Drohender Wegfall des Bundeswehr-Auftrags gefährdet Bremer Verkehrspilotenschule der Lufthansa 

Das Bundesministerium der Verteidigung arbeitet daran, nach über 50 Jahren vertrauensvoller zivil-militärischer Kooperation die Ausbildung von Transportpilotinnen und -piloten von Bremen an den Standort Rostock-Laage zu verlagern. Die Vereinigung Cockpit und ver.di kritisieren diese Überlegungen scharf. Dadurch wird der Fortbestand der traditionsreichen Lufthansa-Flugschule in Bremen gefährdet und Tarifflucht unterstützt.

Die Flugschule in Rostock-Laage ist im Gegensatz zu Bremen nicht tarifiert. Dort werden deutlich geringere Löhne gezahlt. Durch den geplanten Umzug unterstützt die Bundeswehr also die Tarifflucht innerhalb des Lufthansa-Konzerns. Seitens des Unternehmens wurden nicht einmal Gespräche mit der Belegschaft gesucht, um den Auftrag zu halten.

Die traditionsreiche Verkehrsfliegerschule Bremen der Deutschen Lufthansa blickt auf Jahrzehnte von Flugausbildung mit höchsten Qualitätsstandards und mit größter Zuverlässigkeit zurück. Neben den Lufthansa-Cockpit-Besatzungen wurde hier auch das Flugpersonal der japanischen All Nippon Airways sowie die Transportpilotinnen und -piloten der Bundeswehr und der Flugbereitschaft der Bundesregierung gemeinsam ausgebildet. Ebenfalls absolvierten Astronautinnen und Astronauten der ESA wie Samantha Cristoforetti und Dr. Alexander Gerst hier Ausbildungsteile für Ihre Missionen.

Da durch den möglichen Abzug der staatlichen Aufträge nun nicht nur Einnahmen wegbrechen, sondern auch die Stückkosten steigen, sind weite Teile des Geschäfts gefährdet. Unter anderem wird der Standort den Auftrag durch die japanische All Nippon Airways wegen steigender Preise aller Voraussicht nach verlieren. Für die Bremer Flugschule und ihre Belegschaft ist diese Situation existenzbedrohend. Insgesamt stehen die Jobs von 150 hochqualifizierten Arbeitskräften auf dem Spiel.

Die Flugschule ist als Teil der zukunftsorientierten Luft- und Raumfahrtbranche sowohl ein wichtiger Zweig dieser Industrie am Standort Bremen als auch für den unter Druck stehenden Bremer Flughafen ein wichtiger Anker. Der Bremer Bürgermeister Dr. Andreas Bouvenschulte (SPD) hat den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kampf für ihre Jobs bereits seine Unterstützung zugesagt.

Insbesondere vor dem Hintergrund staatlicher Milliardenhilfen für den Lufthansa-Konzern wäre die immer weitergehende Reduzierung von Aktivitäten in Bremen besonders verwerflich. Die Bundesregierung sollte diesen Prozess nicht noch zusätzlich durch das Entziehen von Aufträgen beschleunigen und das Fundament der sozialen Marktwirtschaft erodieren lassen.