Bönnigheim.|  Schnaps und Nachgeburtstöpfe – mit diesen beiden Stichworten bringen die meisten Menschen den Bönnigheimer Heimatforscher Kurt Sartorius in Verbindung. Dass das ehrenamtliche Engagement des 72-Jährigen weitaus breiter angelegt ist, wurde bei der Verleihung der Staufermedaille durch Landrat Dietmar Allgaier deutlich.

Im Bönnigheimer Schloss fanden sich mehr als 60 Wegbegleiter ein, um am Dienstag den weit über Bönnigheim hinaus bekannten Heimatforscher Kurt Sartorius zu ehren. Die Verleihung der Staufermedaille war auch für Landrat Dietmar Allgaier ein besonderer Anlass. Immerhin war es in den mehr als anderthalb Jahren seiner Amtszeit das erste Mal, dass der Landrat die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg im Namen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann übergeben durfte.

Die „Leidenschaft für die Geschichte und Heimatforschung“ begleitet Kurt Sartorius schon seit der Schulzeit. „Und diese Leidenschaft, dieses große geschichtliche Interesse, zog sich durch fast alle Ihre ehrenamtlichen Aktivitäten durch und bildet auch heute noch Ihren Antrieb“, betonte Allgaier. Seit 1974 ist Sartorius Mitglied des Museumsverbands Baden-Württemberg, fungiert seit 1999 als Beirat und leitet den Arbeitskreis ehrenamtlich geführter Museen. Ebenfalls seit den 1970er Jahren ist Sartorius für das Landesamt für Denkmalpflege als Beauftragter für Bodendenkmalpflege tätig. „Dieses Amt haben Sie bis heute inne und konnten mit Ihren Ausgrabungen in Bönnigheim wertvolle Beiträge auf Landesebene leisten und als kurzer Draht zwischen der Stadt und dem Land fungieren“, stellte der Landrat in seiner Laudatio anerkennend fest.

Mit Ende 20 gründete Sartorius mit 29 weiteren Personen die Historische Gesellschaft Bönnigheim e.V. und ist seither auch deren Vorsitzender. Bis heute konnte der Verein rund 240 Mitglieder gewinnen – und ist damit der größte, aber auch älteste, historische Verein im Landkreis Ludwigsburg. In ungezählten Führungen und Vorträgen brachte Sartorius Besuchern aus ganz Deutschland Geschichte und Geschichten der Ganerbenstadt und des Zabergäus nahe. Besonders verdient für die Heimatgeschichte hat sich Sartorius durch archäologische Ausgrabungen gemacht: Die Funde von Tontöpfen in 35 Kellern brachte er bundesweit als Erster in Verbindung mit Nachgeburtsbestattungen. „Dafür wurden Sie am Anfang noch belächelt“, so Allgaier, „bewiesen die Bedeutung aber umso mehr, als diese Funde international anerkannt wurden. Das zeigt mal wieder: Es braucht Mut und einen langen Atem, bis man die verdiente Anerkennung erreicht.“

Bönnigheim wurde darüber hinaus durch die Gründung des Schwäbischen Schnapsmuseums 1993 mit inzwischen weit über 125000 Besuchern sowie seit 2002 durch die „Arzney-Küche“ als Museumsstadt bekannt. Der Förderverein Museum im Steinhaus hat für beide Museen neben unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit auch finanzielle Mittel in Höhe von 450.000 Euro einbringen können. „Ihr Einsatz für die Stadt Bönnigheim ist außergewöhnlich, und das auf so einem speziellen Gebiet, das nicht für jedermann ohne Weiteres zugänglich ist. Als gebürtiger Bönnigheimer war es für Sie seit Kindesbeinen an ein wichtiges Anliegen, das kulturelle Erbe der Stadt Bönnigheim zu erkunden“, lobte Allgaier, bevor er die Staufermedaille an Kurt Sartorius überreichte.