Bild: Die angehenden Techniker blicken zusammen mit ihren Lehrern zufrieden auf vier Jahre Schule zurück. | Foto: Stefanie Eiden (CSS)

von Jan Uwe Berner

Ludwigsburg.| Wenn 16 erwachsene Menschen freiwillig für vier Jahre die Schulbank drücken und einen großen Teil ihrer Freizeit investieren, dann müssen sie begeistert sein. Und sie sind begeistert. Begeistert von Technik. Und deshalb wollen sie Techniker werden, staatlich geprüft und mit Siegel.

In der Carl-Schaefer-Schule in Ludwigsburg stellten die künftigen Techniker im Bereich Elektrotechnik ihre Abschlussarbeiten der Öffentlichkeit vor. Die Fachschule für Technik im Bereich Elektrotechnik an der Carl-Schaefer-Schule qualifiziert Facharbeiter berufsbegleitend weiter zum staatlich geprüften Techniker. Dass das ein manchmal harter und langer Weg ist, ist den Herren – in diesem Jahr waren in der Klasse nur Männer – von Anfang an bewusst. Und jetzt, nach rund dreieinhalb Jahren stellen sie die Ergebnisse ihrer Technikerarbeiten vor und damit die Resultate von teilweise hunderten Stunden Nachdenken, Skizzieren,, Zeichnen, Bauen, Optimieren und nicht zuletzt Dokumentieren und Verfassen einer Ausarbeitung, die sich mit so mancher Bachelor- oder Masterarbeit problemlos messen kann.

Drei der Arbeiten wurden in Vorträgen vor der gut besuchten Aula vorgestellt, alle Projekte konnten dazu auch wie in einer Messe besichtigt werden.

Artur Dutschmann etwa, passionierter Radfahrer und E-Bike-Nutzer, baute eine transportable Solarladestation für sein bevorzugtes Verkehrsmittel. Markus Hensel entwickelte eine Möglichkeit, eine mobile Kamera mit weiteren Sensoren wie etwa solchen zur Erfassung von Körpersensoren zu verbinden und damit beispielsweise die Daten einer Bodycam mit dem Pulsmesser des Trägers gemeinsam auszulesen.

Um die Wirkung eines Films auf einem Fernseher noch eindrücklicher zu machen, montierte Marcel Slotosch eine Ambientebeleuchtung, die an jedem Monitor angebracht werden kann und das Umfeld des Bildschirms so ins rechte, stimmungsabhängige Licht zu rücken.

Darüber hinaus wurden Kalibrierstände für Scheibenwischermotoren entwickelt, ein Synthesizer gebaut, und – Traum eines jeden Lehrers und Referenten – ein Störsender für Seminar- und Klassenräume produziert. Dieser macht die Ablenkung vom eigentlichen Thema durch digitale Nebenbeschäftigungen unmöglich, weil Smartphones und Laptops im erzeugten Funkrauschen kein brauchbares Signal mehr finden können.

Auch eine App zur Steuerung verschiedenster Smart-Home-Anwendungen unterschiedlicher Hersteller wurde programmiert. Nicht mehr überlegen zu müssen, ob nun die Anwendung von Hersteller A die Heizung oder das Licht steuert, ob App B die Rollläden schließt oder doch die Bewässerung der Balkonkästen aktiviert, sondern nur noch ein Programm mit einheitlicher Benutzeroberfläche auf dem Endgerät installieren zu müssen, die alles vereint, was im vernetzten Heim aus nah und fern sich steuern lässt.

Zum Teil wurden die Arbeiten im Auftrag der Arbeitgeber der angehenden Techniker erarbeitet, zum Teil auch, um in anderen Ausbildungsgängen der Carl-Schaefer-Schule verwendet werden zu können, wie etwa der Bau eines Entwicklungsboards für einen sogenannten Einplatinenrechner, das sowohl in der Berufsschule als auch in den Berufskollegs und im Technischen Gymnasium der Carl-Schaefer-Schule eingesetzt werden kann.

Und mancher Schüler wählte sich ein Projekt, das er in erster Linie für sich selbst entwickelte, wie etwa die Solarladestation oder der Synthesizer. Dass daraus auch ein wirtschaftliches Standbein werden könnte, ist selbstverständlich keineswegs ausgeschlossen.

Noch sind die Abschlussprüfungen der Fachschule für Technik nicht vorbei, doch die Vielfalt und Qualität der gezeigten Arbeiten lässt keinen Zweifel aufkommen, dass auch diese letzte Hürde, die Ende November genommen werden möchte, für die angehenden Absolventen gut zu nehmen sein wird.

„Die staatlich geprüften Techniker sind ein wichtiger Beitrag, um dem viel und oft beschriebenen Fachkräftemangel etwas entgegen zu setzen.“ betont Ralph Steinke, Lehrer an der Carl-Schaefer-Schule und Koordinator der Fachschule für Technik – Elektrotechnik. Dass dies nicht nur der Lehrer so sieht, wird auch daran deutlich, dass die Präsentation auch von einigen Personalrekruteuren mit großem Interesse verfolgt wurde.

Übrigens: Die nächste Chance, sich zum staatlich geprüften Techniker – Elektrotechnik zu qualifizieren, gibt es ab Februar 2020. Weitere Informationen zum Schulbetrieb und zur Bewerbung finden sich auf der Homepage der Carl-Schaefer-Schule unter
https://www.css-lb.de/de/Bildungsangebote/Fachschule-fuer-Technik/Elektrotechnik.