von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Wenn man die nach sechs Spieltagen noch wenig aussagekräftige Tabelle der 2. Handball-Bundesliga betrachtet, ist das Heimspiel der SG BBM Bietigheim gegen den EHV Aue am Freitag (19 Uhr, Viadukthalle) eher Mittelfeldduell denn Top-Begegnung. Die Schwaben rangieren mit 5:7 Punkten aktuell auf dem zehnten Rang, die Erzgebirgs- Handballer liegen mit ausgeglichenem Punktekonto auf Platz 8. Für beide Teams geht es um den Anschluss an die vordere Tabellenhälfte.

Iker Romero war mit der Vorstellung seines Teams am vergangenen Samstag überhaupt nicht einverstanden. Die SG BBM kassierte beim ASV Hamm-Westfalen ihre dritte Niederlage in der laufenden Saison. Dass man gegen eines der Topteams der Liga den Kürzeren ziehen kann, muss immer einkalkuliert werden. Am Ende stand mit dem 30:24 jedoch die bislang höchste Niederlage auf der Anzeigentafel und die Erkenntnis, dass die SG BBM im zweiten Abschnitt auf verlorenem Posten stand. Dabei hatten die Bietigheimer Handballer eine Woche zuvor in der Viadukthalle noch Bundesliga-Absteiger TUSEM Essen mit einem furiosen 34:25-Erfolg nach Hause geschickt. Man wähnte sich im Aufwärtstrend.
Der spanische Chefcoach der SG BBM verortete die Schwachpunkte seines Teams vor allem im Defensivbereich. Hamm-Westfalen wirkte nach dem 13:12-Pausenstand wacher, kämpferischer und in vielen Aktionen entschlossener und cleverer. Alles Vorteile, die Romero gerne bei seiner Mannschaft gesehen hätte und die Spiele letztendlich entscheiden. Mithin Eigenschaften, die der Spanier jetzt am Freitag von seinem Team gegen den EHV Aue einfordern wird.

Dass Rückraum-Shooter Sven Weßeling nach seinen acht Torerfolgen vom Samstag in der Torschützenliste der Liga jetzt ganz oben steht, bleibt ohne zählbare Punkte nur eine statistische Randnotiz. Der 23-jährige Halblinke führt mit 45/17 Treffern vor dem Trio Robert Weber (43/17, Nordhorn-Lingen), Dominik Mappes (43/2, Hüttenberg) und Savvas Savvas (43/4, Großwallstadt).

Der Erzgebirgische Handballverein Aue wirkte mit dem jüngsten Unentschieden im „Sachsenderby“ gegen den HC Elbflorenz Dresden da wesentlich zufriedener. Nach einer Aufholjagd traf EHV-Kapitän Kevin Roch Sekunden vor dem Schlusspfiff von Linksaußen zum 26:26-Ausgleich, ein gewonnener Punkt für den Tabellenfünften der letzten Saison. Im Erzgebirge bleibt man trotz der herausragenden Platzierung aus der Vorsaison auf dem Boden. „Der Klassenerhalt ist unser erstes Ziel, dann muss man sehen“, sagte EHV-Manager Rüdiger Jurke.

Die neue Saison gehen die Sachsen mit einem Trio auf der Trainerbank an. Nach der schweren Corona-Erkrankung von Chefcoach Stephan Swat stehen aktuell Kirsten Weber und Torwart-Trainer Michael Hilbig im Vordergrund. Der 44-jährige Swat hat einen lebensbedrohenden Krankheitsverlauf hinter sich, verbrachte viele Wochen auf der Intensivstation, lange Tage davon im künstlichen Koma. Sobald es möglich ist, steht in dieser Saison seine berufliche Wiedereingliederung auf der Agenda.

Der EHV Aue geht mit nur wenigen Veränderungen im Kader in die neue Saison und kann auf ein eingespieltes Team bauen. Ihre Form haben die Top-Shooter der Vorsaison beim EHV bereits bestätigt: Adrian Kammlodt im linken Rückraum und Bengt Bornhorn am Kreis und vom Siebenmeterpunkt sind zusammen für 63 Tore der Sachsen verantwortlich. Auch der Isländer Arnar Birkir Halfdansson hat sich mit zunehmenden Spielanteilen im rechten Rückraum in den Vordergrund gespielt.