von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Das Schreckgespenst vom Heimfluch ist keines mehr. Die SG BBM Bietigheim besiegte am Sonntag den Tabellenzweiten HSC 2000 Coburg mit 27:23 (11:11) Toren. Der Bundesliga-Absteiger feiert seinen ersten Heimerfolg der Saison und klettert auf Rang 11. Coburg bleibt auf Platz 2 hinter dem nun alleinigen Tabellenführer TUSEM Essen.

Natürlich hörte man da in der in der mit 2163 Zuschauern gefüllten Ludwigsburger MHPArena förmlich die Steine purzeln bei den so schlecht in die Saison gestarteten Schwaben. Mit der dritten Niederlage in Folge wäre das Team um Kapitän Jan Asmuth im ausgeglichenen Mittelfeld der 2.HBL bis auf Rang 17 durchgereicht worden. „Ich bin überglücklich mit den zwei Punkten, aber nicht weniger mit unserer Leistung“, freute sich deshalb SG BBM-Coach Hannes Jón Jónsson. Seine Jungs zeigten viel Engagement und ehrliche Arbeit in der Defensive, hielten den zweitstärksten Angriff der Liga bei 23 Gegentreffern und behielten auch offensiv in einem lange umkämpften Spiel den Kopf oben. „Das war eine starke Leistung der Hausherren, aber ich finde, wir haben einen hohen Anteil an unserer Niederlage. Wir haben 60 Minuten lang nie so richtig zu unserem Spiel gefunden“, musste dagegen Gästetrainer Jan Gorr eingestehen.

Beim Seitenwechsel war beim Stand von 11:11 noch alles völlig offen. Die ersten Minuten hatten dem Tabellenzweiten aus Coburg gehört. Florian Billek traf nach zehn Minuten zum 3:6, nachdem Jan Kulhánek im Tor der Franken die ersten freien Chancen der Hausherren zunichte gemacht hatte. Die SG BBM ließ sich durch den frühen Rückstand jedoch nicht von ihrem Spielkonzept abbringen. Zunächst war es Tim Dahlhaus, der mit seinem bereits vierten Tor zum 7:7 im rechten Rückraum für die größte Torgefahr sorgte. Aber vor allem ließ Bietigheim, nachdem es auch defensiv im Spiel war, vor einem guten Jürgen Müller im Tor nicht mehr viele klare Chancen der Gäste zu. Der Lohn war einen zwischenzeitliche 10:8-Führung.

Die engagierte Abwehrarbeit des Bundesliga-Absteigers sollte dann nach dem Wechsel zum Grundstein des Erfolges werden. „Unser Gegner hat es geschafft, in der Deckung extrem heiß zu sein“, formulierte das Jan Gorr aus Coburger Sicht. Tobias Varvne und Andreas Schröder, am Ende die beiden erfolgreichsten Werfer beim Tabellenzweiten, konnten auch nicht verhindern, dass sich Bietigheim Stück um Stück einen 22:17-Vorteil erarbeitete. Da waren noch zehn Minuten auf der Uhr.

„Wir hatten noch eine kurze Situation, in der wir auf 22:20 herankommen“, so Gorr. „Bietigheim hat mit klugen Aktionen aber die Big Points gemacht“. Und für die waren am Ende Michael „Mimi“ Kraus und Jonas Link verantwortlich. Der Ex-Weltmeister traf nach der Pause fünfmal, Link an seiner Seite steuerte in der zweiten Halbzeit sechs Treffer bei. Torgefahr, ganz wie sie sie Jónsson von seinen beiden Spielgestaltern gefordert hatte. „Für deren Rollen im Angriff hatten wir uns etwas vorgenommen“, so Jónsson. „Das haben die beiden sehr gut umgesetzt.“

SG BBM Bietigheim: Müller, Maier; Link (8), Kraus (5), Dahlhaus (5), Schäfer (3/2), Rentschler (2), Marčec (2), Fischer (1), Rønningen (1), Claus, Vlahovic, Öhler, Asmuth, Emanuel, Boschen.

HSC 2000 Coburg: Kulhánek, Poltrum; Varvne (6), Schröder (5), Zeman (3), Billek (3/2), Sproß (2), Jaeger (1), Wucherpfennig (1/1), Timm (1), Zetterman (1), Weber, Lilienfelds.

Spielverlauf: 3:6 (11.), 8:7 (18.), 10:8 (23.), 11:11 (30.), 14:12 (35.), 18:15 (43.), 22:17 (50.), 22:20 (54.), 25:21 (57.), 27:23 (60.).

Zeitstrafen: Rønningen (19., 33.), Fischer (40.), Rentschler (60.) – Timm (16.), Zeman (46.)
Siebenmeter: 2/2 – 3/5

Schiedsrichter: Thomas Kern / Thorsten Kuschel (DHB Elite-Anschlusskader)
Zuschauer: 2163 (MHPArena Ludwigsburg)