Beide Städte arbeiten gemeinsam an Strategie zur klimaneutralen Versorgung

Ludwigsburg.| „In unserem Alltag benötigen wir viel Energie, ein Großteil in Form von Wärme für Heizung und Warmwasser“, sagt Andrea Schwarz, Ludwigsburgs Bürgermeisterin für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften. Dabei sei ein Großteil der Wärme noch durch fossile Energieträger gedeckt, die viel CO2 erzeugten. „Wir wollen aber schnellstmöglich klimaneutral werden, deshalb müssen wir eine Wende bei der Wärmeversorgung einschlagen. Das schaffen wir nur, wenn wir den Wärmebedarf senken und den übrigen Bedarf CO2-neutral durch Erneuerbare Energien decken.“

Klimaschutzgesetz gibt den Rahmen vor

Um das Ziel einer kohlenstofffreien Wärmeversorgung mittel- und langfristig zu erreichen, braucht es weitreichende Veränderungen – und eine Strategie, die konkret auf die Möglichkeiten vor Ort zugeschnitten ist. Deshalb sind Stadtkreise und Große Kreisstädte seit Ende 2020 durch das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg dazu verpflichtet, einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen.

Der Wärmeplan muss bis Ende 2023 erarbeitet sein, regelmäßig fortgeschrieben werden und mindestens fünf konkrete Maßnahmen enthalten, die zum Erreichen einer kohlenstofffreien Wärmeversorgung beitragen. Diese fünf Maßnahmen müssen innerhalb von fünf Jahren nach Veröffentlichung der Wärmeplanung begonnen werden.

Ludwigsburg und Kornwestheim gehen voran

Bis Ende 2023 wollen weder Ludwigsburg noch Kornwestheim warten: „Unsere Städte haben sich schon früh mit der kommunalen Wärmeplanung beschäftigt und Vorbereitungen getroffen. Dazu fand ein reger Austausch miteinander statt“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht. „Beiden war von Anfang an klar, dass wir die Wärmeplanung gemeinsam angehen. Dadurch ergänzen wir uns nicht nur über die Stadtgrenzen hinweg, wir schöpfen auch unsere Möglichkeiten bei den erneuerbaren Energien stadtübergreifend voll aus.“

Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck knüpft daran an: „Zwischen unseren Städten besteht eine enge Verbundenheit durch den gemeinsamen Energieversorger, unsere Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim SWLB, mit denen wir bei der kommunalen Wärmeplanung eng zusammenarbeiten werden.“

Stadtwerke-Geschäftsführer Johannes Rager bestätigt: „Wir haben bereits ein Fernwärme-Ausbaukonzept erstellt, auf dem die Wärmeplanung aufbauen kann. Darin sollen neben den Gebieten, die für die Fernwärme geeignet sind, auch noch die Versorgungsoptionen der anderen Gebiete betrachtet werden.“

Arbeit an der kommunalen Wärmeplanung

Beide Städte haben inzwischen mit der Bearbeitung der Wärmeplanung begonnen, voraussichtlich benötigen sie dafür etwa eineinhalb Jahre. Die Planung erfolgt dabei in vier Schritten: Als erstes wird der aktuelle Wärmeverbrauch gemessen und anfallende Treibhausgas-Emissionen berechnet. Das umfasst auch Informationen zu bestehenden Gebäuden, Heizungen, Heizzentralen und Speichern sowie zur Versorgungsstruktur aus Gas- und Wärmenetzen. Im zweiten Schritt ermittelt man mögliche Energieeinsparung bei Raumwärme, Warmwasser und Wärme für technische Verfahren. Das wird aufgeschlüsselt nach Haushalten, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, Industrie und öffentlichen Liegenschaften. Außerdem werden die Möglichkeiten vor Ort für erneuerbare Energien, Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme erhoben.

Aus den Daten entwickelt sich in der Folge ein Szenario, wie der künftige Wärmebedarf mit erneuerbaren Energien klimaneutral gedeckt werden kann. Im Plan werden jeweils die benötigte Versorgungsstruktur für die verschiedenen Stadtteile beschrieben und geeignete Gebiete für Wärmenetze oder Einzelversorgung ausgewiesen. Im letzten Schritt werden mindestens fünf Maßnahmen ausgearbeitet, nach Wichtigkeit sortiert und für die Umsetzung in den kommenden Jahren eingeplant. Die Maßnahmen werden jeweils mit Blick auf Energieeinsparung und Versorgungsstruktur beschrieben.

Kornwestheims Bürgermeister Daniel Güthler beschreibt den Prozess: „Durch die Wärmeplanung werden Möglichkeiten und Bedarf systematisch zusammengeführt. Die daraus abgeleiteten Handlungsvorschläge sollen eine Grundlage und ein Kompass sein für die weitere Stadt- und Energieplanung von Verwaltung und Gemeinderat.“