von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Gleich zwei Negativserien wollen die Handballer der SG BBM Bietigheim am Samstag (18:30 Uhr, EgeTrans Arena) beenden: Am neunten Spieltag der 2. HBL soll endlich der erste Heimsieg her und in sechs Begegnungen gab es noch nie ein Erfolgserlebnis gegen den TuS N-Lübbecke.

Diesen Samstag haben sich die Handballfans rund um Bietigheim-Bissingen im Terminkalender dick angekreuzt. Der erste Bietigheimer Doppelspieltag in dieser Saison steht vor der Türe. Mit einem Ticket kann zunächst beim Gruppenspiel in der EHF Champions League der Frauen zwischen Bietigheim und Brest Bretagne mitgefiebert werden. Anschließend wollen die Bietigheimer Männer in der 2. HBL gegen den TuS N-Lübbecke ihre Punktebilanz ins Positive drehen.

In der EgeTrans Arena treffen zwei ehemalige Bundesligisten aufeinander, die in der aktuellen Saison noch ihren eigenen Erwartungen hinterherlaufen. Bietigheim belegt Platz 9, der Gast aus dem Lübbecker Stadtteil Nettelstedt rangiert knapp dahinter auf Platz 11. „Der Tabellenstand sagt momentan noch gar nichts über die Stärke der Mannschaften aus“, stellt SG BBM-Trainer Hannes Jón Jónsson indes mit Blick auf eine sehr ausgeglichene Liga klar. Jeder Spieltag wartet mit vermeintlichen Überraschungen, die Teams in der vorderen Hälfte trennen nur ein, zwei Punkte.

Die Ostwestfalen konnten nach ihrem Abstieg aus der 1. Liga bereits in der vergangenen Saison hautnah Erfahrung damit sammeln, dass das Unterhaus für die Absteiger mehr als nur eine lästige Durchgangsstation auf dem Weg zurück in die Beletage des deutschen Handballs bereithält. Für N-Lübbecke endete die Saison auf Platz Sieben. Die Ostwestfalen wollen sich in dieser Runde weiter nach oben orientieren und zählen mit ihrer individuellen Qualität im Kader zum erweiterten Kreis der Aufstiegsanwärter. Dazu hat sich N-Lübbecke auf der Trainerposition neu aufgestellt und mit Emir Kurtagic einen erfahrenen Mann an die Seitenlinie geholt. Zu den wichtigen Neuzugängen gehören Dominik Ebner (vom TBV Lemgo) auf der rechten Seite und Spielgestalter Roman Becvar. Der Tscheche spielte zuletzt beim Ligakonkurrenten HC Elbflorenz.

Rechtzeitig vor dem Gastspiel in der EgeTrans Arena hat der TuS seine drei Spiele andauernde Negativserie mit einem 25:20-Erfolg gegen den TV Hüttenberg beendet. Emir Kurtagic kann aktuell auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. Das gilt auch für den Polen Patryk Walczak, der aus disziplinarischen Gründen gegen Hüttenberg nicht zur Aufstellung zählte. Die SG BBM muss insbesondere auf den wurfgewaltigen Rückraum, angeführt vom früheren Junioren-Nationalspieler Valentin Spohn (38 Saisontore), ein Auge werfen. „Lübbecke hat eine richtig gute Rückraumreihe mit starken Außenspielern“, beurteilt Jónsson den kommenden Gegner. „Das ist vielleicht die wurfstärkste Mannschaft in der 2. Liga“, sagt der Isländer. Die zweitwenigsten Gegentore in der 2. HBL sind ein deutlicher Hinweis auf die Defensivqualitäten der Gäste.

Dass sich die Bietigheimer Handballer aber auch in einem defensiv geprägten Spiel behaupten können, das haben sie gerade eben mit dem 26:23-Erfolg bei den Rimpar Wölfen eindrücklich unter Beweis gestellt. Gut möglich, dass auch am Samstag die Abwehr- und Torhüterleistungen entscheidend sein werden. In einem Spiel auf Augenhöhe? „Jedes Spiel beginnt auf Augenhöhe“, sagt Jónsson. „Dann liegt es an uns, was wir daraus machen“. Die zuletzt mit viel körperlichem Einsatz geführte Defensive soll da eine wichtige Rolle spielen. „Für uns geht es wieder darum, dass die Abwehr steht wie in den letzten zwei Spielen“, betont Jónsson, „dann können wir am Samstag mitreden.“ Der kleine „Heimfluch“, der den Bundesliga-Absteiger sein Saisonbeginn verfolgt, ist für ihn übrigens überhaupt kein Thema. Mit Unterstützung der Fans soll der bald der Vergangenheit angehören. Personell kann Bietigheims Trainer wie sein Gegenüber aus dem Vollen schöpfen. Lediglich hinter dem Einsatz des erkrankten Nikola Vlahovic, der gegen Rimpar Spielzeit erhalten hat, steht ein Fragezeichen. Ex-Weltmeister Michael „Mimi“ Kraus scheint dagegen nach seiner Oberschenkelverletzung auf einem guten Weg. Er interpretierte seine Rolle gegen Rimpar, in der er noch nicht bei einhundert Prozent sein kann, an der Seite von Jonas Link und Dominik Claus an der Schaltstelle im Rückraum glänzend.

„Keine Frage, der Sieg über Rimpar war wichtig für uns“, gesteht Jónsson. „Für diejenigen Mannschaften, die bis zum Saisonende oben mitspielen wollen, ist in dieser verrückten Liga aber jeder Punkt wichtig und Gold wert“. Das gilt am Samstag dann wohl für Bietigheim wie für die Gäste aus Lübbecke.