von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Nach überwiegend positiven Testspielergebnissen in der Vorbereitung wird es an diesem Wochenende erstmals ernst für die Handballer der SG BBM Bietigheim. Am Samstag (16:30 Uhr) beginnt die Saison 2021/22 mit der ersten DHB-Pokalrunde beim HC Empor Rostock. In der kleineren OSPA-Arena ist eine limitierte Zahl von Zuschauern zugelassen.

Die Auslosung der ersten Runde im DHB-Pokal hat Mitte Juli bei den Verantwortlichen der SG BBM sicher keine Jubelstürme ausgelöst. Die attraktiven Erstligisten steigen erst im zweiten Durchgang in den Wettbewerb ein. Und statt sich möglichen Lokalderbys gegen Drittligisten in Oppenweiler oder Pforzheim stellen zu können, geht es für die Bietigheimer Zweitliga-Handballer gleich auf große Fahrt an die Ostsee. Dort wartet mit Aufsteiger Empor Rostock immerhin ein zukünftiger Ligakonkurrent. „Das ist zum Auftakt sicher nicht so günstig, aber es liegt nicht in unseren Händen“, nimmt der neue Trainer der SG BBM, Iker Romero, die Situation gelassen. „Für uns ist es immerhin das erste offizielle Spiel“, ordnet der Spanier den Stellenwert der Partie ein. Entsprechend konzentriert soll die Aufgabe angegangen werden. Bis es am 11. September in der heimischen Viadukthalle gegen den ThSV Eisenach erstmals um Ligapunkte gehen wird, sollten schließlich jegliche Reisestrapazen wieder aus den Knochen sein. Zudem ist die Partie ein guter Testlauf für die Liga, schon am 4. Spieltag muss sich die SG BBM Anfang Oktober erneut auf die längste Auswärtsfahrt der Saison machen.

Bereits am Freitag startet die Anreise mit einem Zwischenstopp in Potsdam, wo eine abschließende Trainingseinheit angesetzt ist. In Brandenburgs Hauptstadt könnte Robin Haller um die Ecke schauen. Der 35-jährige frühere Bietigheimer Publikumsliebling hat zur neuen Saison beim Drittligisten angeheuert. Mit Bob Hanning ist der Trainerstab des jungen Teams prominent besetzt.

Taugt die Pokalpartie in Rostock für den neuen Trainer der SG BBM schon zu einer Standortbestimmung? „Momentan haben wir noch kein Gefühl für die Konkurrenz. Es ist sicher gut, alle Mannschaften in der 2. Liga ernst zu nehmen“, sagt der frühere spanische Weltklasse-Handballer. Mit der Vorbereitungsphase seines Teams zeigt sich der 41-Jährige zufrieden. „Wir sind noch in einer Phase zu schauen, was müssen wir verbessern, was können wir anders machen. Aber ich bin sehr zufrieden mit den Jungs.“ Auch im letzten Testspiel gegen Zweitliga-Konkurrent Rimpar Wölfe hat Romero vor Wochenfrist Licht und Schatten im Auftritt seiner Mannschaft gesehen. Der 7:11- Pausenrückstand gegen die defensivstarken Mainfranken war einer nicht ligareifen Chancenverwertung geschuldet. Der Spanier forderte deshalb mehr Konzentration und Einsatz, seine Mannschaft lieferte im zweiten Abschnitt. Die SG BBM drehte das Spiel in der Schlussphase, setzte sich am Ende mit 20:19 Toren durch. Erfolgreichster Torschütze war Neuzugang Sven Weßeling im linken Rückraum mit 6/2 Toren.

Neben den beiden verletzten Patrick Rentschler und Jonas Link wird auch Rechtsaußen Mario Urban die Reise an die Ostsee nicht mitmachen können. Der 23-jährige Linkshänder verpasst nach einem im Training zugezogenen Nasenbruch den Saisonauftakt. Auf den Ausfall der beiden routinierten Leistungsträger hatte Chefcoach Romero schon in der Vorbereitung reagieren können. Im Test gegen Ligakonkurrent Rimpar tauchten jetzt zeitweise abwechselnd Dominik Claus oder Tim Dahlhaus auf der rechten Außenposition als Entlastung für Christian Schäfer auf. „Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir kontrollieren können“, gibt sich der Spanier zur Personalsituation pragmatisch. Am Samstag wird Paco Barthe, den Romero zu seinem neuen verlängerten Arm auf dem Spielfeld ernannt hat, die Mannschaft als neuer Kapitän aufs Feld führen.

Empor Rostock nahm in der Corona-bedingt früh abgebrochenen Saison der 3. Liga den Expressfahrstuhl ins Unterhaus, aus dem sich die Ostseestädter 2017 verabschiedet hatten. In der Qualifikationsrunde setzte sich das vom 37-jährigen Till Wiechers trainierte Team unter den 14 aufstiegswilligen Mannschaften durch, besiegte im entscheidenden Durchgang den VfL Potsdam, nachdem in der Vorschlussrunde der VfL Pfullingen ausgeschaltet worden war. Nach dem Aufstieg mussten sich die Mecklenburger vor allem am Kreis neu orientieren. Christian Wilhelm (Dormagen) ersetzt seinen älteren Bruder und Abwehrchef Stefan Wilhelm. Mit Jonas Thümmler (Elbflorenz) kommt weitere Zweitligaerfahrung ins Team. Die haben auch Marc Pechstein im linken Rückraum und Torsteher Robert Wetzel bei ihren Stationen in Dresden und Aue sammeln können. Bester Werfer in der Aufstiegsrunde war Rechtsaußen Janos Steidtmann.