Niedrige Erträge, doch Trauben in guter Qualität im Herbst 2020 geerntet

Bietigheim-Bissingen.| Historisches vollzieht sich Jahr für Jahr im Bietigheimer Hornmoldhaus: das dort aufbewahrte, 469 Jahre alte Bietigheimer Weinregister wird vom jeweils amtierenden Oberbürgermeister der Enzstadt fortgeschrieben. Auch in diesem Jahr widmete sich Oberbürgermeister Jürgen Kessing dieser Chronistenpflicht mit großer Sorgfalt.

Die Weinkenner werden Aromatik und Qualität der Trauben in den Weinen des Jahrgangs 2020 zu schätzen wissen. Allerdings war die Ertragsmenge so gering wie lange nicht mehr. Die Ursachen liegen im Spätfrost am Morgen des 12. Mai 2020. Hinzu kam der niederschlagsarme Sommer und die sommerlichen Temperaturen zu Beginn der Lese. Besonders die frühen Sorten lagen mit Durchschnittserträgen von 60 bis 90 kg/Ar weit unter den sonst üblichen Mengen. Erfreulicherweise waren die Trauben bis zum letzten Lesetag noch sehr gesund. Der späte Lesebeginn am 27. August 2020 verhalf zu höherer Qualität. Die Rebkrankheiten konnten gut kontrolliert werden. Gezielte Behandlungen, z.B. gegen den Echten Mehltau und die Kirschessigfliege, waren witterungsbedingt verstärkt gefragt. Abhängig von Sorte und Lage wurde gezielt behandelt.

Nur 800 hl Wein ergab die Traubenernte aus Bietigheim-Bissinger Lagen, was einem durchschnittlichen Ertrag pro Ar von 98 kg entspricht. Im Jahr zuvor konnten 112 kg eingebracht werden. Der Verkaufspreis lag bei 272 Euro je hl Wein, etwas mehr als 2019, als 257 Euro erzielt werden konnten.

Die Lese startete mit der Sorte Schwarzriesling für Sektgrundwein, gefolgt von der Lese auf den Premium-Flächen Ende August. Der Abschluss fand am 16. Oktober 2020 mit der Lese von Trauben aus frostgeschädigten Anlagen statt.

Zufrieden sind die Wengerter mit der Qualität der Trauben. Das durchschnittliche Mostgewicht lag bei 90 Grad Oechsle, Spitzenwerte erzielten der Muskateller mit 127 Grad Oechsle sowie Schwarzriesling und Samtrot mit 121 bzw. 120 Grad Oechsle. Im Vorjahr, welches ebenfalls gute Qualitäten erzielte, lag der Durchschnitt mit 87 Grad Oechsle etwas niedriger.

Seit 1550 wird das Bietigheimer Weinregister in Bietigheim geführt und in den Archiven sorgfältig verwahrt. Im 18. Jahrhundert erhielt das große Register einen schützenden Holzschrank, verziert mit wappengeschmückten Flügeltüren und anderen Schnitzereien. Das Schränkchen samt kostbarem Inhalt wird aus konservatorischen Gründen in den klimatisierten Archivräumen aufbewahrt – es muss vor Feuchtigkeit, Lichteinflüssen und anderen Beeinträchtigungen geschützt werden. Eine Kopie des Dokumentes ist jedoch im Museum jederzeit zu besichtigen. Es verdeutlicht, welch hohe Bedeutung dem Weinbau einst in Bietigheim zukam. Er war einstmals Exportschlager und trug viel zum Reichtum der Stadt bei.