Bild: Waiblingens Baubürgermeister Dieter Schienmann (Mitte), Stefan Hein, Dezernent im Landratsamt für Bauen, Umwelt und Infrastruktur (2.v.l.), mit Mitarbeitern des Straßenbauamts auf der Blühfläche in Waiblingen-Nord. | Foto: Landratsamt

Nach Erfolg der Blühflächen entlang der B 29 wird das Projekt nun auf die B 14 ausgeweitet

Der Rems-Murr-Kreis hat im Jahr 2018 an mehreren Anschlussstellen der B29 im Bereich von Schorndorf, Winterbach und Geradstetten große Blühflächen, Schmetterlingssäume und Wildbienenhabitate auf einer Gesamtfläche von rund vier Hektar angelegt. Diese Flächen waren diesen Sommer durch ihre wechselnde Blütenpracht in verschiedenen Farben ein echter Hingucker. Und nicht nur das: Ein Monitoring ergab, dass sich bereits einige Insektenarten angesiedelt haben und die Flächen regelmäßig von Honigbienen aus der Umgebung besucht wurden. Auch bei den Bürgerinnen und Bürgern, den Naturschutzverbänden sowie den Imkern kamen die Blühflächen gut an.

Bestärkt durch diesen Erfolg weitet der Rems-Murr-Kreis das Projekt nun aus: weitere Blühflächen entstehen entlang der B14 im Bereich der Anschlussstellen Winnenden-West (rund ein Hektar), Schwaikheim (rund 0,6 Hektar) und Waiblingen-Nord/Korb (rund 0,2 Hektar). Auch an der B29 bei Weinstadt entstehen weitere Flächen mit rund 0,7 Hektar.

„Mit dem blühenden Naturpark, der Remstal Bienenroute und unseren Blühflächen entlang der Bundesstraßen bringen wir den ganzen Landkreis zum Blühen“, freut sich Landrat Dr. Richard Sigel. „Wir haben vieles vernetzt und interkommunal zusammengearbeitet. Wichtig ist mir, nicht nur bunte Blumenwiesen anzulegen. Wir schaffen einen dauerhaften Lebensraum für zahlreiche Insekten. Damit nehmen wir im Landkreis unsere Verantwortung wahr und leisten unseren Beitrag zur Stärkung der Biodiversität.“

„Das Blühflächenprojekt des Landkreises war nicht nur Beiwerk der Remstal Gartenschau 2019, sondern ein zentraler Bestandteil des blühenden Remstals“, so Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky. „Der Kreis hat die Chance genutzt, bisher eher weniger beachtete Flächen zu „Hinguckern“ zu entwickeln, die auch für die Insekten und die Umwelt wertvoll sind. Die Blühflächen an den Bundesstraßen weckten Vorfreude auf den Besuch in den Gartenschau-Kommunen.“

Bürgermeister Gerhard Häuser aus Schwaikheim lobt die interkommunale Zusammenarbeit: „Der Verantwortung für unsere Natur können wir uns nur gemeinsam stellen. Wildbienen, Käfer oder Schmetterlinge scheren sich ja auch nicht um Gemarkungsgrenzen. Besonders freut es mich, dass mein Korber Amtskollege Jochen Müller und ich uns gemeinsam dafür stark machen konnten, die Kreisinsel an der Kreuzung von K 1911 und K 1850 in das Blühflächenprojekt mit aufzunehmen und dass wir damit Erfolg hatten. Immer wieder haben Bürgerinnen und Bürger diese Fläche als ungepflegt kritisiert. Nun wird sie hoffentlich bereits im nächsten Frühjahr in eindrucksvoller Blüte stehen, das Auge erfreuen und gleichzeitig wichtigen Lebensraum bieten.“

„Erfreulich nicht nur für die Insekten, sondern für viele Spaziergänger, Rad- und Autofahrer, die an dieser Stelle vorbeikommen. Häufig zur Naherholung in die Korber Weinberge oder in das Streuobstparadies „Dornhau“. Ich freue mich jetzt schon auf das Frühjahr und den Sommer“, so Bürgermeister Jochen Müller aus Korb.

Bei der Umsetzung wird zuerst der nährstoffreiche Oberboden abgetragen und der Boden mit Splitt vermengt, um ihn abzumagern. Nur so können sich artenreiche Bestände mit reicher Blühte, wie sie in den Saatgutmischungen enthalten sind, entwickeln. Anschließend werden diese speziell abgestimmten Saatgutmischungen eingesät. Im Bereich der Schmetterlingssäume werden zusätzlich noch Nisthügel geformt, in deren Spalten und Klüften sich Insekten ansiedeln können. Diese Nisthügel sind als pyramidenförmige Erdhaufen bereits an mehreren Stellen hergestellt worden.

Die Herstellung der Blühflächen entlang der B 29 sowie das erste Jahr der Pflege wurde durch ein Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt am Ministerium für Verkehr finanziert. Ein Diplombiologe sowie die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt begleiten die Maßnahme in fachlicher Hinsicht.

In den Flächen wurden spezielle Saatgutmischungen für Blumenweisen und für Wildbienensäume mit jeweils mehr als 60 verschiedenen Blumen- und Kräuterarten eingebracht, darunter auch Arten, die auf der roten Liste stehen. Am Auffälligsten waren die Blüten des Saatmohns, die die Flächen rot färbten, und die Kornblumen mit ihren dunkelblauen Blüten.

Der Rems-Murr-Kreis wird, abhängig von der weiteren Förderung durch das Land, weitere Flächen zu Blühflächen umwandeln. Die Kriterien sind dabei große zusammenhängende Flächen, gute Bewirtschaftbarkeit sowie ökologische Verwertbarkeit. Nicht alle Straßennebenflächen eigenen sich daher. Blühflächen müssen, damit sie erhalten bleiben, aufwendig gepflegt werden können. In einem Blühflächen-GIS wird der Kreis alle Flächen erfassen und abrufbar machen.