Ludwigsburg.| 26 Wochen lang wird für jeden Buchstaben des Alphabets im Museumsschaufenster im Innenhof des MIK jeweils eine Woche lang ein ausgewähltes Sammlungsobjekt gezeigt. Ab 21. Juni ist unter F wie Feuer ein Band der Brockhaus-Enzyklopädie von Dr. Walter Pintus ausgestellt, der von den Nationalsozialisten deportiert wurde und im KZ Dachau starb.

Der Arzt Dr. Walter Pintus (1880–1938) genoss in Ludwigsburg hohes Ansehen. Er behandelte arme Menschen ohne Honorar und half, wo er konnte. Ab 1938 durfte er als Jude nicht mehr praktizieren. Noch im selben Jahr wurde er verhaftet und ins KZ Dachau deportiert, wo er kurz nach seiner Ankunft starb. Seine Frau Helene Pintus (1883–1979) bereitete daraufhin ihre Flucht vor, räumte Möbel und Bücher in den Hinterhof und verbrannte alles, was sie nicht mitnehmen konnte. Mathilde Kleiner, die Frau des ehemaligen Fahrers von Dr. Pintus, kam hinzu und rettete den Einzelband „P“ einer Brockhaus-Enzyklopädie vor den Flammen. Jahrelang haben die Kleiners mit dem Lexikonband die Erinnerung an die Familie Pintus bewahrt und den Band schließlich in die Sammlung des Ludwigsburg Museums gegeben. Es ist das einzige Buch, das sich aus der umfangreichen Bibliothek von Walter Pintus erhalten hat.

Die Schaufensterausstellung „Ludwigsburger Poesiealbum“ lässt sich dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr vor Ort sowie auch digital entdecken. Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage des Ludwigsburg Museums (www.ludwigsburgmuseum.de) sowie auf Facebook und Instagram. Wir freuen uns auf Ihren Besuch analog oder digital!