes Galgenfeld haben Spektakul\u00e4res zutage gef\u00f6rdert. Die mehr als 1100 Funde tragen dazu bei, die Geschichte der Stadt weiter zu entschl\u00fcsseln und das kulturelle Erbe der Region zu bewahren. Denn so viel ist sicher: Vaihingen an der Enz feiert zwar im Jahr 2029 seine erste Erw\u00e4hnung vor 1250 Jahren. Allerdings gab in diesem Bereich der Enz nachweislich schon vor mindestens 7000 Jahren erste Siedlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Felicitas Schmitt vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege im Regierungspr\u00e4sidium Stuttgart und Grabungsleiter Manuel Birker von der ArcheoConnect GmbH pr\u00e4sentierten Ergebnisse der Grabung in der Stadtteilausschusssitzung. Gefunden wurden insgesamt neun Gr\u00e4ber, eine Gargrube, einige Standorte von Langh\u00e4usern, Keramik, Werkzeug und Schmuck aus insgesamt f\u00fcnf Jahrtausenden. Einige Funde sind bis zu 7.000 Jahre alt und damit viel \u00e4lter als beispielsweise das Grab des Hochdorfer Keltenf\u00fcrsten. Er wurde etwa um 530\/520 v.Chr. bestattet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In gut vernetzter Zusammenarbeit von Stadt, Denkmalpflege und Grabungsfirma liefen von September 2024 bis April 2025 auf dem knapp vier Hektar gro\u00dfen Areal zwischen der B10 Richtung Pforzheim und der Stuttgarter Stra\u00dfe im Gewann &#8220;Galgenfeld&#8221; arch\u00e4ologische Rettungsgrabungen. Diese wurden im Vorfeld der Erschlie\u00dfung des geplanten Gewerbegebietes &#8220;Wolfsberg IV&#8221; vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege (LAD) im Regierungspr\u00e4sidium Stuttgart angeordnet. Denn das Gebiet liegt im Bereich eines Kulturdenkmals &#8220;Neolithische Siedlung&#8221;. Immer wieder waren seit 1987 bei Erschlie\u00dfungsarbeiten und Bauma\u00dfnahmen in direkter Nachbarschaft so genannte bandkeramische Siedlungsspuren und Gr\u00e4ber der Jungsteinzeit (ca. 5.000 v. Chr.) entdeckt worden. Die Linearbandkeramiker sind die ersten Ackerbauern und Viehz\u00fcchter in Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst die Rettungsgrabung und die damit verbundene Bergung der Siedlungsnachweise hat laut Planungsamtsleiter Norbert Geissel den Weg f\u00fcr eine Bebauung des Bereichs geebnet. Das Feld ist nun freigegeben. Laut Dr. Felicitas Schmitt gilt: Entweder, das Kulturerbe verbleibt an Ort und Stelle oder muss geborgen und gesichert werden, bevor ein Gel\u00e4nde bebaut werden darf. Insgesamt haben die Grabungen 128 Arbeitstage rund 578.000 Euro veranschlagt &#8211; rund 46.000 Euro (7,5 Prozent) weniger als veranschlagt, wie Stephan Sure vom Stadtplanungsamt verdeutlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Fund, auf den Birkers Team stie\u00df, waren ein Skelett und eine danebenliegende Axt. Auf den ersten Blick k\u00f6nnte sie aus dem Baumarkt auf der anderen Stra\u00dfenseite stammen. Aber: Der Schlagkopf besteht nicht aus Metall, sondern aus aufwendig poliertem Stein! &#8220;Das m\u00e4nnliche Individuum in Hockerbestattung mit polierter Steinaxt l\u00e4sst sich zeitlich in das Endneolithikum (Ende der Jungsteinzeit) einordnen&#8221;, erkl\u00e4rten die beiden Experten. Das bedeutet: Der Fund stammt aus dem 3. Jahrtausend vor Christi (2.800 bis 2.500 v.Chr.) und ist damit fast 5000 Jahre alt. Damit h\u00e4tte Vaihingen also seinen &#8220;Enzi&#8221;! Der Verstorbene ist ziemlich sicher nicht gewaltvoll bzw. unter Fremdeinwirkung ums Leben gekommen, sondern &#8211; wie seinerzeit \u00fcblich &#8211; bestattet worden, mit der Axt als Grabbeigabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz im Gegenteil zu einer Frau und einem M\u00e4dchen aus der Fr\u00fchlat\u00e8nezeit (etwa 400 v.Chr.), deren Skelette ebenfalls am Galgenfeld entdeckt wurden. &#8220;Hier sprechen wir nicht von einer Bestattung. Die beiden wurden eher verlocht statt w\u00fcrdevoll gebettet&#8221;, so Schmitt in der Sitzung. Das Kind liegt \u00fcber dem Bein der Frau, die Glieder ausgestreckt. Was genau den beiden zugesto\u00dfen sein k\u00f6nnte, dar\u00fcber k\u00f6nnen auch die beiden Experten nur spekulieren. &#8220;Vielleicht sind sie aufgrund von G\u00e4rgasen erstickt, die sich bei der Zersetzung der in der Grube befindlichen Vorr\u00e4te entwickelt hatten&#8221;, lautet eine Theorie von Felicitas Schmitt. Das Besondere: Beide trugen Schmuck der Keltenzeit. Das M\u00e4dchen zwei Bronze-Armringe, die Frau eine Kette mit blauen Glasperlen, die auf Eisendraht gef\u00e4delt waren. Diese Perlen lie\u00dfen sich auch schon viele Jahrtausende fr\u00fcher leicht herstellen &#8211; sofern man \u00fcber das n\u00f6tige Wissen verf\u00fcgte. N\u00e4mlich aus einer Mischung aus Silizium, Quarz und Alkali, Natriumkarbonat oder Pottasche und Kalk, die miteinander verschmolzen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den insgesamt neun Gr\u00e4bern wurden aber auch mehrere bis zu 20 Meter lange &#8220;Langh\u00e4user&#8221; aus der mittleren Jungsteinzeit aufgedeckt. Besonders interessant f\u00fcr die Forscher ist die Gargrube aus Lehm und Steinen, vermutlich aus der fr\u00fchen Eisenzeit (800 bis 450 v. Chr.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Funde wurden mittlerweile gesichert und kommen nach Abgabe der Grabungsdokumentation in die arch\u00e4ologische Schatzkammer des Landes, das Fundarchiv in Rastatt. &#8220;Die Funddichte am Galgenfeld ist mit 1100 Funden hoch&#8221;, sagt Manuel Birker. Und alle geborgenen Sch\u00e4tze beweisen: An der Enz in der heutigen Gemarkung Vaihingen haben schon in der Jungsteinzeit vor 7.000 Jahren Menschen gelebt. Einige der ausgegrabenen Beweise daf\u00fcr w\u00fcrde nicht nur Stadtarchivarin Andrea Majer gerne als Requisite zur Gestaltung einer Ausstellung sehen &#8211; vielleicht sogar im Zuge der Gartenschau 2029. Nun muss das arch\u00e4ologischem Kulturgut aber erstmal fachgerecht untersucht werden. Aus den Knochen l\u00e4sst sich beispielsweise mittels Radiokarbondatierung das ungef\u00e4hre Jahr des Todes ermitteln. Wuchsmerkmale sowie spezifische Auspr\u00e4gungen am Skelett, geben Aufschluss \u00fcber das Alter und Geschlecht der Verstorbenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Galgenfeld wird die Geschichte indes weitergeschrieben: Das Bebauungsplanverfahren f\u00fcr das Gewerbegebiet Wolfsberg IV ist bereits eingeleitet. Da aber im Randbereich der B10-Umfahrung weitere Abstimmungen mit den Tr\u00e4gern \u00f6ffentlicher Belange notwendig sind, steht noch nicht fest, wann der Rechtsplanentwurf in die Gremien kommt.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rettungsgrabungen am Vaihinger &#8220;Galgenfeld&#8221; bef\u00f6rdern bis zu 7.000 Jahre alte Relikte zutage &#8211; Weg f\u00fcr Bebauung des Gewerbegebietes Wolfsberg IV ist geebnet Vaihingen an der Enz.| Die Ausgrabungen im Vorfeld der Erschlie\u00dfung des neuen Gewerbegebietes Galgenfeld haben Spektakul\u00e4res zutage gef\u00f6rdert. 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