Bild von links oben im Uhrzeigersinn: Thomas S. Bopp, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, Michael Makurath, Oberbürgermeister der Stadt Ditzingen, Rainer Gänßle, Planungsbüro Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten, Heinrich Mollenkopf (l.) und Elmar Ziegler, Firma Sievers Garten- und Landschaftsbau | Foto: Stadt Ditzingen
Wichtige Maßnahme für den Hochwasserschutz in Kombination mit naturnaher Gewässergestaltung gestartet

Ditzingen.| In Kalenderwoche 22 erfolgte der Baubeginn für die Umgestaltung des Lachengrabens in Ditzingen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste der Spatenstich am 28. Mai unter Wahrung der jeweiligen Mindestabstände und Hygienevorschriften in einem kleineren Rahmen wie üblich stattfinden. Oberbürgermeister Michael Makurath, der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart Thomas S. Bopp, der Vertreter des Planungsbüros Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten, Rainer Gänßle, sowie Heinrich Mollenkopf und Elmar Ziegler von der ausführenden Firma Sievers Garten- und Landschaftsbau griffen trotz der widrigen Umstände zum Spaten und führten einen symbolischen Spatenstich durch. Anders als sonst üblich erfolgte der Spatenstich jedoch nicht gemeinsam, sondern zeitlich versetzt.

Städtebauliche Gestaltung und Hochwasserschutz
Die Umgestaltung des Lachengrabens soll den Bereich zwischen Hornbergstraße und Lachpfädle neu definieren sowie gestalterisch aufwerten. Dies umfasst unter anderem eine Verbreiterung des Bachlaufs und des Gewässerrandstreifens sowie dadurch bedingt eine Anpassung des öffentlichen Straßenraums. Der Straßenraum wird zurückgebaut und fungiert als reine Anliegerstraße. Im Bereich der Straße „An der Lache“ wird ein barrierefreier Übergang mit Blindenleitsystem geschaffen.

Der Lachengraben hat im angestrebten Zustand einen geschwungenen Lauf mit kastenförmigen Profil und trägt mit seiner Aue im Rahmen des zur Verfügung stehenden Raums zur Dämpfung von Hochwasserspitzen bei. Ein zusätzlicher Bachlauf erzeugt inselartige Grünflächen und sorgt für höhere Abflusskapazitäten. Durch die Aufweitung des Grünraums entsteht zusätzliches Retentionsvolumen. Die Erhöhung des Retentionsvolumens auf ca. 1.000 m³ ist notwendig, da in den vergangenen Jahren am Lachengraben immer wieder Überflutungen von Verkehrsflächen, Garagengebäuden und landwirtschaftlichen Flächen aufgetreten sind. Das zusätzliche Retentionsvolumen und die Geländemodellierungen verbessern den Hochwasserschutz für die Anlieger, aber auch für Bewohnerinnen und Bewohner von Gebäuden flussabwärts, zum Beispiel in der Ditzinger Innenstadt.

Naturnahe Gewässergestaltung zur Förderung der Tier- und Pflanzenwelt
Nach Abschluss der Umgestaltung wird im Bereich des Lachpfädle ca. 450 m² weniger versiegelte Fläche vorhanden sein. Neben dem Einbringen von Störsteinen und Totholz, der Anlage von mehreren Überlaufgräben und dem Verzicht auf eine Uferbefestigung, wird der Lachengraben über die Wiesenböschungen zugänglich.

Die Uferbepflanzung wird nicht durchgehend erfolgen, um die Einsehbarkeit des Gewässers zu fördern. Vom bisherigen Baumbestand können 52 Bäume erhalten werden. 50 Neupflanzungen stehen 48 gerodeten Bäume gegenüber. Bei zwei Bäumen war eine Erhaltung durch eine Umpflanzung möglich. Die Bachsohle wird nicht befestigt, so dass sich eine Niedrigwasserrinne ausbilden kann. Für Fische, Insekten und Vögel wird ein neuer attraktiver Lebensraum geschaffen. Die Pflanzung zahlreicher einheimischer Baum- und Straucharten sowie Wiesensaaten werten den Bereich ökologisch auf.

Oberbürgermeister Michael Makurath äußerte sich erfreut über das städtebauliche Projekt: „Ich freue mich sehr, dass mit der Umgestaltung des Lachengrabens nun ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzkonzepts in Ditzingen umgesetzt wird. Das Hochwasserereignis vom 4. Juli 2020 war, wie für viele Bürgerinnen und Bürger, auch für mich ein prägendes Erlebnis. Die Umgestaltung ist ein wichtiger Baustein für die zukünftige Verhinderung eines ähnlichen Szenarios und bietet zusätzlich der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt einen neuen Lebensraum. Ein besonderer Dank gilt dem Verband Region Stuttgart für die Förderung der Maßnahme.“

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart Thomas S. Bopp: „Die Förderung zahlreicher Maßnahmen im Bereich Hochwasserschutz ist dem Verband Region Stuttgart ein wichtiges Anliegen. Die Umgestaltung des Lachengrabens in Ditzingen ist ein gelungenes Beispiel für die Kombination aus Hochwasserschutz und gleichzeitiger ökologischer Aufwertung.“

Förderung durch den Verband Region Stuttgart
Der Abschluss der Umgestaltung am Lachengraben ist für das erste Quartal 2021 geplant. Die Baukosten betragen 825.000 €. Davon trägt die Stadt Ditzingen 600.000 €, 225.000 € übernimmt der Verband Region Stuttgart im Rahmen einer Fördermaßnahme. Damit beteiligt sich der Verband Region Stuttgart bereits zum dritten Mal an einem Landschaftsparkprojekt der Stadt Ditzingen. Im Jahr 2011 wurde die „Öffnung der Glems“ zwischen Glemsbrücke an der Bauernstraße und der Fußgängerbrücke im Übergang zur Glemsaue im Rahmen des Hochwasserschutzes als Förderprojekt anerkannt. Im Jahr 2018 folgte die Förderzusage für das Landschaftsparkprojekt „Platz an der Glems und Weg zur Glemsaue“ als östliche und westliche Erweiterung der „Glemsöffnung“. Diese grüne Wegebeziehung bildet den Ausgleich zur städtischen Einkaufsachse und erfährt durch den neuen Platz eine zentrale Bedeutung innerhalb der grünen Freiraumachse von Ditzingen.