Bild: Die erste Klinikmitarbeitende wird geimpft: Annika Bader arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation des Rems-Murr-Klinikums Winnenden. | Foto: Landratsamt
„Jede Impfung ist ein Schritt in die richtige Richtung“

Rems-Murr-Kreis.| Rund 150 Impfungen in der ersten Woche im Kreisimpfzentrum des Rems-Murr-Kreises / Startschuss auch für mobile Einsätze in Alten- und Pflegeheimen / Sigel: „Wir kommen voran – in winzigen Schritten“

Das Kreisimpfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle ist erfolgreich gestartet. Am Freitag, 22. Januar wurden die ersten 90 Bürgerinnen und Bürger der höchsten Prioritätengruppe geimpft, weitere 60 sind am Samstag dran. Das Kreisimpfzentrum (KIZ) ist damit nach wochenlangen intensiven Vorbereitungen in den Betrieb gestartet. Seit Dezember haben die Rems-Murr-Kliniken und der Landkreis mit Hochdruck daran gearbeitet, ein Impfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle aufzubauen, das dem Anspruch des Landkreises an bestmögliche medizinische Versorgung seiner Bürgerinnen und Bürger gerecht wird. Das KIZ ist bereits seit Mitte Januar startbereit – nur an Impfstoff fehlte es bislang.

Inzwischen ist die erste Impfstofflieferung eingetroffen. Allerdings werden dem Rems-Murr-Kreis in den ersten Wochen nur extrem wenig Impfdosen zugeteilt: Das Kreisimpfzentrum hat für die ersten 14 Tage gerade einmal 1.170 Impfdosen bekommen – ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Großteil dieser Impfdosen – für rund 360 Impfungen wöchentlich – geht an die zwei mobilen Teams des Kreisimpfzentrums, um möglichst schnell die Alten- und Pflegheime durchzuimpfen. „Diese Gruppe müssen wir besonders schützen, daher werden wir hier einen Schwerpunkt setzen. Wir haben uns aber bewusst dazu entschieden, auch Termine im Impfzentrum anzubieten, selbst wenn es anfangs nur sehr wenige sind. Wenn wir bei dem wenigen Impfstoff, den wir haben, ausschließlich in den Heimen impfen, kommen die anderen nie zum Zug. Und viele Menschen in häuslicher Pflege warten ebenfalls sehnlichst auf einen Impftermin“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel.

Neben den wöchentlich 150 Impfungen im Kreisimpfzentrum für Personen der obersten Priorität muss dort auch das Personal der Rems-Murr-Kliniken geimpft werden, da die Kliniken keinen eigenen Impfstoff bekommen haben. Auch dies war ein Grund, den Betrieb im Kreisimpfzentrum aufzunehmen und nicht zu verschieben. Die ersten 60 Klinikmitarbeitenden der obersten Prioritätengruppe werden am Samstag zusätzlich zu den Terminen für die Bürgerinnen und Bürger geimpft. Stellvertretend für diese Gruppe erhielt Annika Bader, Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation Winnenden, am Freitag, um 12 Uhr eine der ersten Impfungen.

„Die Pandemie werden wir erst in den Griff bekommen, wenn ausreichende Impfung möglich ist und dafür haben wir im Rems-Murr-Kreis mit dem KIZ die Voraussetzungen geschaffen. Aufgrund des fehlenden Impfstoffs können wir anfangs leider nur wenige Termine anbieten. Das ist sehr ärgerlich– zumal wir im Kreisimpfzentrum deutlich mehr leisten könnten. Wir nutzen jetzt die terminarme Anfangszeit, um die Abläufe im KIZ einzuspielen, damit alles reibungslos funktioniert, wenn wir in den Hochbetrieb wechseln und täglich rund 800 Impfungen abwickeln“, so der Landrat. Mit Blick auf die ersten Impfungen sagt Sigel: „Wir kommen voran – in winzigen Schritten. Trotzdem ist jede Impfung ein Schritt in die richtige Richtung. Ich kann nur appellieren: Haben Sie Geduld und bewahren Sie Ihre Impfbereitschaft, auch wenn es jetzt schwerfällt. Wir können die erfreulich hohe Nachfrage nach Impfterminen im Moment leider nicht bedienen. Wir als Landkreis stehen aber bereit und verimpfen jeden Tropfen Impfstoff, den wir bekommen, so schnell und so sinnvoll wie möglich. Da wir aber vergleichsweise viele Einwohner auf wenig Impfstoff haben, gilt: Werden Sie Impftourist, nehmen Sie einen Impftermin dort an, wo Sie ihn bekommen,“ sagt der Landrat, wenngleich mit etwas Wehmut mit Blick auf die geschaffenen Strukturen im eigenen Landkreis.

„Ich bin froh, dass endlich die ersten Personen im Kreisimpfzentrum geimpft werden. Jede Person, die einen Schutz vor dem Virus erhält, ist ein wichtiger Schritt zur Eindämmung und Überwindung der Pandemie. Seien wir dankbar, dass die medizinische Forschung binnen Jahresfrist mehrere Impfstoffe entwickeln konnte. Der Mensch ist vor Krankheiten nicht gefeit, das zeigt der Blick in die Geschichte. Noch nie wurden schneller hochwirksame und derart fortschrittliche Impfstoffe entwickelt. Ich selbst gehöre noch den Generationen an, die mit gemischten Gefühlen an die Reihenimpfungen in der Schule denken. Sie waren aber genauso wichtig wie die heutige Impfung gegen Corona, weil es damals wie heute darum geht, schlimme Krankheiten auszurotten. Corona macht uns bewusst, dass Impfen wichtig für die Gesellschaft ist, weil man damit sich und seine Mitmenschen schützt. Den Impfungen im Kreisimpfzentrum wünsche ich viel Erfolg!“, sagte Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky beim Impfstart.

Mobile Impfteams
Zeitgleich mit dem Impfstart in Waiblingen haben die mobilen Impfteams des KIZ ihre Arbeit aufgenommen – zusätzlich zu den mobilen Teams aus dem Zentralen Impfzentrum in Stuttgart. Die ersten 36 Impfungen fanden am Freitag, 22. Januar im Stiftungshof im Haubenwasen in Alfdorf statt; am Samstag, 23. Januar werden dort weitere 108 Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende geimpft. Mit der Arbeit der mobilen Impfteams soll sichergestellt werden, dass die Menschen der Prioritätsstufe 1 schnell durchgeimpft werden können.

Terminvergabe
Die Vergabe der Termine läuft ausschließlich zentral über die Rufnummer 116 117 und die bundesweite Plattform www.impfterminservice.de. Das Landratsamt kann keine Termine vergeben und auch nicht in die Terminvergabe eingreifen oder Personen „dazwischen schieben“. Zunächst können Termine nur an Personen der Prioritätsstufe 1 (Menschen über 80 Jahren und entsprechend benannte Berufsgruppen) vergeben werden.

Die Terminvergabe in den Kreisimpfzentren wurde einheitlich am 19. Januar freigeschaltet. Der Start der Terminvergabe verlief im ganzen Land holprig, als 1,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger gleichzeitig versucht haben, auf das System zuzugreifen. Trotz technischer Startschwierigkeiten wurden die Termine der ersten drei Wochen alle gebucht. Am Samstag, 23. Januar, sollen neue Termine für Samstag, 13. Februar, verfügbar sein. Am Sonntag, 24. Januar, dann für Sonntag, 14. Februar – jeweils auf den Tag genau drei Wochen später. Voraussetzung dafür ist, dass genug Impfstoff vom Land geliefert wird.

Hintergrund
Die Umsetzung der Impfstrategie ist Landesaufgabe. Die Aufgabe des Rems-Murr-Kreises ist es, Räumlichkeiten für das Impfzentrum zur Verfügung zu stellen und sie für den Impfbetrieb einzurichten. Dies ist dank der guten Zusammenarbeit mit den Rems-Murr-Kliniken, der Stadt Waiblingen, dem DRK, dem DLRG, der Freiwilligen Feuerwehr Waiblingen gelungen.