Foto: Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg
Schülerinnen und Schüler der Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg „pumpen“ für den guten Zweck

Ludwigsburg.| Wechselunterricht, Kontaktreduzierungen und Zukunftsängste: Vielen Jugendlichen fehlt in der Pandemie die Struktur des Alltags, der Kontakt mit Gleichaltrigen und die Möglichkeit, eigene Grenzen zu überwinden, Neues zu erleben. Dazu kommt, dass etliche Schülerinnen und Schüler über psychische und emotionale Belastungen und Lerndefizite klagen. Die Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg hat versucht, dieser Entwicklung mit einem gemeinnützigen Wettbe- werb entgegenzuwirken.

Herausforderungen auch im Homeschooling schaffen
Die Corona-Pandemie stellt besonders junge Menschen vor große Herausforderungen. Aufmerksamkeit, Unterstützung und Offenheit gegenüber den Sorgen der Jugendlichen sind daher besonders wichtig. „Ich habe mich so auf die 11. Klasse gefreut. Neue Schule, neue Fächer, neue Lehrer – und natürlich neue Freunde. Doch dann saß man plötzlich wieder zu Hause, hat von dort gelernt und seine Mitschüler nur über den Bildschirm gesehen. Das war für mich nicht einfach. Ich habe gemerkt, dass mir die Motivation im Homeschooling schnell ausging. Schlimm fand ich auch, dass mein Sport ausgefallen ist. Der ist mir sehr wichtig, da er mich in manchen Situationen wieder runterbringt“, berichtet eine Schülerin der Klasse 11 der Mathilde-Planck-Schule. Das Gefühl zu haben, Ziele zu erreichen, eigene Grenzen zu überschreiten und sich mit anderen und sich selbst auseinandersetzen zu müssen, ist durch Corona stark eingeschränkt. Um die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu steigern, startete am beruflichen Gymnasium der Mathilde-Planck- Schule im März ein besonderer Wettbewerb: eine vierwöchige Liegestütz-Challenge für den guten Zweck. „Ziel der Ak- tion war es, jungen Menschen zu zeigen, dass sich durch Sport und Bewegung das Wohlbefinden verbessern kann, dass sich die Motivation steigert, wenn man gemeinsam ein Ziel verfolgt und natürlich, dass es sich lohnt, sich für andere einzusetzen“, so Harmeet Dawan, Sportlehrer an der Mathilde-Planck-Schule und Initiator des Wettbewerbs.

Gemeinsame Liegestütze für den guten Zweck
Unter dem Motto „Jeder Cent zählt!“ nahm die Klasse 11-2 diese Herausforderung an. Mit Liegestützen und Sponso- rengeldern machte es sich die Klasse zur Aufgabe, Spenden zu sammeln für die Kindernothilfe und für das Little Rose Centre in Johannesburg, Südafrika. Neben Eltern, Großeltern und Freunden fanden sich auch lokale Unternehmen, die pro Liegestütze, die die Schülerinnen und Schüler machten, einen Cent an die Klasse überwiesen. Dass dieser Wettbe- werb nicht nur in der Klasse Auftrieb und Eifer entfachte, zeigte die Besenwirtschaft Fischerstüble Lorenz aus Großbott- war. Die Betreiber waren von der Challenge so begeistert, dass sie ihren Spendenbetrag nicht nur auf die Unterstützung einer einzelnen Schülerin beschränkten, sondern ihn auf 250 Euro erhöhte. „Diese Aktion ist ein Paradebeispiel an Solidarität. Genau dieses Engagement, dieses Miteinander und diese gegenseitige Unterstützung ist unabdingbar in Pandemiezeiten. Und zeigt den Schülern, wie wertvoll es ist, sich für andere einzusetzen und gemeinsam Ziele zu ver- folgen“, so Gabriele Rösch, Abteilungsleiterin des Beruflichen Gymnasiums der Mathilde-Planck-Schule.

Um die Challenge zu meistern und möglichst viele Spenden zu sammeln, haben die Schülerinnen und Schüler in den vier Wochen unterschiedliche Strategien entwickelt: Einige sind die Challenge täglich nach dem Aufstehen angegan- gen, andere haben sich über Remote- und WhatsApp-Anrufe getroffen, um sich gegenseitig zu motivieren. Auch wur- den Liegestütze in Form von Energizer-Spielen in den Fernlernunterricht eingebaut. Die Mühe hat sich gelohnt: Fast 50.000 Liegestütze konnten gemacht und ca. 1.300 Euro gesammelt werden. Neben dem guten Zweck, der den Anreiz bot, mitzumachen, zeigte sich im Verlauf der vier Wochen, dass sich die körperliche Fitness der Klasse deutlich verbes- serte. Liegestütz-Übungen, die zunächst schwerfielen und Muskelkater verursachten, waren am Ende der Challenge in den Alltag integriert und sind bei einigen nicht mehr wegzudenken.