Bild: Der Gesamt-Vorstand | Foto: Kreissparkasse
„Gemeinsam da durch!“

Ludwigsburg.| Die Kreissparkasse Ludwigsburg blickt auf ein anspruchsvolles, herausforderndes Geschäftsjahr 2020 zurück und ist, nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Dr. Heinz-Werner Schulte, „mit dem unter diesen schwierigen Bedingungen Erreichten zufrieden“. Das marktführende Finanzinstitut im Landkreis hat seinen Stabilitäts- und Wachstumskurs fortgesetzt. Bei der Vorlage ihrer vorläufigen Geschäftszahlen zeigt sich, dass es der Kreissparkasse gelungen ist, sich gegen die schlimmsten Auswirkungen durch die Corona-Pandemie zu stemmen. Man habe, so Schulte bei der Bilanz-Pressekonferenz, große Anstrengungen unternommen, um Privat- wie Firmenkunden in der Corona-Krise als verlässlicher Finanzpartner beizustehen. Dies sei insgesamt gut gelungen. Schulte sagte: „Wir wollen gemeinsam da durch!“

„Anfang des Jahres 2020 war Corona noch kein Thema. Doch dann kam das Virus wie aus dem Nichts und verbreitete sich in Windeseile auf der ganzen Welt. Die ausgebrochene Corona-Pandemie stellt seither alle Bereiche unserer Gesellschaft vor große Herausforderungen“, sagte Dr. Heinz-Werner Schulte, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Ludwigsburg zu Beginn der Bilanz-Pressekonferenz. Von ihren Auswirkungen seien sowohl die Gesamt- wie die Finanzwirtschaft betroffen, zahlreiche Branchen leiden unter den negativen Corona-Effekten. „Es gilt weiter, die Balance zwischen der Bewahrung der Gesundheit einerseits und der Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Lebens andererseits zu wahren“, betonte Schulte. Finanzdienstleister wie die Kreissparkasse Ludwigsburg seien systemrelevant und haben ihrer besonderen Verantwortung gerade in der Krise gerecht zu werden.

Corona – in kurzer Zeit verändert ein Virus die Welt, auch unsere
Die Pandemie, so Schulte, habe neben der gesundheitlichen Bedrohungslage auch dazu geführt, dass Existenzen wirtschaftlich bedroht und gewohnte Abläufe außer Kraft gesetzt sind. Lockdowns und deren Beschränkungen hätten dazu geführt und tun dies noch, dass „ganze Lebensbereiche zeitweise stillgelegt worden“ sind. Für viele Branchen, darunter Dienstleister, wie zum Beispiel Gastronomie, Hotellerie, Kultur- und Veranstaltungsanbieter, Tourismus, Verkehrsbetriebe, bedeute der Wegfall ihrer Geschäftsmöglichkeiten eine existentielle Bedrohung. Auch im gesamten Bildungsbereich sei, so Schulte, „nichts mehr so wie es vor Ausbruch der Krise war.“ Von den enormen Belastungen, die das Gesundheitswesen zu tragen habe, ganz zu schweigen.

Als marktführendes und der gesellschaftlichen Verantwortung verpflichtetes Finanzinstitut habe die Kreissparkasse nicht nur sehr früh auf die Corona-Krise reagiert, etwa mit Hygieneregeln, Desinfektionsmitteln und HomeOffice, sondern auch ein dichtes Hilfs- und Sicherheitsnetz gespannt. Darin flossen die Inanspruchnahme öffentlicher Programme, intensive Kundenberatung oder etwa Tilgungs- bzw. Zinsaussetzung ein. Ein Netz, das Privat- und Firmenkunden sowie Mitarbeitern helfe. Das Ziel aller Aktivitäten sei, so Schulte, ganz klar: das gemeinsame Bewältigen und Überwinden der Krise.

Kennzahlen belegen hohes Wachstum – Bilanzsumme steigt
Die Bilanzsumme der Kreissparkasse Ludwigsburg ist im Geschäftsjahr 2020 kräftig gewachsen. Betrug diese im Vorjahr 2019 noch 10,88 Milliarden Euro, so hat sie am Ende des zurückliegenden Geschäftsjahres ein Volumen von 11,45 Milliarden Euro erreicht. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Zunahme von rund 570 Millionen Euro beziehungsweise einem Plus von mehr als fünf Prozent.

Starke Anstiege bei den Kundeneinlagen und beim Kreditvolumen
Eine „sehr starke Zunahme“ verzeichnete die Kreissparkasse im Geschäftsjahr 2020 bei den Kundeneinlagen. Betrug deren Wert im Vorjahr 2019 noch rund 7,47 Milliarden Euro, so brachte das zurückliegende Geschäftsjahr 2020 einen Anstieg um rund 550 Millionen Euro auf einen Gesamt-Wert von rund 8,02 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent. „Gerade in der Krise ist das sicherlich ein unheimlich hoher Vertrauensbeweis der Kunden der Kreissparkasse“, so Schulte.

Auch beim Kreditvolumen verzeichnete die Kreissparkasse im Geschäftsjahr 2020 ein deutliches Plus. Ende 2019 hatte dessen Gesamtwert noch bei rund 6,27 Milliarden Euro gelegen. Das Geschäftsjahr 2020 brachte einen Anstieg des Kreditvolumens um rund 120 Millionen Euro auf insgesamt rund 6,39 Milliarden Euro, ein Plus von 1,9 Prozent.

Kredite an Unternehmen und Selbständige (ohne Bürgschaften) stiegen um 58 Millionen Euro auf einen Gesamtwert von rund 2,92 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr 2019 um 2,0 Prozent.

Noch stärker war der Anstieg bei den Krediten an Privatpersonen. Diese erreichten in 2020 ein Gesamt-Volumen von 3,12 Milliarden Euro. Was einer Zunahme gegenüber dem Wert des Vorjahres 2019 um 3,6 Prozent entspricht.

Jahresergebnis mit erfreulicher Konstanz – Zinsspanne rückläufig
Blicke man, so Schulte, auf die Entwicklung des Jahresergebnisses, so zeige sich „eine erfreuliche Konstanz“. Die Höhe des Jahresergebnisses hatte im Jahr 2018 noch bei 17,92 Millionen Euro gelegen. Im Geschäftsjahr 2019 betrug dessen Volumen 17,95 Millionen Euro. Und im Geschäftsjahr 2020 lag die Höhe des Jahresergebnisses bei insgesamt 18,01 Millionen Euro.

Trotz und wegen der derzeitigen Krise waren einige Dienstleistungen besonders gefragt: Ein Rekordergebnis konnte bei der Vermittlung von Immobilien mit einem Erlös von über 8 Millionen Euro erzielt werden, ebenfalls ein Rekordergebnis wurde im Wertpapiergeschäft mit Provisionen von über 20,4 Millionen Euro erzielt.

Gerade in der Krise suchen Kunden stabile und zuverlässige Lösungen, dies zeigt auch das Wachstum der Privatgirokonten von rund 232.400 auf rund 233.300 Konten. Insofern konnte die Kreissparkasse ihre Marktführerschaft weiter ausbauen.

Aktuelle Situation in der Corona-Krise
Durch das ausgefeilte Hygienekonzept und die frühzeitige Beachtung der jeweiligen Erkenntnisse konnten bisher keinerlei Ansteckungen in der Kreissparkasse festgestellt werden. Mit verschiedenen Maßnahmen (Split-Business, frühzeitigen Tests, Plexiglasscheiben etc.) wurde den jeweiligen Hygieneregeln gut entsprochen.

Derzeit befinden sich rund 400 Mitarbeiter/innen im HomeOffice, das sind bei etwas über 1.300 aktiven Mitarbeitern rund 30 Prozent der Gesamtbelegschaft. Hier gilt es, jeweils zu prüfen, ob einerseits die Tätigkeit in der Sparkasse HomeOffice-fähig ist, und andererseits die privaten Umstände des Mitarbeiters eine Tätigkeit unter Beachtung von Datenschutz, Bankgeheimnis etc. erlauben.

Ab 25. Januar wird die Zahl der mitarbeiterbesetzten Geschäftsstellen von derzeit 52 auf 22 beschränkt. Die Liste der geöffneten bzw. dann geschlossenen Geschäftsstellen entnehmen Sie dem Anhang. Die Vorsichtsmaßnahme ist derzeit bis zum 15. Februar 2021 getroffen worden, danach wird die weitere Entwicklung der Pandemie zu beobachten sein.

Ausblick auf 2021
„Auf uns wartet enormer Nachholbedarf, lokal, national und global“, betonte Schulte bei seinem Ausblick auf das neue Jahr 2021. Diesen Nachholbedarf gebe es auf verschiedenen Gebieten. Vor allem folgende Punkte werden, so Schulte, eine große Rolle spielen: Konsum, Reisen und Immobilien. „Es ist uns aber auch bewusst, dass wir in 2021 auf der Risikoseite wachsam sein und uns aller Voraussicht nach mit Themen der Adressrisiken bzw. der Marktpreisrisiken beschäftigen müssen.“

Die Kreissparkasse Ludwigsburg werde, so Schulte, „die wirtschaftliche Erholung mitgestalten und dazu beitragen, dass sowohl unsere Privat- wie Firmenkunden möglichst gut in die Post-Corona-Ära kommen.“ Schulte betonte abschließend, dass es seiner Ansicht nach wichtig sei, „mit Optimismus und Zuversicht in die Zukunft zu blicken“.

Dieter Wizemann: – Früh begonnen, Maßnahmen gegen Corona zu ergreifen
Die Kreissparkasse hat, so Vorstandsmitglied Dieter Wizemann, im zurückliegenden Jahr 2020 schon früh einen Pandemie-Stab eingerichtet. Das neun-köpfige Gremium nahm Anfang März seine Arbeit auf und hat in mittlerweile rund 40 Sitzungen „die jeweils aktuelle Lage analysiert und die von uns entwickelte Strategie zur Beherrschung der Pandemie sowie alle ergriffenen Schutz-Maßnahmen dynamisch angepasst.“ Ziel aller Aktivitäten: höchstmöglicher Schutz für Kunden und Mitarbeiter. „Bis dato konnten wir so betriebsinterne Infektionsketten ganz verhindern“, so Wizemann, „und gleichzeitig – als systemrelevanter Finanzdienstleister – die Leistungsfähigkeit für alle Kunden bestmöglich aufrechterhalten.“

„Verschiedene, vom Pandemie-Stab entwickelte Maßnahmen, haben ineinandergegriffen und tun es noch“, sagte Wizemann. Dazu zählen durchgängige Abstandsregeln, ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept, Split-Business und die Ausweitung der HomeOffice-Möglichkeiten.

Bei der Kreissparkasse Ludwigsburg ist die Anzahl der HomeOffice-User im Vergleich zum Frühjahr um ein Mehrfaches angestiegen. Aktuell können rund 400 Mitarbeiter im HomeOffice arbeiten, also rund 30 Prozent der Belegschaft. Die deutliche Ausweitung seit dem Frühjahr liegt auch daran, dass zahlreiche IT-Sicherheits- und Datenschutzkonzepte entwickelt werden mussten.

Primär wurden bislang Mitarbeiter berücksichtigt, für die das HomeOffice aus bestimmten Gründen naheliegend ist (z.B. Risikogruppen, Mitarbeiter in mehrfach belegten Büros, Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs und Kinderbetreuung). Voraussetzung ist aber jeweils, dass der Arbeitsplatz HomeOffice-fähig ist, d.h. dass die Tätigkeit im HomeOffice fachlich, organisatorisch und persönlich möglich.

„Im Gegensatz zur ersten Hochphase arbeiten wir momentan nicht nur mit permanentem HomeOffice, sondern auch mit turnusmäßigen Wechseln von Mitarbeitern. „Daneben haben wir bereits seit der ersten Corona-Welle bei vielen Mitarbeitern die Arbeitsplätze verlagert, zum Teil auch in freie Räume in Geschäftsstellen, also Split-Business praktiziert“, so Wizemann.

Den nötigen Zusammenhalt hat, nach den Worten von Wizemann, die Kreissparkasse auch an anderer Stelle praktiziert. Anfang November wurde das Team „Abfrage Genesungsverlauf“ ins Leben gerufen. „Das hier im Haus arbeitende Team, bestehend aus ehemaligen und aktiven Mitarbeitern, hat mit seiner täglichen Telefonarbeit das Gesundheitsamt unterstützt “, sagte Wizemann. Rund 500 Anrufe fielen pro Tag im Durchschnitt zur Entlastung des Gesundheitsamtes an. Zu dieser Hilfe sind wir nicht nur gerne bereit gewesen, sondern auch stolz, dass sich Pensionäre und Mitarbeiter hierzu freiwillig bereiterklärt haben.

„Gemeinsamkeiten leben“ – Banken im Kreis kämpfen gemeinsam gegen Corona
Hilfe anderer Art hat die Kreissparkasse im Zusammenspiel mit Geno-Banken im Kreis geleistet. Um in der Hochphase des ersten Lockdowns die Versorgung mit Bargeld in unmittelbarer Wohnortnähe für alle Bürger im Landkreis sicherzustellen, haben im vergangenen Frühjahr die Volksbank Ludwigsburg, die VR-Bank Neckar-Enz, die VR-Bank Asperg-Markgröningen und die Volksbank Remseck mit der Kreissparkasse Ludwigsburg gemeinsam beschlossen, gegenseitig keine Verfügungsgebühren für Abhebungen an den Geldautomaten zu berechnen. So konnte, laut Wizemann, sichergestellt werden, dass sich die Kunden, ohne größere Fahrstrecken in Kauf nehmen zu müssen, an über 210 Automaten kostenfrei mit Bargeld versorgen konnten.

Dieser ersten folgte wenige Tage später eine zweite Hilfsmaßnahme, wieder getragen von den vier Geno-Banken und der Kreissparkasse. Ende März ging „ein eigens und in sehr kurzer Zeit entwickeltes regionales Branchenportal an den Start“, so Wizemann. Das Ziel der neuen Plattform „wir-bestellen-hier.de“ ist es, Händler und Bürger in einem virtuellen Marktplatz zusammenzubringen. Die Menschen im Landkreis Ludwigsburg können über diese Plattform bei ihren örtlichen Einzelhändlern und Dienstleistern einkaufen.

Im Zeitraum von Juni bis Ende 2020 betrug die Gesamtsumme der Seitenaufrufe knapp 170.000 Zugriffe.

Darüber hinaus hat die Kreissparkasse auch Anstrengungen unternommen, um auf einer weiteren, wichtigen Ebene zu helfen: „Anfang Juni startete die Kreissparkasse ihre Corona-Hilfsaktion für Vereine und gemeinnützige Organisationen“, so Wizemann. 50.000 Euro wurden dafür bereitgestellt und innerhalb von wenigen Tagen abgerufen.

Umfangreiche Maßnahmen im Filialnetz
„Während der ganzen seitherigen Corona-Zeit, selbst im ersten Lockdown, stellten wir die Bargeldversorgung sicher und hatten noch mindestens elf Filialen geöffnet“, betonte Wizemann. Als sich die Lage langsam besserte, konnte die Kreissparkasse wieder mehr und mehr Filialen öffnen. Um ein größtmögliches Sicherheits-Level zu schaffen, setzte die Kreissparkasse in ihren Filialen „ein sehr umfangreiches Hygiene-Konzept für Kunden und Mitarbeiter um.“

„Auch in der Beratung hat die Corona-Pandemie Vieles verändert: Berater arbeiten hybrid, d.h. aktuell vorrangig in telefonischer und digital gestalteter Beratung. Wir nutzen in dieser Zeit alle technischen Optionen, um persönliche Kontakte zu minimieren“, so Wizemann. Man habe zudem erstmals, aus Vorsichtsgründen, auf die Durchführung der Weltspartage im bekannten Format verzichtet. Dennoch hatte jeder Kunde, vor allem die Kinder, die Möglichkeit, das Ersparte abzugeben – und ein Präsent zu erhalten.

Kreisweit gibt es nach wie vor keinen anderen Finanzdienstleister, der ein so dichtes Filialnetz wie die Kreissparkasse unterhält. „96 Filialen sind es insgesamt“, so Wizemann, davon sind 52 Personen-besetzt.“

Aus Sicherheitsgründen wird die Kreissparkasse mit Wirkung ab dem 25. Januar die Zahl ihrer geöffneten, mit Personen besetzten Filialen vorübergehend auf 22 reduzieren.

Verstärkte Dynamik in der Digitalisierung
„Seit Jahren erlebt die Digitalisierung im Finanzwesen einen starken Anstieg“, beschreibt Wizemann die generelle Entwicklung der Jahre vor 2020. Dann kam Corona. Bereits jetzt könne man sehen, so Wizemann weiter, dass Corona eine weitere Dynamisierung der Digitalisierung ausgelöst habe und wie ein Beschleuniger wirke.

„So führten wir Ende 2020 insgesamt rund 233.000 Privatgirokonten; wovon rd. 146.000 von unseren Kunden für Online-Banking genutzt werden. Damit ist der Anteil der online geführten Privatgirokonten im Jahr 2020 um mehr als 6 Prozent auf fast 63 Prozent gestiegen.“

Enorme Wachstums-Dynamik zeigt sich beim Blick auf zwei Teilaspekte des Online-Vertriebs. Sowohl bei der Zahl der Produktabschlüsse als auch bei Wertpapier-Käufen und -Verkäufen kennt die Entwicklung in den vergangenen Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. So sind die Produktabschlüsse im letzten Jahr um 26 Prozent gestiegen.

Noch stärker ist der Anstieg bei den Wertpapier-Käufen und -Verkäufen über unsere Brokerage-Anwendung. „Hier kam es im vergangenen Jahr 2020 zu einem rasanten Anstieg“, sagte Wizemann. Und zwar auf ein Gesamt-Volumen von rund 302 Millionen Euro, ein Plus von 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Thomas Raab – Die Firmenkunden der Kreissparkasse im Blick
Mittelstand ging stark in die Krise
Vorstandsmitglied Thomas Raab hat beim Rückblick auf das Corona-Jahr 2020 die Firmenkunden der Kreissparkasse im Blick und sagt: „Als Hausbank unserer Mittelständler konnten wir in vielen Fällen mit Rat und Kredit helfen, zumal wir eng an der Seite des Mittelstands stehen.“ Zu Beginn der Pandemie haben wir rund 900 Anfragen innerhalb kürzester Zeit beantwortet und konnten so in vielen Fällen schnell für die notwendige Liquidität sorgen.

Von den Corona-Effekten seien, so Raab, „alle Firmen, allerdings ganz unterschiedlich betroffen.“ Der Großteil der Unternehmen spürt – teilweise existenzbedrohende – negative Folgen, während einzelne Branchen und Unternehmen auch in der Pandemie Umsatzzuwächse verzeichnen konnten. Positiv genannt seien beispielhaft der Lebensmitteleinzelhandel, die IT Branche oder auch die Fahrradindustrie während der Textileinzelhandel, die Gastronomie/Hotellerie oder das Veranstaltungsgewerbe stark leiden. Die Folgen von Corona werde man, so Raab, „im Jahr 2021 noch deutlicher sehen.“

Der Mittelstand hat in den 2000er Jahren vorausschauend Reserven aufgebaut, „Viele Firmen sind“, so Raab, „mit guten Liquiditätspuffern und starken Eigenkapitalquoten in die Krise gegangen.“ So stieg die durchschnittliche Eigenkapitalquote seit 2000 von knapp 30 Prozent auf rund 39 Prozent der Bilanzsumme. Dieser Rückhalt gebe den Unternehmen Stabilität und die Möglichkeit, etwaige Verluste auch aus eigener Kraft zu kompensieren. Der Mittelstand ging nach den Worten von Raab „stark in die Krise“.

„Fundierte Beratung hilft gerade in schwierigen Zeiten“ – Nutzung von Fördermitteln
„Wir kennen unsere Kunden und können deshalb schnell helfen. Fundierte Beratung hilft gerade in schwierigen Zeiten“, betonte Raab. Die Firmen-Experten der Kreissparkasse würden ihre Kunden etwa über die Möglichkeiten der Nutzung öffentlicher Förderprogramme informieren, bei der Beantragung unterstützen und dabei helfen, Kreditprozesse zu beschleunigen. In 2020 liege man beim 2,7-fachen des Förderkreditvolumens im Vergleich zu 2019. Einige Zahlen:

Höhe der zugesagten gewerblichen Fördermittel in 2020: 174 Mio. EUR
Anzahl der zugesagten gewerblichen Fördermittel in 2020: 254 Stück
Höhe der zugesagten Corona-Kreditprogramme: 91 Mio. EUR (zuletzt waren davon rd. 56 Mio. EUR von den Kunden abgerufen)
Per Ende 2020 stehen wir dem Mittelstand mit 2,92 Mrd. EUR Krediten (+2 Prozent ggü. 2019) zur Verfügung.

Raab weiter: „Grundsätzlich gilt natürlich, dass auch neue Kredite, selbst wenn sie mit einer Haftungsfreistellung des Staates verbunden sind, zu Zins- und Tilgungsleistungen führen, die der Kreditnehmer in Zukunft tragen können muss. Unseren Kunden ist nur mit einem Kredit geholfen, der ihre finanzielle Leistungsfähigkeit nach Corona nicht überfordert. Wir prüfen die Kreditanträge so zügig wie möglich, aber auch mit der notwendigen Sorgfalt und tragen damit auch den Anforderungen der Aufsicht und der Förderbanken Rechnung. Daher ist uns die Beratung so wichtig. Denn mit einem Kredit, der einen Kunden nach der Corona-Pandemie überfordert, ist niemandem geholfen.“ Aus diesem Grund sind auch die Zuschussprogramme derzeit unerlässlich.

Immobiliengeschäft – „Weitere Erfolge“
„Das Neugeschäft mit privaten Baufinanzierungen ist weiter auf Erfolgskurs“, sagte Raab. Bis Ende 2020 seien neue Kredite von rund 557 Millionen Euro unseren Kunden bereitgestellt worden (Vorjahr: rd. 645 Millionen Euro). Das Bestand an Baufinanzierungen sei, so Raab, deutlich gewachsen, habe Ende 2020 rd. 3,44 Milliarden Euro erreicht und lag damit um rund vier Prozent über dem Vorjahreswert (rd. 3,31 Milliarden Euro).

Auch bei den vermittelten Immobilien verzeichnet die Kreissparkasse einen deutlichen Anstieg: Wurden im Jahr 2019 noch 308 Objekte vermittelt, so stieg diese Zahl im zurückliegenden Geschäftsjahr auf insgesamt 323. Das Umsatzvolumen nahm von 146 Millionen Euro auf 157 Millionen Euro zu – was einem Plus von fast acht Prozent entspricht.

Die Kreissparkasse ist zuversichtlich, dass das Geschäft mit Immobilien auch im Jahr 2021 „Aussicht auf weitere gute Erfolge“ hat. Die Nachfrage der Kunden nach Wohnimmobilien sei, so Raab, unverändert hoch. Zudem besteht unverändert hohes Interesse der Anleger an Sachwerten.

Kunden nutzen zunehmend rentable Alternativen zum Tagesgeld
Trotz Lockdown sei es den Kreissparkassen-Experten im Bereich Wealth-Management & Private Banking gelungen, ihren Kunden „individuelle und rentable Anlageoptionen“ aufzuzeigen. Im Jahr 2020 habe der Anlagebedarf bei vermögenden Privatkunden und bei Unternehmen zugenommen. „So stiegen bei diesen Kunden die Käufe von Aktien um 109 Prozent auf 140 Mio. Euro und bei Fonds um 67 Prozent auf 122 Mio. Euro.“

„Unsere Beratung war“, so Raab, „sehr gefragt.“ Es zeige sich, dass individuelle Lösungen Tagesgeldverzinsungen um Längen schlagen.

Der Blick auf das gesamte Geschäftsfeld Wealth-Management & Private Banking zeigt „trotz der Kapitalmarktturbulenzen in 2020 ein sehr stabiles Bild“ – insgesamt werden dort rund 2.700 Familien mit einem Vermögen von insgesamt 1,625 Milliarden Euro höchst individuell betreut.

Ausblick Firmenkunden
Für das Jahr 2021 erwarten Wirtschaftsexperten aufgrund von Nachholeffekten rund 4 Prozent Wachstum. Bei der Frage, wie stark sich die zu erwartende Erholung in einzelnen Branchen auswirkt, ist eine deutlich differenzierte Entwicklung zu erwarten. Entscheidend ist insbesondere die weitere Entwicklung der Lockdown-Maßnahmen für die Unternehmen. Für unsere Region wird daneben auch mittelfristig die Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilindustrie von besonderer Bedeutung sein, so Raab.

Für die Unternehmen wird im neuen Jahr 2021 zudem die Frage eine zentrale Rolle spielen, wie gut der Übergang zurück aus dem Krisenmodus (gestützt durch Zuschüsse) zur Normalität (mit Ertrag aus Umsätzen) gelingt. „Wir stehen mit Rat und Kredit für die Finanzierung des Aufschwungs bereit“, so Raab.

Insgesamt betrachtet dürfe man, so Raab, „begründet hoffen, dass das Jahr 2021 wirtschaftliche Erholung bringen wird und der Mittelstand in der Breite deutliche Schritte aus der Krise heraus macht.“